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Brandschutzklappen Asbest hat ausgedient

Kliniken, die noch Brandschutzklappen mit asbesthaltigem Material betreiben, dürften es künftig schwer haben, jemanden zu finden, der die vorgeschriebenen regelmäßigen Wartungs­arbeiten und Funktionsprüfungen durchführt. Die überarbeiteten „Spielregeln“ für das Wartungs­personal und die Prüfer sind kaum noch einzuhalten und machen das Ganze richtig teuer.

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Theoretisch reicht eine einzige Asbestfaser, um eine Erkrankung auszulösen. Für Klinikbetreiber, denen dies allein nicht Grund genug war, asbesthaltige Brandschutzklappen auszutauschen, ist mit der im Oktober 2019 erschienenen überarbeiteten TRGS 519 der Zeitpunkt gekommen, ihren vermutlich nicht nur in dieser Hinsicht in die Jahre gekommenen baulichen Brandschutz in die Neuzeit zu hieven. Die TRSG 5019 regelt Abbruch-, Sanierungs- und Instandhaltungsarbeiten mit Asbest, wie Arnold Decker, Mitglied im Vorstand der FKT-Regionalgruppe Rheinland-Pfalz/Saarland und seit einigen Jahren Prüfsachverständiger für RLT-Anlagen und Rauch- und Wärmeabzugsanlagen bei der SGS-TÜV Saar GmbH in Sulzbach, auf einer Veranstaltung der Regionalgruppe Rheinland-Pfalz/Saarland ausführte.

Vor 1988 waren Klappenbestandteile asbesthaltig

Instandhaltungsarbeiten an asbesthaltigen Brandschutzklappen, dazu zählen Wartungsarbeiten, Inspektionen und Funktionsprüfungen sowie der Austausch von asbesthaltigen Brandschutzklappen, sind durch die Neufassung der TRSG 519 und die Leitlinien zur Gefahrstoffverordnung LV 45 „Asbest“ anzeigepflichtig und erfordern eine besondere Sachkunde sowie Schutzmaßnahmen. Können im Rahmen dieser Instandhaltungsarbeiten durch die Auslässe der Lüftungsanlage Asbestfasern in die an die Lüftung angeschlossenen Räume gelangen, was eigentlich immer der Fall ist, müssen die Räume frei von Personen sein. Vor Wiedernutzung dieser Räume sind Freimessungen erforderlich und im Arbeitsplan vorzusehen. Der Aufwand für diese Prüfungen sei so hoch, dass Einrichtungen, die noch asbesthaltige Brandschutzklappen betreiben, großen Handlungsbedarf haben, so Decker. Aus Sicherheitsgründen haben viele Prüforganisationen die Überprüfung asbesthaltiger Brandschutzklappen komplett eingestellt. Überhaupt noch Prüfer zu finden, die diese Brandschutzklappen inspizieren, dürfte schwer werden und v.a. teuer. Das gelte für alle Brandschutzklappen, die im Prüfbescheid asbesthaltige Bauteile ausweisen (z.B. Klappenblatt aus Promabest, Litaflex-Dichtung) oder vor 1988 hergestellt wurden. Erst danach erzeugte Klappen seien zuverlässig asbestfrei. Da der Gesetzgeber mit seiner Asbest-Richtlinie von 1996 nur eine mittelfristige Sanierung dieser Gebäudeteile forderte (siehe Infokasten), wurden die alten asbesthaltigen Sicherheitseinrichtungen all die Jahre munter weiter betrieben – ein Viertel Jahrhundert lang. Die verschärften Spielregeln für ihre Wartung und Überprüfung dürften das ändern.

Decker: „Für den Austausch von asbesthaltigen Bauteilen an einer Brandschutzklappe (in der Regel geht dies nur für den Tausch der Anschlagdichtung) bedarf es eines Ergänzungsprüfbescheides des Klappenherstellers. Werden baulich veränderte Brandschutzklappen ohne Nachweis der brandschutztechnischen Brauchbarkeit (Prüfbescheid) verwendet, stellt das eine Ordnungswidrigkeit dar.“

Vor 1974 gab es kein Prüfzeichen

Brandschutzklappen, die vor 1974 hergestellt wurden – auch solche Antiquitäten gibt es noch in deutschen Kliniken –, verfügen über keinerlei Prüfzeichen. Die ihnen zugesprochenen Eigenschaften wurden entsprechend nie getestet. Decker erklärte ausdrücklich: „Für solche Bauteile gibt es keinen Bestandsschutz.“ Für Klappen, die danach verbaut wurden, müssen die Betreiber Prüfbescheinigungen vorlegen können. Wenn die Prüfbescheinigungen älterer Anlagen nicht so lange überlebt haben, wie die Anlagen selbst, können die Betreiber keinen Bestandsschutz für sich beanspruchen. Das Fehlen dieser Dokumente, insbesondere für Anlagen der sicherheitstechnischen Gebäudeausrüstung, stellt einen Mangel dar, der im Schadensfall dazu führen kann, dass Versicherungen nicht bezahlen.

Brandschutzklappen, die vor 1974 hergestellt wurden, haben eine eingeschränkte Feuerwiderstandsdauer (circa 10 Minuten) und eine 100 Mal höhere Leckluftrate, da innen oftmals keine Klappenblattanschläge sind. Sie lösen über Glasfässchen langsamer aus und sind bezogen auf heutige Zulassungsbescheide oftmals unzureichend eingebaut. Unabhängig von der Verwendung asbesthaltiger Bauteile müssen Brandschutzklappen ohne Prüfbescheid oder Zulassung daher ausgetauscht werden. Die Präsentation von Decker finden Sie auf der FKT-Homepage im Bereich Wissen/Tagungspräsentationen.

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