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Pflegekammer Rheinland-Pfalz Aus für Pflegestudium in Vallendar: "Ein Tritt unter die Gürtellinie"

Die Fakultät für Pflegewissenschaften an der Hochschule in Vallendar wird aus finanziellen Gründen aufgelöst. Für die Pflegekammer Rheinland-Pfalz nicht hinnehmbar, wie sie in einem offenen Brief mitteilt.

Topic channels: Pflegekammer und Studium & Ausbildung

An der Theologisch Philosophischen Hochschule Vallendar kann man neben Theologie auch Pflegewissenschaften studieren. Ende März 2021 teilte der Träger jedoch mit, dass die Fakultät für Pflegewissenschaft aus wirtschaftlichen Gründen stillgelegt wird. Die Pflegekammer Rheinland-Pfalz und deren Präsident Dr. Markus Mai haben in einem offenen Brief ihr absolutes Unverständnis darüber zum Ausdruck gebracht.

Gerade jetzt in der Pandemie sei deutlich, wie überlastet die Pflege sei. "Gerade für Pflegefachpersonen, die bereits vor der Pandemie in vielen Heimen und Kliniken tagtäglich an ihre Belastungsgrenze stoßen, ist die zögernde Haltung der politisch Verantwortlichen auf Bundes- und Landesebene eine zunehmend unentschuldbare Zumutung", heiß es in dem Brief.

Ankündigung kam aus dem Nichts

Dass ausgerechnet jetzt aus finanziellen Gründen eine Ausbildungsstätte für Pflege geschlossen wird, ist für die Pfälzische Pflegekammer nicht hinnehmbar. Für die Pflege sei diese Maßnahme "nicht nur ein Schlag ins Gesicht, sondern nachhaltig ein Tritt unter die Gürtellinie. Die Ankündigung kam wie aus dem Nichts und beschäftigt seither natürlich auch Studierende und Mitarbeiter, deren Zukunft ungewiss ist".

Für die Akademisierung der Pflege sei die Auflösung der Fakultät ein herber Rückschlag. Vallendar sei in diesem Bereich ein echtes Leuchtfeuer gewesen. "Dieses Leuchtfeuer wird nun aus finanziellen Gründen in einem Bundesland gelöscht, das bei der Stärkung unseres Berufsstandes an vorderster Front mitkämpfen möchte", schreibt Mai und betont die elementare Rolle der Pflegeausbildung für die Sicherstellung der Versorgung in den Krankenhäusern. Für eine erfolgreiche Ausbildung brauche man sowohl junge Menschen, die bereit sind, den Pflegeberuf zu erlernen, als auch Lehrende, die durch die Stilllegung der Fakultät jetzt fehlen würden.

Vorwurf: Nachlässigkeit der Landespolitik

Die Schuld für das Ende der pflegewissenschaftlichen Fakultät, lastet Mai der Landesregierung an. Durch den Ausstieg der Marienhaus Holding als Gesellschafter fehlten der Hochschule nötige Gelder. DIe Pallottiner als alleiniger Gesellschafter sehen sich nicht mehr in der Lage, die Finanzierung zu übernehmen. Die Pflegekammer fordert nach den Worten Mais hier schon seit Jahren eine höhere finanzielle Beteiligung des Landes. Bisher sei das wegen des privaten Hochschulstatus immer wieder abgelehnt worden. "Diese echte Nachlässigkeit der Landespolitik hat nun dazu geführt, dass die bundesweit einzig pflegewissenschaftliche Fakultät abgeschafft werden soll. Das Land ist hier klar aufgefordert, seiner Verantwortung zur Erhaltung dieser einzigartigen Fakultät nachzukommen", sagt Mai in dem offenen Brief, und befürchtet ein weiteres Einbrechen der Akademisierung der Pflege.

Auch der Deutsche Pflegerat nennt die Schließung einen "herben Rückschlag für die Professionalisierung der Pflege in Deutschland". Christine Vogler, Vize-Präsidentin des Detschen Pflegerates erklärt: "Wir haben noch deutlich zu wenige Pflegefachpersonen mit Bachelor, Master oder Promotion. Mit der Schließung der Fakultät für Pflegewissenschaft wird sich dieser Mangel in allen Bereichen der Pflege weiter verstärken. Gleichzeitig wird die langsam fortschreitende Akademisierung der Pflege massiv geschwächt. Und dies zu einer Zeit, da sie gerade erst anfängt, sich zu etablieren."

Hinsichtlich des immer größer werdenden Personalmangels sei das in keiner Weise zu verantworten. Die Pflegekammer ruft alle Verantwortlichen auf, sich an einen Tisch zu setzen, um "zu retten was zu retten ist".

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