Digital Health Lexikon -

Automotive Health

Der Begriff „Automotive Health“ umfasst alle gesundheitsrelevanten Angebote, welche sich im Kontext der Mobilität abbilden lassen. Dabei nutzt es die Errungenschaften der letzten Jahre aus den drei Themengebiete Automobilität, Gesundheit und Digitalisierung.

1. Synonym:

Der Begriff wird oftmals Synonym mit dem Begriff mHealth (mobile Health) verwendet. In den USA wird mit Automotive Health auch die Gesundheit des Autos (Wartungszustand) bezeichnet. 

2. Kurzhistorie:

Durch den technischen Fortschritt entwickelt sich das Automobil von einer individuellen Transportmöglichkeit zu einem autonom fahrenden Hochleistungsrechner. Gleichzeitig nimmt der Stellenwert von Gesundheit in allen Lebensbereichen in der Gesellschaft stark zu (der sechste Kontratieff). Das eigene Überwachen und Optimieren ist in der heutigen Gesellschaft zu einem allgemeinen Trend geworden.

3. Ziel:

Das Ziel von Automotive Health ist es, die Stärken des Automobils, die neuen Anforderungen des Gesundheitsmarktes und die neuen Möglichkeiten in der Medizin (Gesundheit 4.0) zusammen zu bringen. Dadurch entstehen zum einen neue Angebote für den Kunden und zum anderen neue Perspektiven für die Gesundheitsversorgung.

4.Wesentliche Merkmale:

Der Automobilsektor wird sich nach aktuellen Studien grundlegend verändern. Der heutige Produzent wird zukünftig Mobilitätsanbieter oder deren Zulieferer werden und langfristig wird er mobilitätsassoziierte Services anbieten (müssen).Ähnlich wie ein Wearable bietet das Automobil die Chance, Gesundheit als alltägliches Phänomen abzubilden. Die Integration von Sensoren und Aktuatoren kombiniert mit der Rechenleistung eines High-End PCs und diversen Schnittstellen ermöglicht es, eine Vielzahl medizinischer Angebote zu realisieren. In einem Auto herrschen definierte Bedingungen: der Nutzer selbst und seine eingenommene Position ist gut bekannt, die Umgebungs-bedingungen wie z.B. Temperatur und Luftfeuchtigkeit sind leicht zu ermitteln und anpassbar. Darüber hinaus verfügt man über verschieden Interaktionsmöglichkeiten (akustisch, visuell, taktil, etc.).Im Gegensatz zur üblichen ärztlichen Untersuchung und Therapie (single shot) kann man im Auto kontinuierlich Daten akquirieren und daraus bestimmte Trends ableiten und somit weitergehende Informationen gewinnen. Zudem ist das Auto „privat space“. Es ist in bestimmten Gesellschaften einer der wenigen privaten Orte. Die Menschen gehen von einem öffentlichen Raum (Arbeitswelt) in den nächsten (Großfamilie) und haben nur begrenzte Privatsphäre. Für medizinische Fragestellungen / Angebote ist Privatsphäre jedoch oftmals eine der Grundbedingungen.  

5. Wesentliche Einsatzgebiete:

Medizinische Aspekte im Auto werden dann relevant, wenn sie entweder in kritischen Situation ein bevorstehendes Ereignis verhindern (z. B. Unfallvermeidung), die Folgen für den Nutzer minimieren bzw. dessen Überlebenswahrscheinlichkeit verbessern oder durch Früherkennung und Prophylaxe es erst gar nicht zu kritischen Situationen kommen lassen. 

6. Unterscheidung von ähnlichen Begriffen:

Der Begriff „Automotive Health“ unterscheidet sich von dem Begriff „Incar Wellbeing“ durch das breitere Spektrum an (medizinisch orientierten) Anwendungsmöglichkeiten. „Incar Wellbeing“ bezieht sich vor allem auf den Wohlfühlfaktor des Nutzers im Auto, schließt aber auch Wellness-Angebote ein. Hier ist der Übergang zu „Automotive Health“ dann auch ein fließender.

Dr. Manfred Knye

Autor:

Dr. Manfred Knye

Leiter Projekt Einführung von Exoskeletten im Gesundheitswesen

Volkswagen AG

manfred.knye@volkswagen.de

Tobias Möller

Autor:

Tobias Möller

Praktikant im Gesundheitswesen, Volkswagen AG

tobias.moeller@volkswagen.de

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