Klimaschutz Beim Boden das Klima und die Langzeitkosten im Blick

Klimaschutz in Krankenhäusern kann einen erheblichen Beitrag zur Reduktion von Treibhausgasen leisten. Neben Maßnahmen zur Energieeinsparung können auch ressourcenschonende Baumaterialien ein Baustein beim klimafreundlichen Handeln sein.

Krankenhäuser können mit ressourcenschonenden Baumaterialen beispielsweise bei Bodenbelägen einen Beitrag zu klimafreundlichem Handeln leisten. Hier im Bild die Zentrale Aufnahmestation am Klinikum Karlsruhe. – © Elmar Witt

In Kliniken spielen Ressourcen- und Klimaschutz eine große Rolle. In Deutschland werden insgesamt rund fünf Prozent des Ausstoßes von Treibhausgasen dem Gesundheitswesen zugeschrieben (DKI-Gutachten, 2022). Der Energieverbrauch eines einzelnen Krankenhauses ist enorm hoch und mit dem einer Kleinstadt vergleichbar (Fraunhofer UMSICHT, 2017). Dementsprechend tragen die Gesundheitseinrichtungen eine hohe Verantwortung, wenn es um die Einsparung von Treibhausgasen geht. Wie kann der Einsatz ressourcenschonender Baumaterialien mit einem geringen CO2-Fußabdruck sie bei diesem Ziel unterstützen?

Ökologie und Ökonomie sind beides wesentliche Voraussetzungen für eine nachhaltige Auswahl von Bauprodukten. Wertvolle Instrumente und eine Entscheidungshilfe bei der Beschaffung von Materialien für Neubau oder Sanierungen sind u.a.

  • die Ökobilanz, also die Betrachtung der Umweltauswirkungen (Life Cycle Assessment, LCA) sowie
  • die Wirtschaftlichkeitsbewertung (Life Cycle Costing, LCC).

Auf beide Aspekte hat die Langlebigkeit von Materialien einen starken Einfluss. Wer beispielsweise beim Bodenbelag nur auf den Anschaffungspreis schaut, greift zu kurz: Denn der Boden nimmt eine große Fläche ein und sollte jahrzehntelang im Objekt verbleiben – in der Regel mindestens 30 Jahre, idealerweise länger. Das billigste Produkt ist daher möglicherweise nicht immer die nachhaltigste Lösung. Der Einstandspreis beträgt in der Regel nur knapp zehn Prozent der Gesamtkosten eines Fußbodens, der Rest entsteht während des Unterhalts. Durch eine vorausschauende Planung sollen die Unterhaltskosten über Jahrzehnte gesenkt werden.

Den Ressourcenverbrauch minimieren – für eine gute Ökobilanz

Ein wichtiger Gesichtspunkt ist die Lebenszyklusbetrachtung von Bauprodukten, die auch bei den Bewertungssystemen BNB, DGNB oder LEED einen zentralen Stellenwert einnimmt. Danach sind Verschleißfestigkeit und Langlebigkeit entscheidende Faktoren zur Schonung der Ressourcen und für eine gute Ökobilanz. Diese wird in der Regel für einen Zeitraum von 50 Jahren berechnet. Manchmal überrascht es, dass ein Material, das zum Zeitpunkt der Anschaffung umweltfreundlich zu sein scheint und noch dazu durch eine besonders günstigen Anschaffungspreis punktet, langfristig gesehen seine Versprechen nicht halten kann. Oftmals sollen diese Produkte über die Dauer mehr negative Umweltauswirkungen aufweisen, weil sie z.B. weniger langlebig sind und daher öfter ausgetauscht werden bzw. aufwändig in Stand gehalten werden müssen. Robuste Kautschukböden mit guter Performance und einer Lebensdauer von 30 bis 40 Jahren bieten hier eine langfristig gute Lösung, da sie in der zugrunde gelegten Zeitspanne, wenn überhaupt, nur einmal ausgetauscht werden müssen.

Umweltproduktdeklarationen (EPD)

Zur Auswahl von Produkten sollten die EPD herangezogen werden. Darin werden u.a. die Treibhausgasemissionen für alle Phasen des Produktlebenszyklus ausgewiesen, also von der Beschaffung der Rohstoffe bis zur späteren Entsorgung (Umweltbundesamt, Texte 129/2020, S.20). Hier kann herausgefunden werden, ob sich die Aussagen zu den Produkten auf den kompletten Lebenszyklus oder nur auf einzelne Phasen beziehen, was in der Praxis leider häufig vorkommt.

Dreiklang klimafreundlichen Handelns

„Vermeiden – Reduzieren – Kompensieren“ – so lautet das Prinzip des vom Umweltbundesamt empfohlenen klimafreundlichen Handelns. Die Hersteller von Bauprodukten sollten transparent darlegen können, welche Anstrengungen sie für den Klimaschutz leisten. Auf dem Weg zu einer klimafreundlichen Produktion deckt nora den Strombedarf am Standort Weinheim zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen. Zudem konnte der durchschnittliche CO2-Fußabdruck der produzierten Bodenbeläge zwischen 2019 und 2020 um 14 Prozent und 2021 um 21 Prozent reduziert werden. Einen wichtigen Aspekt stellt auch die Kompensation durch den Erwerb von Emissionsminderungszertifikaten dar. Denn der CO2-Ausstoß von Bauprodukten bei der Errichtung des Gebäudes, während der Nutzung und bei der Entsorgung könne in der Regel nur durch Kompensation vollständig ausgeglichen werden. Alle Bodenbeläge des Unternehmens sind im Rahmen des Interface Carbon Neutral Floors-Programms über den gesamten Produktlebenszyklus CO2-neutral, was von der unabhängigen Zertifizierungsgesellschaft APEX Companies jährlich verifiziert wird. Dafür gleicht das Unternehmen bisher noch unvermeidbare Emissionen freiwillig aus und erwirbt Emissionsminderungszertifikate zur Unterstützung von Klimaschutzprojekten.

Ökologie und Ökonomie im Einklang

Für eine ganzheitliche Bewertung der Lebenszykluskosten und somit der Wirtschaftlichkeit ist darüber hinaus auch der Reinigungs- und Pflegeaufwand über die gesamte Lebensdauer eines Fußbodens wichtig. Dieser kann mit zunehmendem Verschleiß der Oberflächen deutlich steigen, was bei der limitierten Betrachtung der Nutzungsphase von nur einem Jahr in der Lebenszykluskostenanalyse der EPD unberücksichtigt bleibt. In vielen Einrichtungen des Gesundheitswesens sind jedoch regelmäßige Beschichtungserneuerungen üblich. Bei einigen Böden, wie etwa Kautschuk-Belägen, kann darauf verzichtet werden – und dies über die gesamte Lebensdauer. Dadurch sollen über die Zeit große Mengen hochalkalischer Reinigungschemie eingespart werden. Das schont die Umwelt und spart zudem Zeit, Kosten sowie organisatorischen Aufwand, wie das Sperren von Flächen oder das Ein- und Ausräumen des Inventars aus den Patientenzimmern.

In Kliniken werden die Bodenbeläge durch das viele Verschieben der Betten sehr stark beansprucht. Robuste Böden sollen langfristig eine gute Lösung bieten. – © Felix Löchner

Kontakt zur Autorin

Martina Hoock, Marktsegment-Spezialistin Gesundheitswesen der nora systems GmbH. Kontakt: martina.hoock@nora.com

Quellenverzeichnis