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Arzthaftung Aufklärung über Behandlungsalternativen

Das OLG Hamm hat einem Patienten nach einer Rückenoperation deshalb 75.000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen, da der Behandler es versäumt hatte in der Aufklärung eine konservative Behandlung als echte Alternative zu erwähnen.

Im Fall litt der circa 60-Jährige Patient seit mehr als 20 Jahren an Rückenschmerzen. Der Behandler versuchte es zunächst während des stationären Aufenthalts für einige Tage mit einer konservativen Behandlung. Schließlich riet er dem Patienten zu dem operativen Eingriff. Hierbei klärte er nicht darüber auf, dass ein Fortsetzen der konservativen Behandlung eine echte Alternative sei, da der Patient noch nicht an neurologischen Ausfallerscheinungen leide. Für die vorgenommene Operation bestand demnach nur eine relative Indikation.

Auch wenn es grundsätzlich im Verantwortungsbereich des Arztes liegt, welche Behandlungsmethode zu wählen ist, so gelte im vorliegenden Fall einer relativen Indikation mit echten Behandlungsalternativen Besonderheiten, so das OLG. Dem Patienten müsse durch eine vollständige Aufklärung eine echte Wahlmöglichkeit hinsichtlich der konservativen Behandlung, des Abwartens und Nichtstuns gelassen werden. Er müsse abschätzen können, auf welches Risiko er sich einlässt (OLG Hamm 15. Dezember 2017 – 26 U 3/14).

Praxistipp: Maßgeblich für die Aufklärung ist § 630e BGB. Es sind dem Patienten sämtliche für die Einwilligung wesentlichen Umstände mündlich zu erläutern. Ihm sind insbesondere Umfang, Durchführung, zu erwartende Folgen und Risiken, die Notwendigkeit, Dringlichkeit, Eignung und Erfolgsaussichten der Maßnahme zu erläutern. Er muss in der Laiensphäre die Tragweite des Eingriffs erkennen und das damit einhergehende Risiko abschätzen können.

Kontakt zum Autor:
Dr. Tobias Weimer, M.A, Fachanwalt für Medizinrecht, c/o WEIMER I BORK – Kanzlei für Medizin-, Arbeits- & Strafrecht, Frielinghausstr. 8, 44803 Bochum; www.kanzlei-weimer-bork.de; weimer@kanzlei-weimer-bork.de

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