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Modellprojekt Ausbildungscoaching in der Pflege

In der München-Klinik werden Auszubildende in der Pflege mit Kompetenztrainings in sicherem Auftreten und Kommunikation geschult.

Topic channels: Fort- und Weiterbildung und Studium & Ausbildung

Der Pflegeberuf ist im Wandel. Weg von der reinen Grundpflege geht der Weg immer weiter in Richtung eines hochspezialisierten und differenzierten Berufsbildes. Dieses auch nach außen zu tragen ist Aufgabe der Menschen, die in der Pflege arbeiten. "Und eine geänderte Wahrnehmung setzt eine entsprechend selbstbewusste Selbstwahrnehmung voraus", meint Matthias Zächerl. Er ist Ausbildungscoach und gemeinsam mit Veronika Mayer seit zwei Jahren im Rahmen eines Pilotprojektes in der München-Klinik Akademie im Einsatz.

Unterstützer und Vermittler

Regelmäßig vereinbaren Auszubildende Beratungstermine mit den Ausbildungscoaches. Dabei kann es um Vermittlung im Konflikt mit einer Lehrkraft gehen, um Unterstützung bei der Wohnungssuche oder Rat in einer psychischen Ausnahmesituation. Die Ausbildungscoaches unterliegen als neutrale Ansprechpartner der Schweigepflicht. Sie beraten oder vermitteln und vertreten die Auszubildenden in regelmäßigen Besprechungen mit der Schulleitung.

Mayer und Zächerl sind Sprachrohr der Auszubildenden und unterstützender Ansprechpartner in allen Belangen. Als bisher größtes Projekt haben sie Kompetenztrainings in die Pflegeausbildung integriert. Das geht über die theoretischen und praktischen Lerninhalte der Ausbildung hinaus, hier geht es nicht in erster Linie um die Patientinnen und Patienten, sondern um die Pflegenden selbst.

Soziale Kompetenzen lernen

Das bislang größte umgesetzte Projekt ist die Einführung von Kompetenztrainings, die den Pflege-Auszubildenden Fähigkeiten über die pflegerische Theorie und Praxis hinaus vermitteln. Soziale Kompetenzen sind in einem Beruf, der so nah am Menschen ist elementar. "Bislang ist das in der Pflegeausbildung noch nicht abgebildet und Auszubildende werden im Praxiseinsatz oft unvorbereitet mit teilweise herausfordernden, zwischenmenschlichen Situationen konfrontiert", erklärt Ausbildungscoach Mayer.

An der Stelle setzen Mayer und Zächerl mit ihren Kompetenztrainings an, sodass die Auszubildenden lernen in verschiedenen Situationen besonnen zu reagieren oder für sich einzustehen. Die Trainings wurden gemeinsam mit dem Betrieblichen Gesundheitsmanagement der München Klinik entwickelt. Auf dem Stundenplan für die Auszubildenden ab dem ersten Ausbildungsjahr stehen seitdem Kurse wie:

  • Gesundheitsförderung und -präventiongesunde Ernährung
  • Resilienz und Stressbewältigung
  • Interkulturelle Kompetenz
  • Kommunikative Kompetenz
  • Gendermedizin oder Selbstbehauptung

Alltägliche Konfliktsituationen im Fokus

Zuletzt fand der Kurs "Selbstbehauptung und Deeskalation" für eine Klasse des dritten Ausbildungsjahres pandemiebedingt als digitales Online-Training statt. Unter der Klammer "Achtsamkeit bedeutet, auf sich selbst und auch auf andere zu achten" werden anhand von praktischen Beispielen aus dem Stationsalltag, Situationen im Umgang mit Patienten reflektiert und analysiert. Die Auszubildenden bekommen Techniken an die Hand, die helfen, mit möglichen Konfliktsituationen umzugehen und diese nicht auf sich persönlich zu beziehen, sondern die Umstände der Patienten im Blick zu behalten.

Handwerkszeug nicht nur im beruflichen Alltag

Eine hilfreiche Technik, die im Kurs vermittelt wird, ist das aktive Zuhören: Statt sich bei einer Beschwerde zu rechtfertigen, lernen die Auszubildenden mit gezielten Nachfragen pauschale Aussagen einzuschätzen und damit nachzuspüren, ob der Beschwerdegrund Auslöser für die Konfliktsituation ist oder tiefergehende Probleme dahinterstehen.

Die Auszubildenden nehmen in den Kursen viel für den Stationsalltag aber auch für ihr Leben mit. "Als junger Erwachsener ist es im persönlichen und beruflichen Umfeld wichtig zu wissen, wie man sich gut behaupten kann oder wo umgekehrt die eigene Grenze ist", sagt Zächerl. Der Kurs soll den Auszubildenden dafür wichtiges Handwerkszeug mit auf den Weg geben.

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