Bundesverband Rehabilitation Bürokratieabbau bei Antragsverfahren zur Reha

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Die Verordnungen von geriatrischer Rehabilitation und Anschlussrehabilitation nach einem Krankenhausaufenthalt sollen einfacher werden. Der BDH fordert den vollständigen Wegfall des Genehmigungsvorbehalts und weniger Bürokratie bei Antragsverfahren.

Therapie in der Reha
Therapie in der Reha der BDH-Klinik Hessisch Oldendorf. – © BDH

Künftig soll bei der Anschlussrehabilitation bei bestimmten Krankheitsbildern nach dem stationären Aufenthalt eine Vorabüberprüfung der medizinischen Erforderlichkeit durch die gesetzlichen Krankenkassen entfallen. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hatte dazu Ende 2021 einen Beschluss zur Anpassung der Rehabilitations-Richtlinie gefasst.

Was beinhaltet der Beschluss?

Es wurde verändert, unter welchen Voraussetzungen Leistungen zur medizinischen Rehabilitation in der ambulanten Versorgung für gesetzlich Versicherte verordnet werden können. Der G-BA erfüllte damit einen Auftrag aus dem Intensivpflege- und Rehabilitationsstärkungsgesetz (GKV‑IPReG). Das Gremium sollte bis Ende 2021 die geriatrische Rehabilitation stärken und einen schnelleren Zugang zu einer Anschlussrehabilitation ermöglichen. Die angepassten Regelungen der Rehabilitationsrichtlinie treten frühestens am 1. Juli 2022 in Kraft. Zuvor muss das Bundesgesundheitsministerium (BMG) die Änderungen prüfen.  

Geriatrische Reha: Zugang mit zwei Funktionstests

Verordnen niedergelassene Ärztinnen und Ärzte künftig Versicherten im Alter ab 70 Jahren eine geriatrische Rehabilitation, prüfen gesetzliche Krankenkassen nicht mehr, ob die Maßnahme medizinisch erforderlich ist. 

Die Vertragsärztinnen und -ärzte müssen zukünftig anhand festgelegter Kriterien den medizinischen Bedarf der geriatrischen Rehabilitation überprüfen und auf der Verordnung die rehabilitationsbegründenden Angaben machen. Folgende Aspekte sind dabei zu beachten:

  • Alter der Patientinnen und Patienten
  • Informationen zur medizinischen Diagnose sowie zu den körperlichen, geistigen oder seelischen Einschränkungen
  • Diagnosen müssen mit zwei Funktionstests überprüft und auf Verordnung dokumentiert werden 

Der BDH befürchtet, dass durch die neue Richtlinie der bürokratische Aufwand auf die Ärzteschaft verlagert wird. Er sieht auch die Herausnahme der Prüfungspflicht dieser Art der Rehabilitation in Bezug auf andere Arten wie neurologische Rehabilitation kritisch.

„Schon heute zeigt sich eine Altersdiskriminierung in der Reha. Ältere neurologisch erkrankte Menschen werden häufig in die geriatrische Reha gedrängt, weil diese günstiger ist“, sagt Ilse Müller, Vorsitzende des Sozialverbandes und Rehaklinikträgers. „Der BDH wird deshalb die Entwicklungen und die Umsetzungspraxis kritisch begleiten. Eine Verschärfung der neurologischen Rehabilitationssituation für ältere Patientinnen und Patienten ist mit uns nicht zu machen“, betont Müller.   

Anschlussreha: Prüfung entfällt bei manchen Krankheiten

Für die Anschlussrehabilitation (früher: Anschlussheilbehandlung) entfällt bei bestimmten Krankheitsbildern ebenfalls eine Vorabüberprüfung der medizinischen Erforderlichkeit durch die gesetzlichen Krankenkassen. Dies sind beispielsweise:

  • Erkrankungen des Herzens und des Kreislaufsystems
  • Krebserkrankungen
  • Behandlung des Bewegungsapparats
  • Behandlung der Atmungsorgane
  • neurologische Erkrankungen

Grundvoraussetzung bleibt, dass bei den Versicherten die Voraussetzungen für eine Rehabilitation (Rehabilitationsbedürftigkeit, -fähigkeit, -ziele und positive Rehabilitationsprognose) vorliegen.

Dies ist aus Sicht des BDH zwar ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, aber bei Weitem nicht ausreichend. Vor allem Menschen mit chronischen neurologischen Erkrankungen benötigen im Verlauf ihrer Erkrankung immer wieder Rehaaufenthalte – und das nicht nur nach akuten Krankenhausaufenthalten. 

Jeder sechste Rehaantrag wird abgelehnt

Gero Skowronek, Bundesgeschäftsführer des BDH Bundesverband Rehabilitation kritisiert: „Etwa jeder sechste Rehaantrag wird heute abgelehnt. Im Gegensatz dazu wird jedem zweiten Widerspruch stattgegeben. Das hat wenig mit Patientenorientierung in der Rehabilitation zu tun.“ Der bürokratische Aufwand dürfe nicht auf die Ärzteschaft verlagert werden. Den Zugang zu Rehaverfahren zu erleichtern, gehöre deshalb zu den dringlichsten Zielen der BDH-Sozialagenda 2021. Hier bestehe nach wie vor erheblicher Handlungsbedarf. „Für die Rehabilitation – eines der wichtigsten Gesundheitsinstrumente, die wir haben, fordern wir deshalb generell den Wegfall des Genehmigungsvorbehalts – und zwar uneingeschränkt für alle Indikationen“, sagt Skowronek.

Mit einem Klick hierauf gelangen Interessierte zur Richtlinie und den tragenden Gründen.