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Onlinekolumne Bessere Arbeitsbedingungen erfordern Mut und Kreativität

In seiner aktuellen Kolumne beschäftigt sich #HCM-Autor Eckhard Eyer mit der Frage danach, wie gute Arbeitsbedingungen in der Pflege geschaffen werden können. Er kommt dabei zu dem Schluss, dass jetzt die Macher der Rahmenbedingungen gefragt sind.

Ein mittelständisches Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie in Nordrhein-Westfalen verlängerte aufgrund der nachhaltig guten Auftragslage im Jahr 2017 die Betriebszeit im Dreischichtbetrieb von 15 auf 18 Schichten in der Woche. Statt von Montag bis Freitag wurde von Montag bis Samstag im Dreischichtbetrieb gearbeitet. Nur die Zeit von Samstagabend 22.00 Uhr bis Sonntagabend 22 Uhr war arbeitsfrei. Das neue Schichtsystem führte dazu, dass die Mitarbeiter mit einer 35 Stunden-Woche in der Produktion sonntags und zusätzlich an einem Werktag in der Woche - fest planbar - frei hatten. Alle fünf Wochen war der Samstag ein regelmäßiger Arbeitstag für die Mitarbeiter in der Produktion.

Mitarbeiter und Betriebsrat lehnten die Samstagsarbeit zunächst mit Verweis auf die ihnen wichtige Freizeit, das Wochenende mit der Familie und Freunden sowie nicht zuletzt der Bundesliga ab. Nach zähen Verhandlungen, viel Überzeugungsarbeit und einer saftigen Samstagszulage wurde das neue Schichtsystem akzeptiert und umgesetzt.

Gesicherte arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse

Der heutige Minister für Arbeit, Gesundheit und Soziales in Nordrhein-Westfalen, Karl-Joseph Laumann, sagte als Pflegebeauftragter der Bundesregierung, bei der Eröffnung der Messe Altenpflege in Hannover, dass unter den Arbeitsbedingungen in der Pflege keine Autos oder Pflüge in der Metall- und Elektroindustrie produziert würden. Die dortigen Mitarbeiter, meist Männer,  würden sich weigern unter den Arbeitsbedingungen die in der Pflege oft herrschen zu arbeiten. Sie würden die gesetzlich verbriefte Umsetzung der gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnisse einfordern. Karl-Joseph Laumann, ein gelernter Maschinenschlosser und ehemaliger Betriebsrat, weiß wovon er spricht!

Scheinbare Selbstverständlichkeiten wertschätzen

Der eingangs beschriebe Konflikt bei der Ausdehnung der regelmäßigen Betriebszeit auf den Samstag zeigt, dass es für viele Menschen nicht selbstverständlich ist samstags und sonntags zu arbeiten. Diese Mitarbeiter bringen in ihrer Wahrnehmung ein Opfer, wenn sie ihre Wochenenden der Arbeit unterordnen und alle fünf Wochen samstags arbeiten. Für dieses Opfer wollen sie angemessen entschädigt bzw. belohnt werden.

In der Pflege ist es aus nachvollziehbaren Gründen notwendig, dass die Betriebszeit 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche ist. Und das nicht erst seit es in anderen Branchen chic ist mit dem 24/7 Service zu werben. Trotzdem ist es nicht selbstverständlich im Schichtdienst und am Wochenende zu arbeiten. Die Wertschätzung für diese Flexibilität sollte verbal ausgedrückt und auch finanziell angemessen honoriert werden. Gerade bei der gelebten Flexibilität der Mitarbeiter sind dann verlässliche Dienstpläne und planbare Freizeit  besonders wichtig.

Verlässliche Dienstpläne, forderte auch der Pflegebevollmächtigte des Bundes, Andreas Westerfellhaus, Mitte Oktober ein und zusätzlich ausreichend viele Kollegen in der Pflege, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, eine betriebliche Gesundheitsförderung sowie eine hohe Wertschätzung und angemessenen Bezahlung der Mitarbeiter in der Pflege. Seines Erachtens sind das wichtige Bausteine um die Pflege attraktiv(er) zu machen.

Mut und Kreativität

Herr Westerfellhaus verwies auch darauf, dass es vielen Pflegeanbietern offenbar nicht gelingt, in der täglichen Arbeit gute Arbeitsbedingungen umzusetzen und betont vor allem viele kleinere Pflegeeinrichtungen täten sich schwer, die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Und dann forderte er mehr Mut und Kreativität bei der Verbesserung der Arbeitsbedingungen.

Ja, es braucht mehr Mut und Kreativität, aber weniger bei der Gestaltung der Arbeitsbedingungen in den kleineren Einrichtungen, die - so meine Erfahrung - pfiffige Lösungen generieren, sondern vielmehr bei der Gestaltung der Rahmenbedingungen. Hier sind nicht zuletzt die Herren Westerfellhaus und Spahn gefordert.

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