Tarifverträge -

Verband diakonischer Dienstgeber in Deutschland e.V. Bis zu neun Prozent mehr Gehalt und eine verlässlichere Dienstplangestaltung

Dienstgeber- und Dienstnehmervertreter der Diakonie haben im Dritten Weg der Arbeitsrechtssetzung ein neues Gesamtpaket verabschiedet. Erstmals sind auch Stand-by-Dienste im Diakonietarif verankert.

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Der Beschluss der Arbeitsrechtlichen Kommission der Diakonie Deutschland (ARK DD) vom 16. Juli 2019 gilt für alle Mitarbeiter, die nach den Arbeitsvertragsrichtlinien der Diakonie Deutschland (AVR DD) vergütet werden. Das sind insgesamt rund 150.000 Beschäftigte. „Einige Aspekte wie die Regelungen zu den Ärzten stellen diakonische Einrichtungen zwar vor große Herausforderungen, mit neuen Ideen ist es aber gelungen, eine ausgewogene und moderne Lösung zu finden, die auch regionalen Besonderheiten berücksichtigen“, betont Christian Dopheide, Vorstandsvorsitzende des Verbandes diakonischer Dienstgeber in Deutschland e.V. (VdDD).

Fachkräfte bekommen mehr Gehalt

Ab dem 1. Juli 2019 (Regionen Nord) bzw. 1. Oktober 2019 (Regionen Ost) erhöhen sich die Entgelte aller Mitarbeiter (mit Ausnahme der Ärzte) um bis zu 3,5 Prozent, mindestens jedoch um 2,5 Prozent. Zum 1. Juli 2020 soll das Gehalt der Beschäftigten um weitere 2,2 Prozent steigen. Außerdem werde für die Entgeltgruppen der Fachkräfte (EG 7 bis 13) ab Juli 2020 eine zusätzliche Erfahrungsstufe eingeführt. Dadurch erhalten Mitarbeitende weitere 5,4 Prozent mehr Lohn. Damit ist eine Gehaltssteigerung von bis zu neun Prozent innerhalb von zwei Jahren möglich.

Verlässlichere Dienstplangestaltung

Darüber hinaus wurde beschlossen, Stand-by-Diensten einzuführen. An bestimmten Tagen halten sich Mitarbeiter bis zu zwei Stunden für einen kurzfristigen Einsatz frei. Dieser wird mit 30 Euro vergütet. Bei einem tatsächlichen Abruf erhöht sich das zusätzliche Entgelt auf 45 Euro. Sollte dennoch ein kurzfristiges „Holen aus dem Frei“ notwendig werden, gibt es zukünftig eine Pauschale von 60 Euro. Darüber hinaus wird die Arbeitszeit im Osten in zwei Schritten auf 39 Stunden reduziert und damit auf das Niveau im Westen angepasst. Weitere Vereinbarungen betreffen

  • die Anhebung der Schichtzulagen und Zeitzuschläge,
  • die Vereinheitlichung des Urlaubsanspruches auf 30 Tage sowie
  • Entgeltsteigerungen und weitere Anpassungen für Ärzte.

Diese sollen zu einem späteren Zeitpunkt konkretisiert und beschlossen werden. Es wurde eine Mindestlaufzeit von 25 Monaten vereinbart.

Über den Verband diakonischer Dienstgeber in Deutschland e.V

Der Verband diakonischer Dienstgeber in Deutschland e.V. (VdDD) vertritt als diakonischer Bundesverband die Interessen von mehr als 180 Mitgliedsunternehmen und fünf Regionalverbänden mit rund 490.000 Beschäftigten. Schwerpunkte der Verbandsarbeit sind die Weiterentwicklung des kirchlich-diakonischen Tarif- und Arbeitsrechts, Themen aus Personalwirtschaft und -management sowie die unternehmerische Interessenvertretung.

Begriffsklärung: Erster, Zweiter und Dritter Weg

Der   Erste Weg bezeichnet die einseitige Festlegung des Arbeitsrechts durch den kirchlichen Arbeitgeber und wurde bis in den siebziger Jahren ausgeführt. Die Synode beschließt dort alleine das geltende Arbeitsrecht der Mitarbeiter.

Der   Zweite Weg stellt das Modell des Tarifvertrags dar. Das bedeutet, dass zwischen zwei autonomen und voneinander unabhängigen Tarifparteien ein Tarifvertrag abgeschlossen wird. Dieser ist unmittelbar und zwingend für den vereinbarten Geltungsbereich anzuwenden. Der Hauptstreitpunkt beim Zweiten Weg ist das Streikrecht.

Der Dritte Weg ist die Arbeitsrechtssetzung durch die Arbeitsrechtliche Kommissionen (ARK). Diese sind paritätisch besetzt. Im Falle einer Nichteinigung ist eine Schlichtung bindend.

Weitere Informationen zu diesem Thema können auf der Webseite von ver.di nachgelesen werden.

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