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Das war die HIMSSimpact 18 in Potsdam In den Tiefen von „Digital“

Digital Health und Big Data sind wohl zwei der wichtigsten Themen dieses Jahrzehnts – mit dieser Aussage dürfte Christoph Meinel, CEO Hasso Plattner Institute, Recht haben. Am 17. Oktober 2018 wurde einmal mehr klar, dass der digitale Wandel im Gesundheitswesen begonnen hat – im europäischen Ausland wie in Deutschland.

Themenseite: Digitalisierung

„Alles was wir tun, beginnt mit einem Problem“, erklärt Rachel Dunscombe, Director of Digital, CEO Salford Royal, NCA Group, NHS Digital, ihre Arbeit in der DigitalFactory und beschreibt damit gut die Lage, vieler digitaler Entrepreneure im deutschen Gesundheitswesen. Sie sind konfrontiert mit veralteten Strukturen und Prozessen, Skeptik, Angst und fehlender Kompetenz, die immer wieder die Entwicklung von „Digital“ ausbremst. Dabei  und an dieser Stelle wiederholen wir uns – sind die technischen Möglichkeiten für die Digitalisierung da. Aber, wie Dunscombe sagt, viele individuelle Akteure wie Einrichtungen sind noch nicht bereit für das Thema. „Digital ist mit einer großen Veränderung verbunden und macht aus dem Gesundheitswesen eine ganz neue Welt“, prophezeit die Digitalexpertin. Wer bestehen will, muss sich auf experimentelles Lernen einstellen – eben das oft zitierte lebenslange Lernen ist gefordert. Und ganz wichtig: Das muss von der Führungsebene vorgelebt werden. Menschen müssen in der digitalen Entwicklung mitgenommen werden, nur dann kann das Potenzial der Digitalisierung freigesetzt werden – darin stimmten die Referenten der HIMSSimpact 18 in Potsdam überein.

Wer dort war, dürfte jetzt angesteckt sein vom Pioniergeist der vielen digitalen Akteure, die z.B. aus Norwegen und Großbritannien zu Gast waren. Wie Dominic King, Health Lead, Deep Mind Health. Er berichtete davon, wie in einigen NHS-Häusern Deep Thought bzw. Deep Learning bei der Gesundheitsversorgung eingesetzt wird; z.B. am NHS Moorfields Eye Hospital im Bereich Augenheilkunde.

Jörg Steinbach, Wirtschaftsminister von Brandenburg, nutzte seinen Vortrag für einen wichtigen Hinweis in all der Euphorie: „Wir vergessen den Patienten und seine Emotionen. Eine Entwicklung muss immer eine soziale Komponente haben. Man darf nicht nur auf die technische Seite schauen.“

Bei Dr. Sven Jungmann, Chief Medical Officer, Smart Helios GmbH, und Farina Schurzfeld, Gründerin von Selfapy, besteht kein Grund zur Sorge, dass der Fokus auf den Patienten verloren geht. Den beiden geht es zentral um einen verantwortungsbewussten Umgang mit digitalen Healthtools. Denn nur dann könne sich ihr Nutzen in Gänze zeigen. Dabei kommt wieder das Thema sicheres Datenmanagement ins Spiel. Wichtig laut Dr. Jungmann: „Wir müssen am Point of Entry auf die Qualität der Daten achten, wenn wir damit arbeiten wollen.“ Und: „Wir müssen dem Patienten einen sicheren Ort für seine Gesundheitsdaten bieten.“ Dr. Jungmann gab aber auch zu bedenken, dass sich sämtliche Player darüber bewusst sein müssen, dass es hier keine hundertprozentige Absicherung gibt. „Ein gewisses Risiko müssen wir akzeptieren.

Schurzfeld ist dennoch optimistisch und sprach mit folgendem Satz aus, was viele Digital-Health-Akteure beschäftigt: „Ich hoffe, dass wir genug Druck erzeugen können, dass wir weitermachen müssen.“ Je besser das funktioniert, umso eher kommt Deutschland vielleicht an den Punkt, wo derzeit das finnische Gesundheitssystem ist. Details dazu bekamen die Zuhörer des Roundtable-Gesprächs zu hören. Dabei saßen sich Vertreter fünf verschiedener europäischer Länder gegenüber und sprachen über den digitalen Stand und entsprechende Herausforderungen in ihrem Land:

  • für Großbritannien: Rachel Dunscombe, 
  • für Spanien: Vicent Moncho Mas, CIO, Hospital Marina Salud de Denia,
  • für die Niederlande: Jan-Eric Slot, CMIO, Bernhoven Hospital,
  • für Finnland: Pekka Sivonen, Executive Director, Digital Transformation of Finnish Industries,
  • für Deutschland: Roland Eils, Gründungsdirektor, Berliner Institut für Gesundheitsforschung.

Klarer Vorreiter in dieser Runde: Finnland. Einen guten Eindruck dazu vermittelt dieses Video:

IHAN® human driven data economy

Sivonen berichtete dazu: “Wir haben eine der größten Reformen des Gesundheitswesens durchlebt und haben neue Versorgungsstrukturen geschaffen. Jetzt sei es an der Zeit, die Daten in diesen Wandel zu integrieren und die Menschen davon zu überzeugen, dass sie ihre Daten für ihren Körper nutzen können.

Auch das Vereinigte Königreich hat seine „population health journey“ begonnen, wie Dunscombe erzählte. Sie gab aber zu bedenken, dass wir alle ein einheitliches System für die Datenintegration brauchen. Die Struktur dafür fehlte aber noch.

Mögen die EU-Länder auch alle auf einem unterschiedlichen Stand sein, was das Verständnis und die Integration von Digitalisierung und digitaler Datennutzung in der Gesellschaft anbelangt, so sind ihre zentralen Herausforderungen des digitalen Zeitalters ähnlicher Natur. „Wir müssen damit anfangen zusammenzuarbeiten“, konkretisierte es Sivonen und fasste damit zusammen, was allgemeiner Tenor der HIMMSimpact war.

Zum Reinklicken

Im Folgenden finden Sie eine Auswahl interessanter Projekte, die auf der HIMSSimpact 18 in Potsdam vorgestellt wurden:

Eindrücke von der Veranstaltung finden Sie in der HCM-Bildergalerie zur HIMSSimpact 18.
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