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Mit MYSKILLS gegen den Personalmangel Berufserfahrene Mitarbeiter für die Altenpflege finden

Ein neues Testverfahren soll dabei helfen, neue Mitarbeiter für die Altenpflege zu finden und zu qualifizieren. Der MYSKILLS-Test zeigt, über welches konkrete berufliche Handlungswissen berufserfahrene Menschen verfügen, die keinen formalen oder in Deutschland anerkannten Berufsabschluss haben.

„Der Test richtete sich an arbeitsuchende Menschen, die bereits in der Pflege gearbeitet oder andere Menschen gepflegt haben,“ sagt Beate Stegmann, Pflegedienstleiterin, Altenpflegerin und Mentorin im Gesundheitswesen im Pflegezentrum am Lohmannshof in Bielefeld, die als Fachexpertin wesentlich an der Entwicklung des MYSKILLS-Tests im Beruf Altenpflegehelfer beteiligt war. „Das können z.B. Menschen aus anderen Ländern sein, die dort in Pflegeeinrichtungen gearbeitet haben, deren Berufszeugnisse hier aber nicht anerkannt werden. Oder z.B. deutschstämmige Menschen, die ihre Eltern oder Angehörige gepflegt haben. Oder auch Mütter und Frauen mit Erfahrung in der Kinderpflege. Solche Menschen haben ein hohes Potenzial für den Beruf, weil sich schon einmal darauf eingelassen haben, pflegebedürftige Menschen zu pflegen.“

Der Test der Bundesagentur für Arbeit (BA) wurde in Kooperation mit der Bertelsmann Stiftung entwickelt. Mittlerweile ist das MYSKILLS-Testverfahren für 30 Berufe im Einsatz, u.a. für den Beruf Altenpflegehelfer. Aber auch die Tests für die Berufe Hauswirtschafter oder Koch können für Pflegeeinrichtungen interessant sein.

Wie funktioniert der MYSKILLS-Test?

Der computergestützte, videobasierte Test wird vom Jobcenter oder der Arbeitsagentur vor Ort durchgeführt. Um Sprachbarrieren zu verringern, ist er bisher in sechs Sprachen verfügbar – Deutsch, Englisch, Arabisch, Farsi, Russisch und Türkisch. Er dauert etwa vier Stunden. Dem Teilnehmer werden rund 120 Fragen zu konkreten beruflichen Handlungssituationen gestellt. Grundlagen sind deutsche Standards wie die aktuelle Ausbildungsordnung und betriebliche Anforderungen.

Der MYSKILLS-Test zeigt Arbeitgebern, ob jemand für den Beruf geeignet ist und was sie oder er schon praktisch und arbeitsalltäglich tun kann,“ sagt Stegmann. „Und zwar in vier verschiedenen Handlungsfeldern:

  • bei Körperpflege und Ausscheidungen unterstützen,
  • Mobilität erhalten und fördern,
  • Gesundheit und Ernährung fördern,
  • bei der Lebens- und Haushaltsführung unterstützen.

In enger Zusammenarbeit mit Berufs- und Arbeitgeberverbänden, Ausbildern, Heimleitungen, Pflegepraktikern und wissenschaftlichen Fachexperten wurde bei der Testentwicklung dafür gesorgt, dass die Fragen und Anforderungen des Tests die reale Berufspraxis nach deutschen Standards betreffen und sich gleichzeitig an den aktuellen Berufsbildungsplänen orientieren. „Das Testergebnis ist ein sehr präziser und verlässlicher Indikator dafür, welche direkt einsetzbaren Handlungskompetenzen jemand bereits hat,“ so Stegmann. „Doch darüber hinaus zeigt der Test auch konkret, in welchen Bereichen noch gezielte Nachschulungen gebraucht werden, um diesen Menschen Zug um Zug weiter zu qualifizieren – im besten Fall bis zur Fachkraft.

Wie können Arbeitgeber die Testergebnisse interpretieren?

„Wichtig ist, die Ergebnisse des Tests richtig zu interpretieren“, betont Stegmann. „Denn der Test ist schwer. Jemanden, der mit einem Punkt in verschiedenen Handlungsfeldern kommt, kann man gut zur Probe arbeiten lassen oder ein Praktikum anbieten. Denn dieser Mensch hat damit schon gezeigt, dass er sich grundsätzlich schon einmal darauf eingelassen hat, Menschen zu pflegen. Jemand, der zwei Punkte in einem Handlungsfeld erreicht, bringt über diese grundsätzliche Bereitschaft hinaus schon eine Reihe nützlicher Handlungsfähigkeiten und ein Verständnis der Zusammenhänge und Arbeitsprozesse mit. Wenn jemand sogar drei Punkte erreicht, kann man diesem Menschen schon nach kurzer Einarbeitung wichtige Aufgaben zutrauen - und muss dabei keine Sorge vor gefährlicher Pflege haben. Und vier Punkte in einem Handlungsfeld sind auch für eine erfahrene Pflegefachkraft mit Berufserfahrung in Deutschland alles andere als einfach zu erreichen.“

Wie können Arbeitgeber den Test nutzen?

Arbeitgeber können sich fragen, in welchen Handlungsfeldern sie Mitarbeiter brauchen, und dann ihre Arbeitsagentur oder das Jobcenter bitten, Ihnen Menschen mit entsprechenden Testergebnissen zu schicken. Um den Suchaufwand weiter zu verringern, können Arbeitgeber ihre offenen Stellen bei der Arbeitsagentur auch direkt nach den Handlungsfeldern melden, in denen sie akut den größten Arbeitsbedarf haben.

„Mit dem MYSKILLS-Test eröffnet sich für Pflegeeinrichtungen ein neuer, zusätzlicher Weg der Personalgewinnung“, sagt Stegmann. „Arbeitgeber können sehen, ob und in welchen Bereichen jemand schon reale Erfahrungen und Fähigkeiten hat und diesen Menschen dort direkt einsetzen. Gleichzeitig schult und qualifiziert man ihn im Lauf der Zeit in den anderen Bereichen immer weiter. Dafür gibt es vielfältige Möglichkeiten - gerade auch im Zusammenspiel mit der Arbeitsagentur oder dem Jobcenter.“

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