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"Antibiotika-Resistenzentwicklung nachhaltig abwenden" Antibiotikaverbrauch sinkt dank Infokampagne

Antibiotika sind eine wichtige Waffe gegen bakterielle Infektionen. Doch zu oft werden sie verschrieben, ohne das es zwingend nötig wäre - oder gar bei Virusinfektionen, gegen die sie gar nicht helfen. Das gefährdet ihre Wirksamkeit. Abhilfe ist möglich, zeigt ein Testlauf.

Der Einsatz von Antibiotika kann mit Hilfe von Informationskampagnen gesenkt werden - zu diesem Schluss kommen die Initiatoren eines Projekts in Bayern und Nordrhein-Westfalen. Die im Jahr 2017 gestartete Initiative «Antibiotika-Resistenzentwicklung nachhaltig abwenden» (ARena) habe dazu geführt, dass merklich weniger dieser Medikamente eingesetzt werden, berichteten die Träger des Projekts am Dienstag (19.11.2019) in München.

Antibiotika werden nach Einschätzung von Experten noch immer zu oft oder auch falsch eingenommen. Das ist ein Grund für die Zunahme resistenter Erreger, gegen die bestimmte oder auch mehrere Antibiotika nicht mehr wirken. Nach Daten der Weltgesundheitsorganisation sterben in den Ländern der Europäischen Union jährlich rund 25.000 Menschen an schweren Infektionen mit resistenten Bakterien, die sie in einer Gesundheitseinrichtung wie Krankenhäusern bekommen haben.

Bei «ARena» wollen rund 290 Mediziner in 14 Arztnetzen aus Bayern und Nordrhein-Westfalen genauer hinschauen, ob es wirklich nötig ist, den Patienten Antibiotika zu geben. Nach Daten der AOK Bayern ist der Anteil der Patienten, die bei einfachen Infekten Antibiotika erhalten, bei den teilnehmenden Praxen innerhalb von zwei Jahren um rund 8 Prozentpunkte auf etwa 50 Prozent geschrumpft. Bei allen Patienten insgesamt sei der Anteil um knapp 5 Prozentpunkte gesunken.

Mit jeder Antibiotikaverordnung steige das Risiko, dass Erreger resistent gegen den jeweiligen Medikamententyp würden, warnte Joachim Szecsenyi vom Göttinger Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen. Deswegen sei es wichtig, bei Ärzten, Praxispersonal und Patienten noch mehr Bewusstsein dafür zu schaffen, dass der Einsatz eines Antibiotikums oft nicht nötig oder auch gar nicht sinnvoll ist.

Der Allgemeinarzt Veit Wambach von der Agentur Deutscher Arztnetze appellierte an seine Kollegen, ihren Patienten noch intensiver zu erklären, dass viele Erkältungskrankheiten ganz ohne Medikamente wieder abklingen. Ärzte sollten «die klassischen vier Dinge» empfehlen: «viel trinken, inhalieren, viel Obst essen und ausruhen».

Weitere Informationen zu ARena finden Sie online.

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