Festival Big Bang im deutschen Gesundheitswesen

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Digitalisierung

Am 31. August und 1. September fand in Essen ein neues Eventformat statt: Big Bang Health. In Festival-Atmosphäre trafen im Colosseum in Essen Digital Pioneers auf kluge Köpfe aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zukunftsforschung sowie auf Koryphäen aus der Medizin.

Big Bang Matusiewicz
Das erste Big Bang Health Festival mit den beiden Hosts Prof. Dr. Jochen A. Werner und Prof. Dr. David Matusiewicz war ein voller Erfolg und geht 2023 in die nächste Runde. – © Mirjam Bauer

„Wir wollten unser neues Medizinformat mit einem Urknall starten“, eröffnete Professor Jochen A. Werner, CEO der Universitätsklinik Essen, den ersten Block Zukunftsmedizin am 31. August. „Doch weil weder Urknall noch Big Bang in einem Zelt stattfinden können, haben wir mit der hervorragenden Unterstützung der RAG Stiftung diesmal eine passendere Kulisse gewählt.“

Big Bang mit Songs und Pitch-Sprints

Nicht nur Menschen aus dem Ruhrgebiet begeisterte das Colosseum, ein historisches Gebäude aus der Stahlverarbeitungszeit, das zur Theater- und Eventlocation umgebaut wurde. Hier wurden die Wurzeln der Industrialisierung kombiniert mit der Kultur einer aktuellen Zeit – und „die Menschen hier packen an und reden nicht nur“, sagte Werner. Der erste Big Bang erfolgte direkt anschließend durch drei live vorgetragene Songs eines Bergmannchors, u.a. wurde das „Steigerlied“ präsentiert. Im Anschluss daran gab es einen Sprint von rund 25 Pitches von Start-ups und Unternehmen, die ihre digitalen Lösungen vorstellten – jeder mit nur vier Minuten Vortragszeit. Für kleine Highlights sorgten hier u.a. Dr. Alvar Mollik, Healthzero, der die aktuelle analoge Dokumentationsarbeit im Krankenhaus mit einem digital ausgestatteten Zukunftsmodell im Rollenspiel verglich. Singend zog Istok Kespret, HMM Deutschland, sein Fazit „In der Versorgung brauchen wir digital … Denk doch einfach mal an die Patienten!“

Das Event gehört zur hauptsächlich in Nordrhein-Westfalen stattfindenden Veranstaltungsreihe 10XDigitalHealth, die von Rechtsanwältin Prof. Dr. Alexandra Jorzig, Prof. Dr. David Matusiewicz, Dekan und Institutsdirektor der FOM Hochschule, und Prof. Dr. Werner gegründet wurde. Dabei steht die Marke „10XD“ für Vernetzung und mehr Geschwindigkeit in der Digitalisierung.

Top-Speaker und wissensvertiefende Masterclasses

Auch am zweiten Tag sorgten mehr als 60 top Vortragende wie Dr. Gottfried Ludewig, Chef der Gesundheitssparte bei T-System, gematik-Geschäftsführer Dr. Markus Leyck Dieken, die socialmediaaffine Schwesterfraudoktor oder Dietrich Grönemeyer in Paneltalks und Keynotes für nachhaltige Information. Sie widmeten sich zahlreichen aktuellen Themen – platziert auf zwei Bühnen im Foyer und im Theatersaal. Daneben fanden sieben wissensvertiefende Masterclasses in Workshop-Form statt. Auch eine Ausstellung begleitete das Event. Zwei Teslas, die zum Material-Transport beispielsweise von Organen bis zu einem Umkreis von 200 km dienen, aber auch für die ambulante Intensivpflege vorgesehen sind, brachte Qrago von seinem Partner RKT aus Bayern mit. „Hier geht es nicht nur um die Digitalisierung, genauso wichtig ist die Effizienz“, erklärte Christian Ruff. „Die Elektromobilität ist ein nächster Schritt, auch für Krankenhäuser, die ihre CO2-Emissionen verringern wollen.“

Gematik zu Gast beim Big Bang

Für viel Zustimmung sorgte Leyck Diekens Keynote zum Thema Datenschutz, der „zwar vieles ermöglicht, aber auch enorme Chancen vergibt“. Der gematik-Chef erläuterte, Deutschland sei bei Google Streetview ein weißer Fleck und erlaube als einziges Land in Europa keine Smarthome-Technologien zur Energiesteuerung bei Haushalten, weil sich daraus Rückschlüsse ziehen lassen, wann die Menschen ihre Häuser morgens verlassen bzw. wann sie zurückkommen. In Skandinavien wird durch diese Technologie bereits 15 Prozent Energie eingespart. „Beim E-Rezept hat sich gezeigt, dass Datenschutz für Verluste sorgt. Erst jetzt sind wir zu einer Lösung über die Einbindung in die ePA gekommen. Gesundheitsminister Prof. Karl Lauterbach plädiert nun, darüber nachzudenken, dass der QR-Code über ein sicheres Messengerverfahren versendet werden kann. Dafür werden wir uns in der gematik einsetzen.“

Eine wichtige zentrale Botschaft seines Vortrags lautete ferner: „Wir müssen uns gemeinsam Gedanken machen, wie wir als letztes Land in Europa den Bürgerinnen und Bürgern endlich eine elektronische Identität geben können. Zu viele Hürden sind vorhanden, die Politik sollte hier mit Mut entscheiden. Ohne sinnvolle Lösungen kommen wir nicht weiter, denn die für das nächste Jahr angedachten elektronische Identitäten der Krankenkassen sehe ich nicht in der Realisierung. Bedenklich stimmt mich hier v.a., dass die Bundesrepublik eine Sonderrolle einnimmt, da sie immer noch behauptet, die Gesundheit benötige einen besonders hohen Datenschutz. Damit isoliert sie sich in ganz Europa und versperrt hier eher Wege, als zu ermöglichen …“

44 x Gesundheitsaward 2022 verliehen

Im Rahmen des neuen Events wurden zudem 44 Preisträger des Gesundheitsawards 2022 von NTV und dem Deutschen Institut für Service-Qualität verliehen. Zahlreiche anwesende Gesundheitsunternehmen, darunter Fernarzt, jameda, Qnomedical, Doctolib, Asklepios uvm. durften sich über die Auszeichnungen aufgrund ihres Angebots, des hervorragenden Preis-Leistungs-Verzeichnis, top Kundenservice und guter Weiterempfehlung freuen.

Tickets für einen guten Zweck

Die Erlöse aus dem Ticketverkauf gehen an die Stiftung Universitätsmedizin Essen, die der Kinderklinik damit zusätzliche digitale Ausstattungstools finanziert.

Studie zur Zukunft der Pflege

Die von der Stiftung Universitätsmedizin Essen aufgegebene Studie zur Zukunft der Pflege, die im Rahmen der Veranstaltung vorgestellt wurde, lohnt einen näheren Blick: https://pflegedienst.uk-essen.de/wp-content/uploads/2022/07/IZZ_optadataInstitut_PflegestudieUniMedizin_HompageVersion2022.pdf

Und damit der Spaß bei so viel Inhalt auch nicht zu kurz kam, gab es Networking und Partys mit Livemusik gleich an zwei Abenden. Am ersten Tag spielten verschiedene Bands direkt im Colosseum, am zweiten Abend wurden beliebte Clubs auf der „Rü“, Essens Partymeile, aufgesucht. Gleich nach dem Motto: Schlaf ist gesund, doch wer nicht gut schlafen kann, möge Hopfen, Baldrian und Melatonin bzw. Kombinationen davon ausprobieren. Dazu möglichst abends nicht zu spät essen – v.a. kein Fleisch, so lautete die Empfehlung von Dietrich Grönemeyer, dem Bruder des bekannten Bochumer Sängers. In einem weiteren Panel bestätigte der Radiologe, dass die Medizin sich zwar verändern müsse, doch auch in einer technologisierten Welt bleibt die menschliche Teamarbeit wichtig und unersetzlich.

„Wir haben einen spannenden Gipfel der Digital Health Szene erlebt, der die Marke von 1.000 Teilnehmenden bereits in seiner ersten Auflage geknackt hat! Eine Mischung aus Profi-Speakern, Profi-Musikern, Profi-Eventgestaltern und ganz viel Hands-on, Herzblut und Spontanität, hinter vor und auf der Bühne: Es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht“, fasste Matusiewicz die zwei Tage zusammen.

Big Bang 2023

Eine Fortsetzung des Festivals ist bereits geplant: vom 13. bis 15. September 2023 tönt der „Big Bang“ erneut.
Alles Infos zum Big Bang Health gibt es unter www.bigbang.health