Digitalisierung -

BMC-Innovationspanel 2020 Was denkt die Gesundheitsbranche über den Stand der Digitalisierung?

Mit der Umfrage zum Thema "Digital Health" legte der Bundesverband Managed Care den Grundstein für das künftig jährlich erscheinende Innovationspanel. Die wichtigsten Erkenntnisse von mehr als 500 Experten aus dem Gesundheitswesen im Überblick.

Themenseite: Digitalisierung

Höhere Versorgungsqualität, auf Dauer niedrigere Kosten und eine bessere Patientenorientierung – das erwarten die ExpertInnen des Gesundheitswesens von der Digitalisierung der Versorgung. So das Ergebnis der Befragung im jüngst erschienen Innovationspanel des Bundesverbands Managed Care e.V. (BMC). Doch längst nicht alle Akteure sind schon überzeugt und finanzielle Anreize wirken nur in einigen Fällen.

Erstmals hat der BMC mit dem Innovationspanel den Digitalisierungsfortschritt im Gesundheitswesen untersucht und weiteren Handlungsbedarf analysiert. Die Einblicke von mehr als 500 Beschäftigten im Gesundheitswesen bieten Leitplanken für die politische Gestaltung, mit denen die positiven Reformansätze der vergangenen Jahre fortgeführt werden müssen.

Welche Bedenken bremsen die Digitalisierung aus?

Dazu erklärt BMC-Vorstandsvorsitzender Prof. Dr. Volker Amelung: „Dass Digital Health bislang hinter seinem Potenzial zurückbleibt, ist bekannt. Aber wo genau bestehen Bedenken bei den Akteuren und welche Hürden müssen wir überwinden, um die Digitalisierung der Gesundheitsversorgung sinnvoll zu etablieren? Dafür gibt das BMC-Innovationspanel wichtige Erkenntnisse.“ So fehlt es vielen Beteiligten an einem unmittelbaren und konkreten Nutzenerlebnis, obwohl sie der Digitalisierung abstrakt viele positive Effekte zusprechen. Ein zentrales Dilemma besteht darin, dass diejenigen, die wohl am meisten von Digital Health profitieren, bislang nicht als Treiber in diesem Veränderungsprozess wahrgenommen werden. Ein weiterer Schwerpunkt der Befragung war die Zahlungs- bzw. Nutzungsbereitschaft der Beteiligten für verschiedene Digital Health-Anwendungen.

Startschuss für jährliche Befragung

Die Befragten vertreten die gesamte Bandbreite an Tätigkeitsfeldern im Gesundheitswesen: GKV und PKV, pharmazeutische Industrie, Medizintechnik wie IT- und Digitalunternehmen, ambulante und stationäre Versorgung, Wissenschaft, Selbstverwaltung und Politik sowie Unternehmensberatungen etc. „Nachdem ein Datenpanel beim BMC lange angedacht war, ermöglicht die Pandemie die Umsetzung eines solchen Projekts. Damit ist der Startschuss gelegt für eine jährliche Befragung,“ so Dr. Patricia Ex, Geschäftsführerin des BMC, die das Innovationspanel gemeinsam mit Melina Ledeganck und Malte Behmer in der BMC-Geschäftsstelle umgesetzt hat.

Die wichtigsten Erkenntnisse zum Innovationspanel 2020 im Überblick

  1. Potenziale von Digital Health unumstritten
    Die Mehrheit der Experten geht von einer Qualitätssteigerung durch den Einsatz von Digital Health aus. Gleichzeitig rechnen sie nach anfänglichem Investitionsaufwand langfristig mit Kostensenkungen im System. Dabei werden die größten Mehrwerte in der digitalen Interaktion zwischen LeistungserbringerInnen und PatientInnen sowie in der digitalen Datenverwaltung erwartet.
  2. Paradoxes Rollenverständnis der Akteure
    Insgesamt besteht eine deutliche Diskrepanz zwischen den Rollen der Akteure als Treiber und als Profiteure der digitalen Transformation, dies zeigt sich sowohl in der Eigen- als auch in der Fremdwahrnehmung der Akteure. Patienten und Leistungserbringer als größte Profiteure agieren demnach kaum als Treiber, während die vor allem in der Industrie zu findenden Treiber von Digital Health den Nutzen in erster Linie bei anderen Akteuren als bei sich selbst sehen.
  3. Leistungserbringer müssen überzeugt werden
    Die Ergebnisse zeigen eine hohe Zufriedenheit mit den gesundheitspolitischen Entwicklungen in Deutschland. Die jüngere Gesetzgebung schafft einen geeigneten Handlungsrahmen, um die digitale Transformation voranzubringen. Darüber hinaus bewerten die Akteure je nach Tätigkeitsbereich Herausforderungen im Zusammenhang mit Digital Health unterschiedlich. Die Akzeptanz der LeistungserbringerInnen wird demnach über alle Akteure hinweg als größte Herausforderung gewertet, gefolgt von Hürden im Zusammenhang mit der technischen Infrastruktur sowie die Anforderungen an Datenschutz und Datensicherheit.
  4. Zahlbereitschaft trotz offensichtlichem Nutzen bei allen Befragten sehr gering
    Die Nutzung digitaler Angebote ist für viele Teil des alltäglichen Lebens geworden. Digitale Gesundheitsangebote finden im Gegensatz dazu deutlich weniger Anklang. Dabei zeigt sich, dass die digitale Affinität sowie monetäre Anreize einen Einfluss auf die Nutzung haben können. Trotz offensichtlichem Nutzen ist die persönliche Zahlungsbereitschaft für Gesundheits-Apps selbst bei einem geringen monatlichen Betrag gering. Bei der digitalen Kommunikation mit der Krankenkasse scheint hingegen bereits eine geringe Beitragsrückerstattung, die Akzeptanz dafür zu fördern.

Alle Ergebnisse sowie das vollständige Chartbook zum Download finden Sie hier.

© hcm-magazin.de 2021 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar angeben zu können.
Login

* Pflichtfelder bitte ausfüllen