Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen Chronische Herzinsuffizienz richtig behandeln

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Leitlinien

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen hat die Ergebnisse einer Recherche evidenzbasierter Leitlinien zur Behandlung der chronischen Herzinsuffizienz vorgelegt. Ziel ist es, Empfehlungen für ein mögliches neues Disease-Management-Programm zu identifizieren. Bisher sind aber nicht alle Versorgungsaspekte abgedeckt.

Ab Mai soll es ein Disease-Management Programm für chronische Herzinsuffizienz geben. Die bisherigen Leitfäden decken noch nicht alle Versorgungsaspekte ab. – © fovito (Fotolia.com)

Die 22 Leitlinien zur chronischen Herzinsuffizienz, die das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, IQWiG, ausgewertet hat, thematisieren neben der Diagnostik und den nichtmedikamentösen Behandlungen die medikamentösen und interventionellen Therapien. Aber auch das Monitoring, die Patientenschulung sowie die palliative Betreuung von Patienten im Endstadium oder die Situation in der Schwangerschaft werden durch Empfehlungen abgedeckt.

Einige Begleiterkrankungen fehlen

Patienten mit Herzinsuffizienz haben aber sehr häufig weitere behandlungsbedürftige Erkrankungen. Dem IQWiG zufolge erstaunt deshalb, dass ausgerechnet für Begleiterkrankungen wie Niereninsuffizienz, Diabetes mellitus oder Chronisch Obstruktive Lungenerkrankung (COPD) Empfehlungen in den Leitlinien fehlen. Auch die Versorgung von multimorbiden Patienten oder die Polypharmazie werden nicht ausreichend berücksichtigt.

Krankheitsübergänge nicht richtig dargestellt

Während sich die chronische Herzinsuffizienz über einen längeren Zeitraum entwickelt, tritt die akute plötzlich auf – etwa durch einen massiven Herzinfarkt. Typisch für die Erkrankung ist, dass sich diese Stadien verändern und abwechseln. Das impliziert, dass Patienten im chronischen Stadium ambulant betreut werden, bei einer akuten, meist lebensbedrohlichen Verschlechterung aber stationär, und – sobald die akute Situation überwunden ist – wiederum ambulant. In den Leitlinien werden akute und chronische Phase jedoch getrennt dargestellt. Der Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) an das IQWiG beschränkte sich ausdrücklich auf Leitlinien zur chronischen Herzinsuffizienz. Insofern sind die erkrankungstypisch relativ häufigen Übergänge zwischen den Sektoren teilweise nur unzureichend abgebildet.

DMP kommt bald

Informationen aus Leitlinien allein werden laut IQWiG deshalb wahrscheinlich nicht ausreichen, optimale Versorgungspfade für ein Disease-Management-Programm (DMP) zu definieren. Voraussichtlich im Mai 2016 wird die europäische Fachgesellschaft der Kardiologen eine aktualisierte Leitlinie publizieren. Experten erwarten hiervon maßgebliche Informationen, die in das DMP einfließen könnten. Das betrifft insbesondere die kardiale Resynchronisation und die Therapie von Herzinsuffizienzpatienten mit Schlafapnoe.