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Wissen Blockchain und Healthcare

Die Blockchain könnte einige Bereiche des Gesundheitswesens revolutionieren: sicheren Datenaustausch, Abrechnungswesen, Arzneimittelsicherheit, Forschung, ... Doch für die Branche ist sie hierzulande oft ein theore­tisches Mysterium. Damit das nicht so bleibt, werden im Folgenden die wichtigsten Grundlagen dargestellt.

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Die Blockchain: Das ist eine private oder öffentliche Datenbank (Kassenbuch/engl. „ledger“), auf der Transaktionen dezentral gespeichert werden. Dieser Prozess erfolgt nach vorher für alle Netzwerkteilnehmer verbindlich geltenden Regeln. Wer eine Transaktion durchführt (Knoten), fügt der Blockchain einen neuen Block (Datensatz) hinzu, der einen individuellen Hashwert enthält. Dieser Hashwert dient den anderen Blockchain-Teilnehmern als Prüfwert für die Legitimation der Transaktion. Ist dieser verifiziert, wird die Transaktion als neuer Block mit einem neuen Hashwert seinem Vorgänger angefügt. Es besteht die Möglichkeit, dass jeder Teilnehmer jederzeit sämtliche Daten der Blockchain einsehen, aber nicht verändern, kann.

Was bringt Blockchain dem Gesundheitswesen?

Kamaljit Behera, Transformational Health-Industry-Analyst bei Frost & Sullivan, hat die Einsatzfelder der Blockchain im globalen Healthcare-Umfeld untersucht und im Gespräch mit HCM erklärt, welche Bereiche er definiert hat:

  • Datenaustausch/Dateninteroperabilität (z.B. digitale Patientenakte ePa),
  • Schadensersatz und Abrechnungsmanagement (z.B. Versicherungsleistungen, outcome­orientierte Versorgung),
  • Arzneimittelversorgung (z.B. Rückverfolgbarkeit)
  • Forschung (z.B. Population Health Research, Precision Medicine),
  • Datensicherheit (z.B. Verschlüsselung und Integration von Daten aus Wearables),
  • neue Geschäftsmodelle (z.B. Monetarisierung).

Behera nennt dafür unterschiedliche Einsatzzeiträume, die global betrachtet zwischen 2016 bis 2025 liegen. 2016, weil zu diesem Zeitpunkt bereits die ersten Blockchain-Technologien im Healthcare-Bereich eingesetzt wurden: z.B. in Estland.

Die Blockchain arbeitet schon mit Patientendaten

Guardtime, ein Softwaresicherheitsunternehmen, kooperiert dort seit 2016 mit der Estonia Health Foundation und sorgt via Blockchain bzw. ihrer eigenen Keyless Signature Infrastructure (KSI) für die Sicherheit von Gesundheitsdaten à la ePA von rund einer Million Estländer. In den Staaten gibt es ein Pendant dazu: patientory. Der Anbieter einer SaaS-Plattform auf Blockchain-Basis hat sich mit Kaiser Permanente zusammengetan und sichert so Patientendaten von rund elf Millionen Mitgliedern.

Diese Beispiele beweisen, dass die ePa großes Potenzial für den Einsatz der Blockchain hat. Wie das in Deutschland konkret aussehen könnte, sehen Sie in der Grafik.

Vorteil eines solchen Einsatzes: Ein so gut wie manipulationssicheres Datenspeichersystem, das die Patientengeschichte lückenlos darstellt und für de­finierte Netzwerkteilnehmer jederzeit einsehbar macht. Der Nutzen für die Behandlungsqualität liegt auf der Hand. Doch folgende essenzielle Fragen sind u.a. vorab zu klären:

  • Wer gründet die Blockchain?
  • Wer legt die Standards fest?
  • Wer gehört zu den Teilnehmern?
  • Wie werden genug Speicherplatz und Rechenleistung gewährleistet?

Und: Im Zusammenhang mit Bitcoin wurde immer wieder von Sicherheitslücken berichtet, das dürfte v.a. hierzulande Skepsis für den Einsatz bei sensiblen Gesundheitsdaten hervorrufen. Rechtliche Herausforderungen für den Einsatz von Blockchain im Gesundheitswesen gibt es. „In vielen Fällen hat das Recht allerdings noch nicht ganz zur technischen Entwicklung aufgeschlossen, sodass auf der einen Seite Antworten im Bereich der IT-Sicherheit offenen Fragen zum Datenschutz und Haftung gegenüberstehen“, macht David Klein, Fachanwalt und Berater für blockchainbasierte Geschäftsmodelle bei Taylor Wessing. Seine ausführliche Einschätzung finden Sie im Bereich „online exklusiv“ zum Download.

Die Blockchain ist also nicht als Antwort auf alle Fragen einer digitalisierten Gesundheitsversorgung zu sehen. Aber sie kann, wenn wohlüberlegt eingesetzt, an manchen Stellen für einen optimierten Datenaustausch sorgen.

„Die Blockchain-Technologie punktet mit Interoperabilität, Unveränderbarkeit und Verfügbarkeit der Daten. Sie behebt die Diskrepanz zwischen Patienten und Gesundheitseinrichtungen und fördert das Vertrauen“, erklärt Kirill Timofeev, Software-Projektmanager bei DataArt. Patienten könnten aufgrund der Datenmasse- und Informationsvielfalt (auch global gedacht) z.B. mehr Behandlungssicherheit erlangen. „Was betörend einfach klingt, verlangt aber strategische Planung. Das gelingt nur, wenn alle Beteiligten die Funktionsweise nachvollziehen können und bereit sind, ihre Plattformen, Protokolle und Systeme miteinander in Einklang zu bringen. Ein alle Vorschriften und Standards berücksichtigendes Modell der Interoperabilität im Gesundheitsweisen liegt derzeit noch nicht vor“, gibt Timofeev zu bedenken.

Generell gilt jedoch: Es gibt einige Konsortien, Start-ups und Unternehmen, die die Blockchain im Healthcare-Bereich vorantreiben und deren Ideen beobachtet werden sollten: Hashed Health, Hyperledger, Guardtime, Gem, pokitdok, patientory, IBM, NHS und Deep Mind, um nur einige zu nennen.

„Ist ein Verständnis für die Blockchain da, wird auch das Ausmaß der Anwendungsgebiete greifbar“, formulierte es Prof. Dr. Lilia Waehlert, Prodekanin und Studienleiterin der Hochschule Fresenius auf der PwC-Veranstaltung zum Thema im Mai 2018 in Frankfurt am Main. Der Rat, der von Experten vor Ort an die Akteure der deutschen Gesundheitswirtschaft ging, lautete: Wachsam und bewusst beobachten, wie die Entwicklung vorangeht und Early Adopters beobachten.

Bianca Flachenecker

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