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Health Care Bayern e.V. und Roche Pharma Blick hinter die Kulissen: Das europäische Foundation-Medicine-Labor

Am 3. Juli 2019 konnten Mitglieder des Health Care Bayern e.V. an Vorträgen und einer Laborbesichtigung zur Krebsforschung auf dem Gelände von Roche Pharma teilnehmen. Vorgestellt wurde die Herangehensweise zum extrahieren spezifischer DNA-Muster bei Krebsgewebe. Dadurch können individuelle, an den Patienten angepasste Therapien angeboten werden.

Rund drei Stunden lang bekamen Ärzte, Mediziner sowie Vertreter von Krankenkassen und Verbänden einen Einblick in das europäische Foundation-Medicine-  Labor von Roche Pharma in Penzberg. Den Auftakt machte ein Vortrag der PDA Vera Großmann, Geschäftsführerin von FMI Germany GmbH. Sie erläuterte, dass heutzutage mehr als 500 Gene bekannt wären, die in der Onkonese und in der Krebsprogression eine wichtige Rolle spielen würden. Mittlerweile gäbe es über 200 verschiedene Biomarker-Tests, mehr als 60 zielgerichtete Therapien, die zugelassen seien, und mehr als 850 zielgerichtet Therapien, die in der Entwicklung stünden. Zusätzlich seien über 3.500 klinische Studien aktiv und mehr als 500 pharmazeutische Unternehmen würden neue Therapien entwickeln.

„Wir müssen dem Arzt ein Instrument an die Hand geben, ein umfangreiches genetisches Profil erstellen und gleichzeitig nicht nur die Mutationen charakterisieren, sondern auch auswählen, welche Therapien verfügbar sind. So kann der Arzt die beste Therapie für den Patienten auswählen“, betont Großmann. Sie erklärte, dass Foundation Medicine sich als Molecular Insides Company verstehe. Dies bedeute, dass der Patient, basierend auf seinem genetischen Profil, mit den verfügbaren Therapien gematched werde. Foundation Medicine greife dabei auf eine Datenbank mit insgesamt 300.000 Patientendaten zurück. Dadurch könne eine zielgerichtete, eine Immuntherapie oder eine klinische Studie vorgeschlagen werden. Die Vision sei, die Krebstherapie zu transformieren. Insgesamt bekämen aber noch nicht genügend Patienten mit einem Tumor (Stadium drei oder vier) genetische Analysen. Laut aktueller Zahlen bekämen bisher nur 15 Prozent eine umfangreiche genetische Charakterisierung. Weitere 25 Prozent erhalten eine Einzelgenanalyse. 60 Prozent hingegen erhalten überhaupt keine genetische Charakterisierung.

Der Prozessablauf bei Foundation Medicine

  1. Ein beauftragender Arzt schickt eine Probe ein.
  2. Die Pathologie analysiert, ob das Gewebe ausreichend ist. Dazu müssen mindestens 20 Prozent Tumorcontent und -gewebe vorhanden sein.
  3. Die Daten werden nun an das Labor weitergeleitet. Dieses extrahiert aus dem Gewebe die DNA.
  4. Analysepipeline: Es folgt die Sequenzierung, die zwischen 20 und 40 Stunden dauern kann.
  5. Bei der Computational Biology bearbeite die Informatik die herausgefilterten Daten nach.
  6. Der Ergebnisbericht wird erstellt und überprüft.
  7. Die Pathologie erteilt nach nochmaliger Überprüfung die Freigabe.
  8. Im letzten Schritt folgt die Übermittlung an den beauftragenden Arzt.
Insgesamt dauert der Analysevorgang etwa elf Kalendertage. Dieser Prozessablauf wurde in der anschließenden Führung anhand der praktischen Arbeit erläutert.
Laborbesichtigung: Europäisches Medicine Labor
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