Qualitätsmanagement -

Insider-Studienreise nach Israel: Sonderlagen im Krankenhaus Chaos lässt sich nicht organisieren

Im Dezember 2018 reiste eine Delegation von Vertretern deutscher Gesundheitsversorger nach Israel, um sich über das dortige Krisenmanagement für Sonderlagen in Healthcare-Einrichtungen zu informieren. Eine Zusammenfassung der wichtigen "lessons learned".

Pragmatisches Denken und maximale Vorbereitung schaffen Sicherheit im Ernstfall. So lautet eine der wesentlichen Erkenntnisse, die die deutsche Delegation von der Insider-Studienreise nach Israel im Dezember 2018 mit nach Hause genommen hat. Organisiert wurde sie von I.O.E. Wissen unter der Leitung von Dagmar Shenouda und Dr. Elio Adler, Chief Security Advisor bei High Risk Consulting, der die Reisegruppe auch vor Ort begleitete. Ziel der Exkursion war es, den Teilnehmern die Möglichkeit zu geben, zu erfahren, wie sich Healthcare-Einrichtungen bestmöglich auf unkontrollierbare Sonderlagen und damit einem plötzlichen Massenaufkommen von Patienten vorbereiten können.

Seit seiner Gründung ist der demokratische Rechtsstaat immer wieder Terroranschlägen, Krieg, aber auch Naturkatastrophen ausgesetzt. Dadurch war und ist die Gesellschaft gezwungen, einen Weg zu finden, mit solchen Sonderlagen umzugehen – auch und v.a. Healthcare-Einrichtungen. Von diesem über viele Jahre erlangten und erprobten Wissen können deutsche Gesundheitsversorger lernen. Oft fehlt es hierzulande an einer erprobten Strategie und der antrainierten Routine für eine noch nicht erlebte Gefahrenlage, wie einen Terroranschlag, einen Amoklauf oder bei einem Verkehrsunglück, die für ein Massenaufkommen an Patienten sorgt und von jetzt auf gleich die maximalen Ressourcen der umliegenden Gesundheitsversorger fordert.

Die rund 25 „General Hospitals“ in Israel, darunter die besuchten drei –

  • das Tel Aviv Sourasky Medical Center, Ichilov Hospital,
  • das Sharej Zsedek Medical Center, Jerusalem und
  • das Rambam Medical Center in Haifa –

sind so gut es nur geht auf solche Gefahrenlagen vorbereitet. Dafür sorgt zum einen die jahrelange Erfahrung, zum anderen die akribische Vorbereitung auf sämtliche Situationen – immer ausgehend davon, dass der denkbar schlimmste Fall eintritt. Das bedeutet: Jedes Krankenhaus ist dazu verpflichtet, innerhalb kürzester Zeit in der Lage zu sein, die Patientenversorgung für drei Tage autark aufrechtzuerhalten. Was die Vorhaltung des entsprechenden Equipments dafür kostet, ist dabei egal, wie Dr. Ran Edelsthain, Leiter des Emergency & Desaster Departments des israelischen Gesundheitsministeriums, erklärt. Das gilt auch für die Lager an Medizinprodukten, die das Gesundheitsministerium selbst für die Versorgung im Land vorhält. In mehreren großen Hallen werden Medikamtente, Impfungen, Verbandmaterial, Infusionswägen – kurz gesagt alles, was man für die medizinische Versorgung der Bevölkerung im Krisenfall braucht – vorgehalten. Sollte dann etwas davon von einer Einrichtung angefragt werden, verspricht das Ministerium, es innerhalb von zwei Stunden, maximal 14 Stunden, liefern zu können. „Einem Krankenhaus darf nie das Material ausgehen“, erklärt Dr. Edelsthain. Das koste zwar eine Menge Geld, aber das sei eben nötig, um das Ideal, die Bevölkerung so gut wie möglich zu versorgen, erfüllen zu können. Ein gutes Beispiel für die pragmatische Herangehensweise der Israelis an Herausforderungen. Die kommt auch zum Tragen, wenn der Ernstfall geübt und Regeln für die Prozesse und Strukturen aufgestellt werden. Jeder Einzelne muss wissen, was er zu tun hat. Dafür gibt es regelmäßige „Drills“, bei denen unterschiedliche Szenarien durchgespielt werden. Dabei werden z.B. Workflows und Zuständigkeiten trainiert, die Evakuierung von Patienten in die „Underground-Hospitals“, wie es sie am Rambam Medical Center und am Ichilov Hospital gibt, sowie die Triage von Patientenmassen.

Neben dem Besuch der Krankenhäuser hatte die Reisegruppe auch die Möglichkeit, die Arbeit von Meuchedet, eine der vier Versicherungen Israels, Magen David Adom, die israelische Variante des Roten Kreuzes, und die Abteilung für Notfall- und Katastrophensituationen des Gesundheitsministeriums sowie deren verantwortliche Krisenmanager kennenzulernen.

In den kommenden Ausgaben wird HCM einzelne Themen der Reise aufgreifen und die wichtigsten Lektionen für Healthcare-Einrichtungen herausarbeiten.

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