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Arzneimittelreport: Problematische Verordnungen für Senioren

Die Angabe des Barmer GEK Arzneimittelreports 2013 basieren auf Daten von 2,1 Millionen Versicherten über 65 Jahre.

Arzneimittelreport: Problematische Verordnungen für Senioren

Bei rund der Hälfte der Menschen über 65 werden laut Report gleichzeitig drei und mehr Krankheiten diagnostiziert und behandelt. "Die über 65-Jährigen haben im Schnitt vier Ärzte, die sie versorgen und die aus deren Sicht alle das Richtige tun", führt Prof. Gerd Glaeske, einer der Autoren, vor der Presse aus. Aber das Zusammenspiel sei problematisch, es gebe unerwünschte Arzneimittelwirkungen und Wechselwirkungen. 10,2 Prozent der Krankenhauseinweisungen älterer Menschen auf internistischen Stationen sei arzneimittelbedingt. Der Experte vom Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen fordert mehr Koordination und eine stärkere Berücksichtigung der Priscus-Liste, der Übersicht über potenziell inadäquate Medikation für ältere Menschen. Multimorbidität und Polypharmazie müssten auch in Leitlinien dringend aufgegriffen werden, das sei derzeit eher die Ausnahme. Anzustreben sei, bei älteren Menschen die Zahl gleichzeitig verordneter Wirkstoffe auf vier bis fünf zu vermindern.

Dass die Polypharmazie zu Unverträglichkeiten führen könne, liege auf der Hand, stellt Dr. Rolf-Ulrich Schlenker, Vorstands-Vize der Barmer GEK, fest. "Hätten wir die elektronische Gesundheitskarte, das elektronische Rezept und die elektronische Patientenakte, hätten behandelnde Ärzte und auch Apotheker einen viel besseren Überblick über die Arzneimitteltherapie", sagt Schlenker. "Die Ärzteschaft muss endlich ihre Blockadehaltung, von Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung auf dem Ärztetag erneut bestätigt, aufgeben."

Kritischer Einsatz von Benzodiazepinen

Als besorgniserregend sehen die Report-Autoren auch den Einsatz von Benzodiazepinen bei Menschen mit Demenz. Diese Schlaf- und Beruhigungsmittel wurden 2010 rund 23.500 Barmer GEK-Versicherten verschrieben. "Das Risiko, Benzodiazepine verordnet zu bekommen, ist bei Menschen mit Demenz um das 1,5-fache erhöht", so Glaeske. Mit dem Wirkstoff verbunden sei ein Verlust kognitiver Fähigkeiten wie Aufmerksamkeit, Erinnerung oder Lernen. Glaeske: "Ohne Zweifel sind viele ältere Menschen von Benzodiazepin-haltigen Arzneimitteln abhängig. Sie bekommen sie vermutlich oft nur, um quälende Entzugssymptome zu vermeiden." Denkbar sei jedoch – das lege auch eine aktuelle Studie nahe –, dass frühe Verordnungen von Benzodiazepinen die Entstehung von Demenz begünstige. Dieser Zusammenhang müsse näher untersucht werden.

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