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Infokasten 3 Bezugsgrößen nicht außer Acht lassen

Die US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) veröffentlichten im November 2017 einen Bericht über von Trinkwassersystemen verursachte Krankheitsausbrüche. In den Jahren 2013 und 2014 habe es demnach in den USA 1.006 Erkrankungen, die auf Trinkwassersysteme zurückgeführt werden, gegeben. 124 der Betroffenen mussten stationär behandelt werden, 13 Menschen starben. Legionellen waren nach dieser Studie in 57 Prozent die Ursache für die erfassten Ausbrüche, außerdem die Ursache für alle Todesfälle. Um die „57 Prozent“ richtig einzuordnen, erklärt Prof. Meyer: „Von den 1.006 Erkrankungen wurden 50 Prozent auf Chemikalien bzw. Toxine (z.B. Toxin der Blaualgen) zurückgeführt, 29 Prozent auf Kryptosporidien und Lamblien und 13 Prozent auf Legionellen. Legionellen waren so die Ursache für die Erkrankung bei 130 Patienten, außerdem die Ursache für alle Todesfälle. Wenn davon gesprochen wird, dass 57 Prozent der Ausbrüche durch Legionellen verursacht wurde, ist das zwar richtig, aber insofern missverständlich, weil sich über zwei Drittel der Erkrankten (n=698) in nur vier großen Ausbrüchen – alle ohne Legionellen – infizierten. Die meisten Legionellenausbrüche umfassten nur zwei bis sieben Personen, summieren sich auf 24 Ausbrüche und ergeben so die relativ sinnlose Zahl von 57 Prozent aller Ausbrüche (24 von 42 Ausbrüchen).“2014 hatten die USA 318,85 Millionen Einwohner. Dass in den Jahren 2013 und 2014 nur 1.006 durch Trinkwasser erkrankten, von denen 13 starben, lässt vermuten, dass die Amerikaner zwar gechlortes, aber dadurch hygienisch unbedenkliches Trinkwasser genießen. Wenn sie, wie von Prof. Exner ausgeführt, nach Deutschland schielen, dann vielleicht, um Alternativen für die Chlorung ihrer Trinkwassersysteme zu entwickeln. Dass von Trinkwassersystemen eine hohe Gefahr einer Legionellose ausginge, belegen die Zahlen der CDC jedoch nicht. Wenn Legionellen Ursache für 57 Prozent der trinkwasserassoziierten Krankheitsausbrüche sind, sollte man zur Bewertung dieser Zahl schlicht auch den Bezug kennen.

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