Qualitätsmanagement -

Behandlungsfehler: MDS fordert zentrales Register

Angesichts einer hohen Dunkelziffer von ärztlichen Behandlungsfehlern braucht es ein zentrales Register. Das forderte Dr. Stefan Gronemeyer, stellvertretender Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS).

Behandlungsfehler: MDS fordert zentrales Register
Dr. Stefan Gronemeyer -

Dr. Stefan Gronemeyer, stellvertretender Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbands Bund der Krankenkassen (MDS) fordert ein zentrales Register für ärztliche Behandlungsfehler. „Sinnvoll wäre eine umfassende Registrierung der Behandlungsfehler, um eine systematische Fehler- und Ursachenanalyse voranbringen zu können“, sagt Gronemeyer anlässlich der in Berlin vorgestellten Begutachtungsstatistik für 2014.

209 „Never Events“ bundesweit

Das gelte besonders für die so genannten „Never Events“. Das sind besonders folgenschwere, aber gleichzeitig einfach zu verhindernde Fehler wie zum Beispiel Verwechselungen von Patienten oder Seiten bei einer Operation. Dazu gehören aber auch die Entstehung eines hochgradigen Dekubitus oder vergessene Fremdkörper wie OP-Besteck. 2014 stellten die MDK-Gutachter bundesweit 209 „Never Events“ fest.

Relevanz von Fehlervermeidung bewusst machen

Für Gronemeyer wäre ein zentrales Register – wie es in den USA und England Pflicht ist – zwar „ein wesentlicher Schritt, um mehr Erkenntnisse zu bekommen“. Er betont aber zugleich, dass dafür ein politischer Wille nötig sei. „Ich habe den Eindruck, dass das Bewusstsein noch nicht so weit ist, dass das Thema Fehlervermeidung und Patientensicherheit die Bedeutung hat, die es eigentlich haben müsste“, so Gronemeyer. Er macht klar, dass die vorliegenden Zahlen der Begutachtungsstatistik 2014 nur „die Spitze des Eisbergs“ sind. „Der weitaus überwiegende Teil der Fehler wird nirgendwo registriert“, erklärt er.

Die meisten Behandlungsfehler in der Chirurgie bestätigt

Aktuellen Zahlen zufolge haben die Medizinischen Dienste der Krankenversicherung (MDK) im vergangenen Jahr 14.663 Behandlungsfehlervorwürfe begutachtet. Das ist knapp mehr als im Jahr zuvor mit 14.585 Fällen. Ebenso stieg die Zahl der bestätigten Fehler mit 3.796 Fällen leicht an (2013: 3.687.). Knapp zwei Drittel der Vorwürfe betrafen Behandlungen in Krankenhäusern, ein Drittel niedergelassene Ärzte. Die meisten Vorwürfe bezogen sich auf chirurgische Eingriffe, 7.845 Fälle stehen in direktem Zusammenhang mit Operationen. „Dies hat nach unserer Erfahrung damit zu tun, dass bei einem postoperativen Behandlungsverlauf, der nicht den Erwartungen entspricht, der Verdacht auf einen Behandlungsfehler nahe liegt, während Fehler bei der Medikation von Patienten oft nicht wahrgenommen werden“, erläutert Prof. Dr. Astrid Zobel, Leitende Ärztin des MDK Bayern. Die höchste Quote an bestätigten Behandlungsfehlern findet sich jedoch nicht in der Chirurgie. Am häufigsten wurde ein Fehlervorwurf in der Pflege bestätigt (57,8 Prozent von 590 Fällen), gefolgt von der Zahnmedizin mit 39,2 Prozent von 1.419 Fällen, der Allgemeinchirurgie mit 27,5 Prozent von 1.642 Fällen sowie der Frauenheilkunde und Geburtshilfe mit 27 Prozent von 1.144 Fällen.

Methoden zur Fehlervermeidung nicht richtig eingesetzt

Bei der Fehlervermeidung macht der MDS ein Umsetzungsproblem aus. „Anerkannte Maßnahmen wie OP-Checklisten, regelmäßige Notfall- und Teamtrainings oder das kritische Hinterfragen der Medikamente werden noch nicht systematisch und flächendeckend eingesetzt“, erläutert Gronemeyer.

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