Social Media (Teil 14) Barcamps auf Eroberungskurs

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Klassische Tagungsformate dominieren das Gesundheitswesen. Die Referenten sitzen auf dem Podium, referieren und diskutieren; die Teilnehmer sind dabei meist passiv. Dass es auch anders geht, zeigt ein Format aus dem Silicon Valley: das Barcamp. Es ist innovativ, setzt auf die aktive Teilnahme und ist jetzt auch in der Healthcarebranche angekommen.

Barcamps können eine Kreativwerkstatt sein – auch das Gesundheitswesen nutzt das Kongressformat bereits. – © T. L. Furrer (Shutterstock.com)

Das Barcamp ist eine offene Veranstaltung, die meist zwei Tage dauert und an einem Wochenende stattfindet. Das Programm dieser sogenannten Unkonferenz wird gemeinsam von den Teilnehmern zu Beginn eines jeden Tages festgelegt und orientiert sich an den aktuellen Interessen der Teilnehmer. Ziel eines Barcamps ist es, Wissen zu teilen, neue Impulse und Ideen zu generieren sowie sich zu vernetzen. Der Austausch und die Diskussionen finden auf Augenhöhe statt – eine der wichtigsten Regeln des Barcamps. Diese werden nachfolgend genauer erläutert. Die Teilnahme ist in den meisten Fällen kostenlos, kann aber auch mit einer geringen Gebühr verbunden sein. Barcamps werden in aller Regel durch Sponsoren ermöglicht. Neben den klassischen Barcamps gibt es Themencamps wie das EduCamp, Histocamp, Barcamp soziale Arbeit oder das CareCamp.

So läuft es ab

Jedes Barcamp startet mit einer Begrüßung und Erläuterung des weiteren Ablaufs durch das Organisationsteam. Es folgt eine Vorstellungsrunde, bei der jeder Teilnehmer seinen Namen und drei Hashtags bzw. Schlagworte zu sich nennt. Das dient zum „Eisbrechen“ und erleichtert es, Teilnehmer zu finden, die sich für gleiche oder ähnliche Themen interessieren. Meistens ergeben sich im weiteren Austausch spannende und intensive Gespräche, die weit über die Veranstaltung hinaus wirken.

Den Kern eines Barcamps bildet die Sessionplanung, bei der das Tagesprogramm gemeinsam gestaltet wird. Die Teilnehmer dürfen eine oder mehrere Sessions vorschlagen und stellen diese inhaltlich kurz vor. Eine Session kann ein Kurzvortrag, ein Workshop, eine Diskussion oder einfach nur eine Frage sein und dauert 45 Minuten plus 15 Minuten Pause. Mittels Handzeichen signalisieren die Teilnehmer nach jeder Sessionvorstellung, wie groß das Interesse ist, sodass die Session einem Raum und einer Uhrzeit zugeordnet werden kann. Sukzessive füllt sich so der Sessionplan. Geführt werden die Sessions dann in Eigenregie von den Teilnehmern.

Mehrere Sessions zu unterschiedelichen Themen finden in der Regel parallel statt, was den Teilnehmer dazu zwingt, Prioritäten zu setzen. Es gilt: Wenn ein Teilnehmer während einer Session feststellt, dass er etwas anderes erwartet hat oder nichts zum Thema beitragen kann, kann er jederzeit den Raum verlassen und zu einer anderen Session wechseln.

Der zweite Tag eines Barcamps ist der sogenannte Qualitätssonntag. Einige Teilnehmer haben sich bereits verabschiedet und es werden Themen, Ideen und Diskussionen vom ersten Tag aufgegriffen und vertieft. Zum Ende eines Barcamps kommen alle Teilnehmer zur Abschlussrunde zusammen, um Feedback zur Organisation und zu den Themen der Veranstaltung zu geben. Darüber hinaus werden Anregungen und Wünsche für das nächste Barcamp gesammelt.

Die Sieben Grundregeln

Trotz der Offenheit der Veranstaltung gibt es ein paar Regeln, die für die Teilnehmer jedes Barcamps gelten und die Grundidee erhalten sollen:

  • Man spricht über das Barcamp, d.h., man twittert und/oder bloggt z.B. darüber.
  • Wenn man etwas präsentieren möchte, schreibt man seinen Namen und sein Thema in einen der Sessionslots.
  • Man stellt sich mit nur drei Schlagworten vor.
  • Es gibt so viele Parallelsessions, wie es die Räumlichkeiten er­lauben.
  • Es gibt keine vorangekündigten Präsentationen und keine Touristen.
  • Die Sessions dauern so lange wie nötig oder bis die nachfolgende Session beginnt.
  • Wer zu einem BarCamp geht, sollte aktiv sein und sich einbringen.

Neben diesen Regeln wird bei Barcamps das gepflegte „Du“ gelebt, da Hierarchien wie die berufliche Position der Teilnehmer keine Rolle spielen. Die Stimmung bei Barcamps ist großartig und steckt an. Das Zitat von Stefan Schütz (Blogger und PR-Berater) bringt es auf den Punkt: „Nirgendwo anders kommt man in vertrauter sowie aufgrund der übersichtlichen Teilnehmeranzahl (meistens bis zu 100 Personen) nahezu intimer Atmosphäre so gut ins Gespräch und stößt auf neue Impulse und Kontakte.“

Sektoren überwinden

Für das Gesundheitswesen können Barcamps einen wichtigen Beitrag zur Vernetzung und zur Überwindung der Sektorengrenzen leisten. Mediziner, Pflegende und alle anderen Akteure des Gesundheitswesens begegnen sich bei einem Barcamp auf Augenhöhe, tauschen Meinungen aus und entwickeln gemeinsame Ideen und Projekte. Das dies bereits passiert, haben das BarCamp Health-IT, BleibGesundCamp, Care Camp Köln und das HealthCareCamp gezeigt.

Auch 2017 werden einige dieser Themencamps stattfinden. Eine detaillierte Übersicht finden Sie hierzu online unter www.barcamp-liste.de.

Ein Barcamp kann auch intern z.B. in Einrichtungen durchgeführt werden. Hier kann das Veranstaltungsformat der Fortbildung dienen, die Mitarbeiter motivieren, den Austausch fördern und dazu beitragen, Hierarchien zu durchbrechen.