Schwangerschaft Chefarzt verbietet Abtreibungen

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Ethik

Weil der Chefarzt Dr. Ulrich Thomas Börner Abtreibungen nicht mit seinem Gewissen vereinbaren könne, sollte in der Capio-Elbe-Jeetzel-Klinik nur noch in Ausnahmefällen abgetrieben werden. Die Trägergesellschaft kommt zu einer anderen Entscheidung: „Abtreibungen nach dem Beratungsmodell“ sollen in der Klinik künftig durch andere Fachärzte oder Kooperationsärzte erbracht werden.

Zertifiziert für di e Beratung vor einer Abtreibung ist beispielsweise Pro Familia. Claudia von Bülow leitet eine Beratungsstelle unweit der Klinik. In Uelzen kenne man laut der Leiterin Dr. Ulrich Börner noch von früheren Zeiten als Abtreibungsgegner. Er soll einen Verein gegründet haben, der Frauen von der Abtreibung abhalten will. „Wir finden das schon schwierig, wenn z.B. mit Schuldgefühlen gearbeitet wird“, sagt von Bülow.

Dr. Börner, der seit Dezember 2016 die Gynäkologieabteilung leitet, hat öffentlich erklärt, dass kein Arzt der Klinik mehr Schwangerschaftsabbrüche durchführen werde. Es soll nur dann Ausnahmen geben, wenn das Leben der Mutter auf dem Spiel steht oder eine Frau durch eine Vergewaltigung schwanger wird.

Die Capio-Elbe-Jeetzel-Klinik ist zwar nichtkonfessionell, aber Dr. Börner sowie der Klinikleiter Dr. Markus Fröhling begründen die Entscheidung mit ihrem christlichen Glauben. Außerdem habe Dr. Börner die Erfahrung gemacht, dass ungewollt Schwangere nicht verhütet hätten, aber ihre Situation dennoch häufig Kinder zulasse und dass viele die Abtreibung im Nachhinein bereuten.

„Dies ist der zweite solche Fall in wenigen Monaten“, kritisiert der Verein Ärzte für das Leben. Im November 2016 hatte laut dem Verein nach Druck der niedersächsischen Ministerin für Gesundheit, Cornelia Rundt, die Agaplesion-Klinik eingewilligt in ihrem Krankenhaus Abtreibungen „nach der Beratungsregelung“ durch niedergelassene Kooperationsärzte durchführen zu lassen. Zuvor lehnten auch dort Ärzte aus Gewissensgründen Abtreibungen ab.

„Beide Fälle zeigen eine gefährliche Tendenz der Politik, die Gewissensfreiheit der Ärzte durch die Hintertür auszuhöhlen“, sagt Prof. Paul Cullen, Vorsitzender des Vereins. „Denn wenn ein Krankenhaus oder eine Krankenhausgruppe durch solche Umgehungsmaßnahmen gezwungen werden kann, an Maßnahmen teilzunehmen, die sie aus moralischen Gründen zutiefst ablehnen, bleibt von dem viel gepriesenen ethischen Handlungsspielraum nicht viel übrig.“