Tarifverträge -

Onlinekolumne Attraktive Arbeitsbedingungen in der Pflege

Es gibt Menschen, die eine abgeschlossene Ausbildung in der Pflege haben und auf Arbeitssuche sind. Sie suchen einen Arbeitsplatz außerhalb der Pflege, weil ihnen die Arbeitsbedingungen in der Pflege nicht zusagen.

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Von Kollegen und Führungskräften hört man dann nicht selten: „Man kann es nicht Jedem recht machen.“ „Manche Menschen sind sehr wählerisch.“ und „Augen auf bei der Berufswahl.“

Regelungen von Arbeitsbedingungen

Arbeitsbedingungen werden u.a. in Tarifverträgen festgeschrieben, so auch im Tarifvertrag Pflege (TV Pflege), der gerade zwischen der „Bundesvereinigung der Arbeitgeber in der Pflegebranche“ (BVAP) und der Gewerkschaft ver.di verhandelt wird. In der Öffentlichkeit hört man z.Z. wenig über die Inhalte der Verhandlungen. Gesundheitsminister Jens Spahn, der die Verhandlungen auf Distanz wohlwollend begleitet, hat mit einem Pflegemindestlohn von 14 Euro/Stunde statt 11,05 Euro/Stunde bzw. 10,55 Euro/Stunde für Pflegehilfskräfte, schon einmal einen Benchmark gesetzt. Er hat damit den Anschein erweckt, als käme es insbesondere auf den Stundenlohn an.

Aus der Perspektive des Unternehmensberaters erscheint es jedoch sinnvoll zu sein, die Ursachen für die Kritik von Pflegefachkräften an der Pflege bis hin zum Abwandern aus der Pflege zu analysieren und an den Ursachen bzw. den Arbeitsbedingungen in der Pflege anzusetzen, um die Pflege attraktiver zu machen.

Schichtarbeit

Spricht man mit Pflegekräften über ihre Arbeitsbedingungen, dann erleben Sie es als belastend, dass sie im Schichtdienst arbeiten und auch regelmäßig Wochenenddienste haben. Zwei freie Wochenende im Monat werden geplant, sind aber praktisch selten möglich, weil das Leben so ist wie es ist. Mitarbeiter verweisen aber auch darauf wie positiv es ist, dass sie für die Spät- und Nachtschicht sowie die Wochenendarbeit und die Arbeit an Feiertagen Zulagen erhalten. Vergleicht man die Spät- und Nachtschichtzulagen in der Pflege mit denen in Branchen der verarbeitenden Industrie, die auch vollkontinuierliche Schichten haben, dann zeigt sich in der Metall- und Elektroindustrie folgendes Bild:

Zeiten Zeitzuschläge in der Metall- und Elektroindustrie
Spätschicht 15 Prozent
Nachtschicht 50 Prozent
Sonntagsarbeit 70 Prozent
Feiertagsarbeit 100 Prozent bzw. 150 Prozent an Weihnachten, Ostern etc.

Überstunden

Bei Bedarf werden Überstunden geleistet und i.d.R. zeitnah abgebaut, wenn es der Arbeitsanfall und die Personalbesetzung erlauben. Ist das nicht möglich – was in Zeiten des Pflegenotstandes nicht selten der Fall ist – können die Überstunden mit einem Überstundenzuschlag von i.d.R. mit 30 Prozent ausgezahlt werden. Ein Vergleich mit der Chemischen Industrie und der Metall- und Elektroindustrie zeigt, dass dort die beiden ersten Stunden Mehrarbeit an einem Tag mit 25 Prozent und ab der dritten Überstunde mit 50 Prozent Überstundenzuschlag vergütet werden.

Attraktiver Blumenstrauß

Die Vergleiche ließen sich fortsetzen. Es ist spannend zu sehen, welchen Blumenstrauß der BVAP und ver.di schnüren, um die Pflege ab 2020 – unabhängig vom Stundenlohn bzw. Monatsgehalt – attraktiver zu machen.

Kontakt zum Autor:
Dipl.-Ing. Dipl.-Kfm. Eckhard Eyer ist Gründer von Perspektive Eyer Consulting in Ockenfels, Kontakt: info@eyer.de, www.eyer.de

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