DSO Corona bremst Organspende

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Corona-Pandemie

Einen „dramatischen Einbruch“ bei den Organspenden verzeichnet die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO). Dieser stehe in Verbindung mit der Corona-Pandemie.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie bremsen laut DSO die Organspende. – © sewcream (stock.adobe.com)

Im ersten Quartal 2022 hat es einen massiven Einbruch von 29 Prozent gegenüber demselben Vorjahreszeitraum gegeben, heißt es in einer Mitteilung der DSO. Die Anzahl der Organspendenden ist demnach auf 176 gesunken. Gleichzeitig ist die Anzahl der postmortal entnommenen Organe um 28 Prozent auf 562 Organe zurückgegangen. In den Transplantationszentren sind 600 Organe übertragen worden, die durch Eurotransplant an die Patientinnen und Patienten auf den Wartelisten vermittelt wurden. Das sind 24 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Dr. Axel Rahmel, Medizinischer Vorstand der DSO, spricht von einer „dramatischen Entwicklung“ für die rund 8.500 Patientinnen und Patienten auf den Wartelisten. Dieser Einbruch komme völlig unerwartet, zumal man bisher im Vergleich zu den meisten anderen Ländern ohne größere Einbußen durch die Pandemie gekommen sei.

Weniger Zustimmung zur Organspende

Die DSO vermutet, dass durch Arbeitsüberlastung und erhöhten Personalausfall auf den Intensivstationen weniger Organspenden realisiert werden konnten. Außerdem seien die Ablehnungen in der Akutsituation auf den Intensivstationen um elf Prozent gestiegen. Auch in den Angehörigengesprächen werde eine Organspende derzeit häufiger abgelehnt. Lediglich in 15 Prozent der Fälle liege eine schriftliche Willensbekundung des potenziellen Spenders vor.

Medizinische Kontraindikationen nehmen um 11 Prozent zu

Die medizinischen Kontraindikationen haben der DSO zufolge um elf Prozent zugelegt. Dies stehe in direkter Relation zu der gestiegenen SARS-CoV-2-Infektionsrate. Die Zahl der Fälle, bei denen der Organspendeprozess wegen dieser Infektion abgebrochen wurde, hätten sich gegenüber dem letzten Quartal 2021 nahezu verdoppelt. Internationale Erfahrungen zeigten, dass auch bei positivem SARS-CoV-2-Befund eine Organspende unter bestimmten Voraussetzungen möglich sei. Entsprechend werden seit März im Einzelfall auch Organe von solchen Spendern im Eurotransplant-Verbund angeboten. Auch die Zahl der Fälle, in denen vorzeitiges Herz-Kreislaufversagen die Organspende verhindert, haben den Angaben zufolge um 44 Prozent zugenommen.