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Quantenmedizin Aprilscherz der Wissenschaft

Am 1. Februar lief die Nominierungsfrist für die Nobelpreis-Kandidaten 2018 ab. Mit Sicherheit wird Anfang Oktober bei der Verkündung der Preisträger für Physik und Medizin wieder kein Pionier der Quantenmedizin, eine alternativmedizinische Methode, berücksichtigt werden.

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Leider wurde nach unzähligen erfolglosen Bemühungen der Esoteriker weltweit in den letzten 20 Jahren auch das von der Stiftung James Randi Educational Foundation (JREF) bereitgestellte Preisgeld von einer Million Dollar für den Nachweis paranormaler Phänomene unter kontrollierten Testbedingungen anderen Zwecken zugeteilt. Daher müssen die Quantenmedizin und ihre vielfältigen Erscheinungsformen in der Alternativmedizin weiterhin um ihre wissenschaftliche Anerkennung als die revolutionäre „sanfte Medizin des 21. Jahrhunderts“ kämpfen.

An ihrer quantentheoretischen Begründung und Berufung auf Albert Einstein, Max Planck und Anton Zeilinger kann es nicht gelegen haben. Die populärwissenschaftliche Verbreitung zeigt sich in 99.200 Google-Verweisen beim Stichwort Quantenmedizin. Amazon listet 56 gar deutschsprachige Bücher zum Thema auf. Zu Tausenden bieten Heilpraktiker und selbst gestandene Fachärzte in Deutschland Quantenheilung an. Die Anpreisungen in den Prospekten klingen wie die Vollendung der personalisierten Medizin: Der aktuelle energetische Gesamtzustand des Körpers wird durch die patienteneigenen Schwingungen auf der Quantenebene, in der Aura, in elektromagnetischen oder morphogenetischen Feldern erfasst und für eine maßgeschneiderte Behandlung genutzt. Diese vereine fundamentale heilkundliche Philosophie und Erkenntnisse der Physik mit den Möglichkeiten der modernen Medizintechnik und IT. Die Quantentherapie basiere auf den wissenschaftlichen Grundlagen der Bio- und Quantenphysik, der Bio-Kybernetik, der Bioinformatik sowie der Molekularbiologie und sei von führenden Wissenschaftlern anerkannt.

Das quantenmedizinische Gerät SCIO will mit einem ganzheitlichen computerunterstützten Ganzkörperscreening in nur drei Minuten über 9.000 Frequenzinformationen alle gesundheitlichen Störfaktoren erfassen. Aus dem Katalog von 800 Heilungsprogrammen schlägt es dann eine exakt auf den Patienten abgestimmte Therapie mit harmonisierenden Frequenzen vor, um die feinstoffliche Energie- und Informationsebene wiederherzustellen.

Ein Pionier auf diesem Gebiet der Radionik ist seit 30 Jahren das Bioresonanztherapiegerät Bicom, das man bei ebay gebraucht für bis zu 12.000 Euro kaufen kann. Die Wirkung basiert angeblich auf den Frequenzmustern der Biophotonen, die zwecks Kommunikation von jeder Zelle abgestrahlt werden. Viren, Bakterien, Pollen und Toxine behindern diesen Informationsaustausch – der Körper wird krank. Das gestörte Energiemuster wird über eine Handelektrode vom Körper des Patienten oder von dem Störkörper abgenommen und per Kabel dem Bicom-Gerät zugeleitet. Dort analysiert eine Software die Qualität der Frequenzen, wandelt die schlechten Schwingungen in die physiologisch richtigen Signale um und sendet sie zur Therapie über eine Ausgangselektrode wieder an den Patienten zurück. Die Liste der Indikationen füllt mehrere Seiten.

Auf 20 bis 25 Milliarden Euro wurde schon im Jahr 2014 der Esoterikmarkt mit Chakrenaktivierung, Klangschalentherapien sowie Seminaren zur Quantenheilung allein in Deutschland geschätzt. Auch die Homöopathen haben mittlerweile die Quantenmedizin als Erklärung für ihre obskure Theorie der Verdünnungswirkung entdeckt. Sie verzeichneten 2016 einen Umsatz von 622 Millionen Euro.

Allerdings ist bis heute kein physikalischer, biologischer oder medizinischer Mechanismus bekannt, der die Behauptungen der Esoteriker auch nur im Ansatz erklären könnte. Die Quantenmedizin benutzt pseudowissenschaftliche Methoden und Techniken der esoterischen Parallelwelt, um mit dem autoritätsstiftenden Vokabular der modernen Physik potenzielle Kunden zu beeindrucken. Voodoo-Medizin – ein Aprilscherz der Wissenschaft.

Kontakt zum Autor: m.kindler@kkc.info

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