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Beschluss zur Bedarfsplanung erzürnt Psychotherapeuten

Der von ermächtigten Ärzten geleistete Beitrag für die vertragsärztliche Versorgung wird künftig in der Bedarfsplanung berücksichtigt. Einen entsprechenden Beschluss hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) einstimmig gefasst. Die Deutsche PsychotherapeutenVereinigung (DPtV) ist erzürnt.

Vorgesehen ist, dass ermächtigte Ärzte und Psychotherapeuten und solche, die z.B. in psychiatrischen Institutsambulanzen (PIA) ebenso wie in sozialpädiatrischen Zentren tätig sind, je nach Tätigkeitsumfang pauschal angerechnet werden. Die Regelung ist auf vier Jahre befristet. Innerhalb von drei Jahren wird diese mit dem Ziel evaluiert, das Leistungsgeschehen in den Einrichtungen und die Auswirkungen der Regelung auf die Versorgung zu untersuchen.

Die gewählte pauschale Anrechnung gefährde in keiner Weise die Patientenversorgung – weder in der Psychotherapie noch in der kinderärztlichen Betreuung, kommentiert der unparteiische Vorsitzende des G-BA, Josef Hecken. Denn: Neben niedergelassenen Vertragsärzten würden zahlreiche Einrichtungen Leistungen der vertragsärztlichen Versorgung erbringen. Mit dem Beschluss werde eine sachgerechte Anrechnung ermöglicht. Auf Landesebene bestehe zudem jederzeit die Möglichkeit, von der Regelung abzuweichen. "Damit können Härten oder Zulassungsbeschränkungen in unterversorgten Gebieten in jedem Einzelfall zielgenau verhindert werden", ist Hecken überzeugt.

Über 350 Vertragsarztsitze psychologischer Psychotherapeuten, ärztlicher Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten werden der ambulanten Versorgung entzogen, meint hingegen die DPtV. "Mit dieser Detailregelung der Bedarfsplanung werden ermächtigte Einrichtungen, die bedarfsunabhängig zuzulassen sind, in die Bedarfsplanungsrichtlinie integriert, ohne dass die Verhältniszahlen, Einwohner pro Arzt/Psychotherapeut, entsprechend neu ermittelt werden", so die DPtV. Eine PIA wird pauschal mit 0,5 Vertragspsychotherapeutensitzen auf die Planungsgruppe der Psychotherapeuten angerechnet, solange die Träger der Institutsambulanzen nicht freiwillig Angaben über das tatsächliche Leistungsgeschehen liefern. Im Jahr 2010 gab es bereits 677 PIA. "Der eigentliche Skandal ist, dass die Psychiatrischen Institutsambulanzen mit diesem Beschluss einen Freibrief erhalten, Kosten von über 500 Millionen Euro jährlich zu verschleiern", unterstreicht DPtV-Bundesvorsitzende Barbara Lubisch. Weder das Leistungsgeschehen noch die Personalstruktur seien zukünftig offenzulegen.

Der G-BA-Beschluss wird dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) zur Prüfung vorgelegt.

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