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Entscheiderfabrik Auszeichnung: Digitale Workflows in der Pathologie

Skandinaviens Pathologien sind nahezu vollständig digitalisiert. Das spart Pathologen wertvolle Zeit, denn die Arbeitslast steigt ständig. Deutsche Kliniken zögern noch beim Einführen digitaler Workflows, aber ein Blaupause-Projekt der Entscheiderfabrik zeigt: Der Schritt lohnt sich.

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Auf dem Entscheiderevent im Februar wurden die fünf Digitalisierungsthemen 2019 der Entscheiderfabrik ausgezeichnet. Darunter auch ein Projektteam aus Industrie und Kliniken , das innerhalb eines Jahres aufzeigen konnte, wie digitale Prozesse in der Pathologie den Workflow verändern und welche neuen Chancen die neuen Daten ermöglichen.

Denn die digitale Pathologie bietet schnellere, zuverlässigere und reproduzierbarere Ergebnisse. Der Ersatz der konventionellen Mikroskopie durch die Befundung am Computerbildschirm in Verbindung mit dem digitalen Datenmanagement verspricht zahlreiche Vorteile, wie z.B. die Verminderung von Fehlern etwa durch das Vertauschen von Diagnosen. Mit dem Titel: „Digitalisierung der Pathologie – vollumfänglicher, elektronischer Workflow mit allen fallrelevanten histologischen Objektträgern zur digitalen und damit ortsunabhängigen Befundung“ trat das Team, bestehend aus Industrie (Hamamatsu Photonics, Sectra Medical Systems), Kliniken (Universitätsklinikum Köln, Klinikum Ludwigshafen, Klinikum rechts der Isar sowie die Pathologie der Technisches Universität München) und einer begleitenden Beratung (Vosseler Consulting) an.

Künftige Herausforderungen an die Pathologie

In Deutschland sind die Pathologien eine der letzten klinischen Fachdisziplinen, die noch keine komplettdigitale Bearbeitung eines Falles erlauben. Bisher kommen für die Auswertung der Gewebeproben Mikroskope zum Einsatz. Gleichzeitig wird die Fachdisziplin Pathologie in den nächsten Jahren neue Herausforderungen erfahren, die u.a. eine stark steigende Arbeitslast bedeuten wird, beispielsweise durch vermehrte Krebsfälle aufgrund der Altersstruktur der Bevölkerung, oder wegen verbesserter Behandlungsmethoden, die ein längeres Überleben des einzelnen Patienten bei mehrfachen Nachkontrollen ermöglichen, aber auch wegen der Anzahl benötigter Pathologen durch deren Altersstruktur in Deutschland.

Die im Labor hergestellten Objektträger werden mit Hilfe eines Scanners digitalisiert und dann in einem digitalen Bildmanagementsystem (Pathologie PACS) gespeichert, dargestellt und verteilt. Aus dem IT-Verwaltungssystem der Pathologie bzw. des Labors werden alle Bilder des zu befundenen Falls auf Anforderung des Arztes automatisch geöffnet, er führt die Befundung unter Zuhilfenahme von Falldaten anhand der digitalen Bilder am Monitor durch und diktiert den Befund in sein System.

Vorteile der digitalisierten Pathologie

Eine komplette Digitalisierung des Pathologie Workflows inklusive der Digitalisierung der pathologischen Objektträger bringt folgende Vorteile mit sich:

  • Schneller Zugriff auf Zweitmeinungen mit geringer Turnaround-Time ohne physikalischen Austausch der Objektträger
  • Verteilte Workflows mit flexibler Personalplanung
  • Ortsunabhängige Befundung („Homeoffice“) insbesondere bei Schnellschnitten ohne Weitertransport
  • Reduzierte Handhabung von Objektträgern und schneller Zugriff auf digitale Voraufnahmen
  • Reproduzierbare Messungen und Zählungen durch digitale Bildanalyse-Algorithmen
  • Integrierte Fallbesprechungen aller beteiligten diagnostischen Abteilungen im Behandlungspfad des Patienten.
 

Weltweit gibt es mittlerweile Installationen, in denen es gelungen ist den kompletten Workflow in der Pathologie durch digitale Systeme abzubilden. Skandinavien ist beispielsweise nahezu vollständig digitalisiert. In Deutschland findet die Einführung der neuen technischen Möglichkeiten für die klinische Routine hingegen nur zögerlich statt. 

Sectra stellte, gemeinsam mit dem Whole-Slide-Scanner-Hersteller Hamamatsu Photonics, eine voll digitale Workflow-Lösung, bestehend aus einem NanoZoomer S360 und einem Sectra Digital Pathology PACS, zur Digitalisierung eines Teilbereichs der Pathologie (z.B. Brustgewebe und Prostata Proben) in den teilnehmenden Instituten bereit. Der Workflow wurde in Anlehnung an die Vorgaben der IHE PaLM erprobt und optimiert. Die Einbindung in die bestehenden Informationssysteme wurde mittels HL7 umgesetzt. Als Bildformat wurde DICOM gewählt.

Im Laufe eines Jahres konnten unterschiedliche Anpassungen des Workflows absolviert werden. Die Ergebnisse bestätigen die Ansätze vollumfänglich.

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