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Veranstaltungstipp „Chefarzt 4.0“: Das erwartet die Teilnehmer beim Seminar für Führungskräfte

Weil der Druck auf Chefärzte in allen Bereichen wächst, liegt der Fokus hauptsächlich auf Kosten und Effizienz und weniger auf guter Führung. Im Seminar „Chefarzt 4.0“ soll dieses Ungleichgewicht hinterfragt und die Chefs zur Selbstreflektion motiviert werden.

Dr. Jörg-Peter Schröder ist Arzt, Führungscoach, Burnout-Experte und seit 1987 im internationalen Gesundheitsmanagement tätig. Seine Zielgruppe sind Führungspersönlichkeiten wie Chefärzte. Schröder zufolge müssen gute Führungskräfte in der Lage sein, agil zu führen und effektiv zu kommunizieren. Der Workshop "Chefarzt 4.0" am 13. Februar 2019 soll Krankenhauschefs genau darin schulen.Im Gespräch mit HCM hat Dr. Schröder verraten, mit welchen Methoden er arbeitet und wie der ideale Teilnehmer für ihn aussieht.

HCM: Herr Schröder, wie schätzen Sie die Ansprüche, die an Chefärzte gestellt werden, ein?

Dr. Schröder: Chefärzte haben wenig Zeit, sich Gedanken zu machen, wie eine Abteilung gut entwickelt werden kann. Aufgrund überbordender Bürokratie, Personalknappheit und steigenden Ansprüchen von Seiten der Klinikleitung, bleibt im täglichen Geschäft wenig Raum für Führung, den Austausch mit anderen Chefärzten und strategische Überlegungen.

HCM: Was macht für Sie gute Führung aus?

Dr. Schröder: Zu einer gesunden Führung gehören drei Aspekte: Wie führe ich mich selbst, wie gehen wir im Team miteinander um und welche organisatorischen Rahmenbedingungen gibt es, damit die Kommunikation und das Miteinander besser funktionieren. Nur wer sich selbst führen kann, kann auch erfolgreich andere führen.

HCM: Worum geht es in Ihrem Seminar Chefarzt 4.0?

Dr. Schröder: Chefärzte sollen in der Arbeitswelt 4.0 agil führen, effektiv kommunizieren und wirkungsvoll Erfolge generieren. Bei der Frage, was die moderne Arbeitswelt für ein Krankenhaus bedeutet fällt auf, dass das Thema Führung bisher völlig unterschätzt wurde. Chefärzte haben zu wenig Zeit für Führung und beschäftigen sich eher mit Managementthemen. Im Seminar geht es um Reflektion: Wo steht unsere Klinik heute und wo wollen wir hin? Was beschäftigt die Mitarbeiter? Wie gehen wir miteinander um? Wie kann jeder Chefarzt seinen Beitrag zu einer Kultur der Begeisterung leisten?

HCM: Wie können Chefärzte dem Personal gerecht werden?

Dr. Schröder: Sie können der Arbeit eine Sinnhaftigkeit verleihen und damit die intrinsische Leistungsbereitschaft steigern. Wenn den Mitarbeitern der Sinn klar ist, warum sie etwas tun sollen, fällt das "wie" leichter. Außerdem beklagen sich die Mitarbeiter vieler Kliniken über mangelnde Wertschätzung und Respekt. Die Krankenhausmitarbeiter machen ihren Job oft wegen hoher idealistischer Ansprüche. Wenn es nur noch um Kosteneffizienz geht und die Menschen merken, dass ihr Engagement nicht gewürdigt wird, geht die Sinnhaftigkeit verloren.

HCM: Welche Fehler machen Führungskräfte häufig?

Dr. Schröder: Sie schauen stark auf die Defizite und nehmen sich wenig Zeit, den Mitarbeitenden zuzuhören und deren Bedürfnisse und Befürchtungen ernst zu nehmen. Mit einem Perspektivwechsel kann es gelingen, mehr Chancen und Freiräume zu schaffen. Wichtig ist z.B. auch, den Mitarbeitern mehr zuzutrauen. Das gelingt, in dem sie Dinge selbst entscheiden dürfen, anstatt sich umständlich rückzuversichern. Das steigert die Motivation und stärkt die Teamverantwortung.

HCM: Geben Sie den Chefärzten in Ihrem Seminar Kniffe für die tägliche Arbeit an die Hand?

Dr. Schröder: Das würde uns noch mehr in die Enge treiben. Wie kann ich noch kürzerer Zeit noch mehr machen? Genau darum soll es nicht gehen. Die Teilnehmer sollen Abstand gewinnen, wirklich reflektieren und sich fragen, ob sie das Essenzielle schaffen. Sonst geraten die Leute noch mehr in ein Hamsterrad.

HCM: Wie stellen Sie das in Chefarzt 4.0 konkret an?

Dr. Schröder: Wir erheben interaktiv eine IST-Situation zum Thema "Leadership". Wir finden also zunächst heraus, was die momentane Situation ist und was die Leute in die Überlastung bringt. Dann erzeugen wir einen Perspektivwechsel und schauen, was notwendig ist, um ein gutes Klima innerhalb des eigenen Organisationsrahmens entstehen zu lassen. Und auch woran die Veränderungen bisher scheiterten. Das ist jedes Mal individuell, es gibt kein Patentrezept.

HCM: Wie sieht der ideale Teilnehmer für Chefarzt 4.0 aus?

Dr. Schröder: Jeder moderne Chefarzt, der Interesse an Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit und der eigenen Abteilung hat. Das setzt Offenheit voraus, das Hinterfragen der bisherigen Zustände und des eigenen Führungsstils. Neugierde und der Wunsch der Neuausrichtung der eigenen Klinik sind sinnvolle Motivatoren. Für viele Chefärzte stellt sich die Frage: Wie vergrößere ich meine Einflussmöglichkeit, wo kann ich etwas verändern und gestalten? Im Dialog werden gemeinsam neue Perspektiven und konkrete Handlungsoptionen entwickelt.

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