Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) Busse empfiehlt Schließung von 800 Kliniken, DKG kontert

Zugehörige Themenseiten:
Klinikmarkt

Weniger Betten gleich mehr Effizienz? So rechnet Gesundheitsökonom Reinhard Busse. In einem Interview mit der taz fordert er die Schließung über der Hälfte der deutschen Kliniken. Die DKG kritisiert seine Thesen scharf und wirft „Auftragshascherei“ für weitere Studien vor.

Klinik Schließung
Hiervon gibt es laut Reinhard Busse zu viele: Der Gesundheitsökonom fordert die Schließung über der Hälfte der deutschen Klininken. – © annette shaff (stock.adobe.com)

„Wir müssen radikaler denken“ fordert Gesundheitsökonom Prof. Dr. Reinhard Busse in einem Interview mit der taz, der 800 von 1.400 Kliniken in Deutschland für verzichtbar hält. Bereits 2019 sorgte er für Furore mit einer Studie zu seinen Äußerungen. Nun äußert sich Georg Baum, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), zu dieser, aus seiner Sicht fragwürdigen, Behauptung:

„Missachtung wäre eigentlich die richtige Reaktion, aber man kann die Tiraden von Prof. Busse gegen das deutsche Krankenhauswesen nicht einfach hinnehmen. Seine Forderung, radikal umzudenken, kann man nur mit der Einschätzung ‚radikal daneben‘ beantworten. Die im taz-Interview wieder einmal zum Besten gegebenen Behauptungen sollen offensichtlich dazu dienen, die Einwerbung von Auftragsstudien anzukurbeln. Spätestens nach den Erfahrungen der Corona-Pandemie entbehrt es nicht einer gewissen Tragik, dass er weiterhin nicht erkennt, dass Daseinsvorsorge nicht mit radikaler Zentralisierung zu erreichen ist.“

Kleine Kliniken sichern Versorgung auf dem Land

Weiterhin wirderlegt die DKG in einer aktuellen Pressmitteilung Busses Thesen: Altbekannt ist die Empfehlung, 800 Krankenhäuser zu schließen und 600 hochzentralisierte Kliniken aufzubauen. Das zentrale Qualitätsmerkmal eines Gesundheitswesens jedoch ist der flächendeckende Zugang zur Versorgung. Dabei tragen ländliche und kleinere Kliniken einen erheblichen Beitrag mit ihrem Leistungsspektrum der medizinischen Grundversorgung, zu der Verletztenversorgung, allgemeine Chirurgie, die Behandlung vieler Erkrankungsbilder aus der Inneren Medizin, Lungenentzündungen, Vergiftungen, altersmedizinische Erkrankungen, schwere Grippefälle, Geburten u.v.m. gehören.

Pflegekräfte sollen mit Kliniken „mit umziehen“?

Busses weitere Behauptung, dass durch Zentralisierung das Personalproblem gelöst würde, lässt ebenfalls Realitätsferne erkennen. Falsch ist die Annahme, man könne Pflegepersonal beliebig aus ihren oft wohnortnahen Arbeitsstätten in weit entfernte Zentralkliniken umsetzen, und die Pflegekräfte würden dies mitmachen. Zum anderen wird ein noch intensiverer Personal-Patienten-Schlüssel bei solchen Ideen vorausgesetzt. Also noch mehr Patienten pro Pflegekraft. Zentralisierung löst den Pflegenotstand mit Sicherheit nicht. Die These, Rettungswagen führen regelmäßig einfach in das nächste Krankenhaus, ist ebenfalls falsch. Den Rettungsdiensten ist natürlich bekannt, welche Krankenhäuser in einer Region für Herzinfarkte oder Schlaganfälle am besten geeignet sind.

Patienten sterben auf dem Weg in Kliniken

Auch die Behauptung, dass tausende Herzinfarktpatienten überleben könnten, wenn sie in Großkliniken á la Dänemark eingeliefert würden, verkennt, dass zwar in zentralisierten Krankenhausstrukturen weniger Patienten im Krankenhaus sterben, dafür aber auf dem langen Weg dorthin umso mehr. Auch seine Aussagen zu Bauchspeicheldrüsen-Operationen offenbaren Erkenntnisdefizite. Nicht hinter allen auf die Bauchspeicheldrüse bezogenen Abrechnungscodes stehen bekanntlich hochkomplexe Bauchspeicheldrüsenkrebs-Operationen.

Jens Spahn distanziert sich von Studie

„Es wird Prof. Busse auch nicht durch ständige Wiederholungen gelingen die weltweit anerkannten Leistungen der Kliniken und ihrer Mitarbeiter in der Corona-Pandemie schlechtzureden“, so Baum. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat richtigerweise auf dem Krankenhausgipfel in Berlin gesagt: „Vielleicht können wir alle mal aufhören, irgendeine Studie von irgendeiner Stiftung ständig als Maßstab all unserer Debatten zu nehmen.“