Pflege -

HCM/psyGA-Online-Serie (Teil 2) Beziehungsarbeit in Pflegeeinrichtungen

In der Pflege kommt es immer wieder zu Situationen, in denen es Mitarbeitern schwerfällt, souverän zu reagieren. Aus falsch verstandener Professionalität trauen sich viele Pflegekräfte nicht, die eigene Scham offen anzusprechen. Als Einrichtungsleitung können Sie Ihren Beschäftigten die Beziehungsarbeit erleichtern, wenn Sie ihnen Verhaltens- und Bewältigungshilfen für genau solche Situationen an die Hand geben.

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Körperliche Angriffe und aggressives Verhalten oder das Überschreiten intimer Grenzen, z.B. bei der Körperpflege, können im Pflegealltag vorkommen. Lassen Sie die Beschäftigten bei der Bewältigung dieser Situationen nicht allein. Auch Profis dürfen Scham und Ekel empfinden! In diesen Situationen hilft es, wenn die Mitarbeiter mit Ihnen als Pflegeleitung über die Belastung sprechen und sie gemeinsam Lösungen erarbeiten. Eine offene Gesprächskultur ist hierbei ein wichtiger Schlüssel. Am besten reflektieren Sie die Situationen im Team und suchen zusammen nach Lösungen, um künftigen Entgleisungen vorzubeugen.

Bilden Sie Ihre Pflegenden weiter!

Studien zeigen, dass Beziehungsarbeit in der Pflege weniger belastend ist, wenn die Mitarbeiter ein gutes Fachwissen haben und auf umfassende Bewältigungskompetenzen zurückgreifen können. Ein Weg ist also, Ihre Pflegekräfte durch entsprechende Fortbildungen mit den entsprechenden Kompetenzen auszustatten. So können Pflegende schwierige Situationen schon im Vorhinein entschärfen.

Etablieren Sie ein technisches Alarmsystem

Ein technisches Alarmsystem bietet schnelle Hilfe, um bedrohliche Situationen zu entschärfen. So können die Mitarbeiter umgehend ihre Kollegen einschalten, wenn ein Bewohner unvorhergesehen reagiert. Gemeinsam lassen sich bedrohliche Situationen schneller entschärfen und anschließend analysieren.

Auch Hilfsmittel wie Handschuhe, Schürzen und Desinfektionsmittel erleichtern Beschäftigten den Umgang mit ekelerregenden Situationen. Achten Sie als Einrichtungsleitung darauf, dass hier immer für ausreichend Nachschub gesorgt ist. Zusätzlich können Düfte und Belüftungssysteme in den Räumen der Bewohner dabei helfen, dass die Arbeit als weniger unangenehm und belastend empfunden wird.

Dokumentieren Sie Übergriffe und Lösungswege

Es ist wichtig, dass sich Mitarbeiter an ihrem Arbeitsplatz sicher fühlen. Angriffe und Verletzungen sind kein Berufsrisiko. Deshalb sollten Sie alle Hinweise auf körperliche Aggressionen ernst nehmen und dokumentieren. Auf dieser Grundlage können Sie präventive Maßnahmen einleiten und ein Konzept zum Umgang mit Übergriffen etablieren. Ein solches Konzept ist ein Qualitätsmerkmal guter Pflegeeinrichtungen und zentraler Bestandteil der gesetzlich vorgeschriebenen Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastungen.

Gewalt als Zeichen von Überlastung

Gewalttätiges Verhalten kommt leider auch umgekehrt vor – von professionell Pflegenden gegenüber Bewohnern. Häufig zeigen solche Ereignisse, dass Pflegende überlastet sind. Um Bewohner zu schützen und Überlastung der Pflegekräfte vorzubeugen, darf dieses Verhalten nicht tabuisiert werden. Etablieren Sie deshalb gemeinsam mit Ihren Beschäftigten eine gute Fehlerkultur. Sie sollte nicht die Schuldfrage in den Fokus nehmen, sondern bei der Vermeidung von Überlastungssituationen helfen. Auch ein Antiagressionstraining kann Pflegenden dabei helfen, herausfordernde Situationen souveräner zu meistern.

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