Medizintechnik BVMed: Medizinprodukte-Verordnung hemmt Branche

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Wenige Tage nach der Bundestagswahl präsentiert der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) einen Forderungskatalog für die neue Legislaturperiode. Auf seiner Jahrespressekonferenz blickt der Verband zudem auf aktuelle Entwicklungen in der Branche und übt deutliche Kritik an der EU-Medizinprodukteverordnung (MDR).

BVMed-Vorstandsvorsitzende Dr. Meinrad Lugan bei der Jahrespressekonferenz des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVMed). – © bvmed.de

Noch ist nicht bekannt, wer künftig mit wem regieren wird. Für BVMed-Vorstandschef Dr. Meinrad Lugan steht jedoch bereits fest: „Medizinprodukte müssen eine signifikante Rolle im Koalitionsvertrag spielen.“ Die Corona-Pandemie habe Politik und Öffentlichkeit die Bedeutung von Medizinprodukten ins Bewusstsein gerufen. Um Verteilungsprobleme wie während der Pandemie perspektivisch zu vermeiden, schlägt der BVMed u.a. die Schaffung einer „Digitalen Bestandsplattform Versorgungskritischer Medizinprodukte“ vor.

Neben der reinen Krisenprävention brauche es jedoch auch eine Initiative der Bundesregierung, um Deutschland als Medizintechnik-Standort insgesamt zu stärken, fordert Lugan. Dies könne beispielweise mithilfe besserer steuerlicher Forschungsförderung und einer Beschleunigung der Prozesse zur Einführung von Innovationen gelingen.

Hemmnis: MDR

Als größtes Hemmnis für die Entwicklung der Medtech-Branche gilt den Unternehmen derweil die EU-Medizinprodukteverordnung (MDR). Das geht aus einer aktuellen Befragung des BVMed hervor. „Über drei Jahre nach Inkrafttreten und über vier Monate nach Geltungsbeginn der EU-Medizinprodukte-Verordnung ist das MDR-System immer noch nicht praxistauglich“, kritisiert Lugan. Schwierigkeiten bereitet den Unternehmen v.a. der langwierige Zertifizierungsprozess, der aktuell durch eine zu geringe Zahl Benannter Stellen zusätzlich erschwert wird. „Innovationen stehen absolut in der Warteschleife“, betont BVMed-Geschäftsführer Dr. Marc-Pierre Möll. Doch nicht nur neue Entwicklungen seien gefährdet. Die Übergangsphase und die Laufzeit bestehender Zertifikate müssten über 2024 hinaus verlängert werden, fordert Möll. Andernfalls drohten zahlreiche Produkte und Hersteller aufgrund fehlender Kapazitäten für die Rezertifizierung vom Markt zu verschwinden.