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Lesetipp Berufsbild zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Wie erleben Pflegende ihre Ausbildung? Tragen die Strukturen dazu bei, dass sich die jungen Erwachsenen zu selbstbestimmten Individuen entwickeln können? Eine in Buchform erschienene Dissertation widmet sich diesen Fragen.

Wie erleben Schüler ihre Pflegeausbildung? In der Theorie wird patientenorientierte Pflege gelehrt, doch gelingt das auch in der Praxisphase? Bereits seit 2007 beschäftigt sich der Professor für Pflegewissenschaft, Benjamin Kühme, mit dieser Frage. Schon damals offenbarten sich ihm wiederkehrende Muster in Interviews mit Schülern, die ihm teils erschütternde Einblicke in ihre Pflegewirklichkeit ermöglichten (vgl. S. 90). Deshalb setzte er diese Forschung fort. Das Ergebnis ist Kühmes Dissertation, die nun als Buch veröffentlicht wurde.

Pflege-Azubis befinden sich mitten in der beruflichen Identitätsbildung. Diese sensible Phase betrachtet Kühme kritisch und will in u.a. Interviews herausfinden, ob und was sich seit über zehn Jahren verändert hat. Denn die jungen Erwachsenen weisen als (noch) Berufsfremde auf kritische Momente in der Praxis hin, die Erfahrene als Selbstverständlichkeit wahrnehmen.

Ökonomischer Druck vs. Berufsethik?

In ihrer Ausbildung müssen die Pflegenden laut Kühme oft in der Schule vermittelte Inhalte ignorieren, um Arbeitsabläufen in der Praxis gerecht zu werden. Welche Rolle spielt das beim Aufbau ihrer Persönlichkeit im pflegeberuflichen Sozialisationsprozess? Ist die Pflegepraxis überhaupt ein Ort, wenn es um die Entwicklung von Mündigkeit und Selbstbestimmtheit der Lehrlinge geht? Denn genau diese Bildungsprozesse sind wichtig für Professionalisierung von Berufsgruppen und für die direkte Begegnung mit Patienten. Diese Studie klärt inwieweit Bildungsmuster gefördert werden, die für eine gute Pflege wichtig sind und für eine selbstbestimmte Berufsgruppe stehen.

Fazit

Kühme nähert sich dem spannenden Thema sehr sachlich – das Buch wurde als Doktorarbeit zugelassen und ist dementsprechend wissenschaftlich aufgebaut. Die wirklich spannende Erkenntnis ist trotzdem die Sicht der Schüler, die der Autor aufzeigt.

Über den Autor

Seit 2015 ist Benjamin Kühme Professor für Pflegewissenschaft an der Hochschule Osnabrück. Seine Schwerpunkte liegen in der Pflegewissenschaft, -didaktik, -pädagogik. Er erforscht v.a. Bildungsmuster und Identitätsbildungsprozesse in der betrieblichen und akademischen Pflegeausbildung.

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