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Assistierter Suizid: Mediziner, Ethiker und Jurist legen Gesetzentwurf vor

Ein Palliativmediziner, zwei Medizinethiker und ein Jurist haben einen Gesetzesvorschlag zur Regelung des assistierten Suizids vorgelegt. Der Vorschlag will die Beihilfe zur Selbsttötung unter Strafe stellen. Für Angehörige und Ärzte soll das nicht gelten.

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Assistierter Suizid: Mediziner, Ethiker und Jurist legen Gesetzentwurf vor
Prof. Dr. Jochen Taupitz, stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Ethikrates. -

"Machen wir uns nichts vor: Beihilfe zur Selbsttötung wird praktiziert, aber meist im Geheimen, ohne Regeln und Kontrollen, unter Verletzung ethischer Standards", begründet PD Dr. Ralf J. Jox, Institut für Medizinethik der Ludwig-Maximilians-Universität München, den Vorstoß. Ein bloßes Verbot der geschäftsmäßigen Suizidhilfe werde daran nichts ändern, die Situation würde sich nur verschärfen, glaubt er. Jox: "Wer es wirklich ernst meint mit dem Schutz des Lebens, muss Regeln aufstellen für eine verantwortungsvolle Suizidbeihilfe. Das tun wir mit diesem Gesetzesvorschlag."

Dem Vorschlag zufolge darf ein Arzt Suizidbeihilfe nach Einhaltung strenger Sorgfaltspflichten und ausschließlich bei unheilbar Erkrankten mit begrenzter Lebenserwartung leisten. Er muss zuvor die Freiwilligkeit des Suizidwunsches geprüft und den Patienten umfassend und lebensorientiert über andere, insbesondere palliativmedizinische Möglichkeiten aufgeklärt haben. Außerdem muss ein zweiter unabhängiger Arzt hinzugezogen werden. "Wir wollen, dass Menschen, die für sich selbst keinen anderen Ausweg als die Selbsttötung sehen, in einem vertrauensvollen Gespräch mit ihrem Arzt Alternativen aufgezeigt bekommen, letztlich aber auch von ihrem Arzt in den Tod begleitet werden dürfen", sagt Prof. Jochen Taupitz, stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Ethikrats. Der Direktor des Instituts für Medizinrecht der Universitäten Heidelberg und Mannheim betont, die Vorlage solle zugleich "möglichem Missbrauch entgegenwirken".

Wo die Zahl der Sterbehilfefälle ansteigt

Für den Palliativmediziner Gian Domenico Borasio von der Uni Lausanne ist belegt, "dass es auch bei bester Palliativversorgung Menschen gibt, die mit Berechtigung sagen ,Das, was mir noch bevorsteht, möchte ich nicht erleben’". Außerdem zeigten internationale Daten einen deutlichen Anstieg der Sterbehilfefälle dort, wo die Tötung auf Verlangen erlaubt, aber nicht dort, wo nur der assistierte Suizid zugelassen sei.

Der Entwurf sieht auch vor, jede Form der Werbung für Suizidbeihilfe zu verbieten. Für das Betäubungsmittelgesetz ist eine Klarstellung vorgesehen. Eine Dokumentationspflicht soll erstmals verlässliche Daten über die Situation in Deutschland liefern. Ziel des Gesetzesvorschlags ist es den Autoren zufolge, Rechtssicherheit zu schaffen, Freiräume für ein selbstbestimmtes Sterben zu belassen, und zugleich Suizide zu verhindern und sozialem Druck vorzubeugen.

Den Entwurf finden Sie auf der Website der Uni Mannheim.

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