Bauen für Menschen mit Demenz

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Bauen für Menschen, die an Demenz erkrankt sind, ist eine Herausforderung. Wie die gelöst werden kann, zeigen die Architekten Jarno Nillesen und Stefan Opitz in ihrem Buch.

© Wiegerinck

„Dimensionen für Demenz“ ist ein Buch, das schon auf den ersten Blick auffällt. Denn anders als die meisten Bücher ist das Paperback nicht als Hochformat sondern in einem handlichen Querformat erschienen. Und auch der Blick ins Innere des 130 Seiten langen Buches ist besonders – und das liegt zum einen am luftigen Layout und zum anderem am Inhalt.

Doch zunächst zum Inhalt: „Inzwischen wissen wir, dass das Verhalten von Patientenmit einer Gehirnerkrankung sehr engmit den Reizen und Impulsen aus ihrer Umgebung zusammenhängt. Von diesen Einflüssen stellen Gebäude und Inneneinrichtungen die wichtigsten dar“, heißt es im Vorwort des Buches. Was das für das Bauen heißt, zeigen die Architekten Jarno Nillesen und Stefan Opitz in insgesamt zehn Kapiteln.

Auch wenn im Gehirn von an Demenz Erkrankten viel verloren geht, bleiben auch Dinge erhalten. „Alte Erinnerungen an früher, an zu Hause sind häufig noch auffallend präsent“, sagt Nillesen. Wer für an Demenz Erkrankte Bauen möchte, muss sich in ihre Lage versetzen, so die Forderung der Autoren.

Wie ist die Wahrnehmung von an Demenz Erkrankten?

Doch das ist keine leichte Aufgabe, schließlich nehmen an Demenz Erkrankte viele Dinge ganz anders wahr als gesunde Menschen. Was ein gesunder Mensch als angenehm empfindet, kann in der Wahrnehmung eines an Demenz Erkrankten zu einer völlig anderen Assoziation führen. Deshalb haben die Autoren zunächst ein paar Fakten zur Wahrnehmung von an Demenz Erkrankten zusammengefasst. Dann erläutern sie, wie das Wohnen für sie aussehen könnte. Dabei thematisieren Nillesen und Opitz ebenso die normale Wohnsituation zu Hause als auch das Wohnen in einer Wohngruppe.

Das zweite Kapitel haben die Autoren der Verbindung von Wohn- und Schlafzimmer mit Sanitärräumen gewidmet. Anhand von mehreren Beispielen zeigen sie, wie es gelingen kann, dass an Demenz Erkrankte auf dem Weg von ihrem eigenen Zimmer ins Badezimmer nicht die Orientierung verlieren.

Wie Flure für an Demenz Erkrankte gestaltet werden können, zeigen Nillesen und Opitz in Kapitel drei. Dabei gehen sie etwa auf mögliche Strukturen, die Führung und die Gestaltung der Flure ein.

In den folgen Kapiteln zeigen sie zudem Gestaltungsmöglichkeiten für Wohnzimmer und Küche, den Eingangsbereichs sowie den Außenbereich auf. Weitere Themen des Buches sind der Wohnungsgrundriss, das Gruppieren von Wohnungen und sowie Konzepte für das Bauen für an Demenz Erkrankte in der Architektur.

Lösungen für das Bauen in der Stadt und auf dem Land

Am Ende des Buches stellen Nillesen und Opitz noch zwei Entwurfsstudien vor. Dabei zeigen sie zunächst, wie das Bauen für an der Demenz Erkrankte im ländlichen Raum aussehen könnte und liefern Ideen für Baumaterialien bis hin zum Grundriss und der Aufteilung eines Gebäudes. Anschließend skizzieren die Autoren, wie eine großvolumige Lösung in der Stadt aussehen könnte.

Und nun noch zum Layout des Buches: Das Fachbuch ist sehr abwechslungsreich gestaltet, kaum eine Seite gleicht einer anderen. Leser finden im Buch immer mal wieder ein ganz seitiges Bild oder eine fast leere Seite. Selbstverständlich gibt es in „Dimenisionen für Demenz“ auch Text. Allerdings sind die Seiten trotz des umfangreichen Inhalts nie vollgestopft. Vielmehr sind die Texte abwechslungreich gegliedert. So gibt es neben dem eigentlichen Text immer wieder erläuternde Kästen und Graphiken. Dadurch wirkt das Buch gleich auf den ersten Blick abwechslungsreich und das Umblättern macht jedes Mal Freude.

Einen ersten Einblick in das Buch können Sie sich auf der Website des Architekturbüros Wiegerinck verschaffen.

Buchtipp
Nillesen, J. und Opitz, S. (2014) Dimensionen für Demenz. Kleinmaßstäbliche Wohnformen für Menschenmit Demenz.