Wirtschaftliche Lage Anpassung des finanziellen Rahmens gefordert

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Coronabedingte Liquiditätsengpässe und stark gestiegene Preise machen den Kliniken hierzulande zu schaffen. Sie fordern sofortige Unterstützung durch die Bundesregierung.

Die DKG fordert für Krankenhäuser realistische, finanzielle Rahmenbedingungen.
Die DKG fordert für Krankenhäuser realistische, finanzielle Rahmenbedingungen. – © shahrilkhmd (stock.adobe.com)

Die finanziellen Rahmenbedingungen der Krankenhäuser müssten schnell der Realität angepasst werden. „Ohne ein sofortiges Handeln der Bundesregierung laufen wir Gefahr, dass die Krankenhäuser diesem Kostendruck nur durch Personalabbau, Outsourcing sowie Reduktion von Versorgungsangeboten bis hin zu Standortschließungen begegnen können“, erklärte Dr. Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der DKG.

Kosten und Erlöse zusammenbringen

Rund 60 Prozent der Krankenhäuser in Deutschland rechnen für das vergangene Jahr mit wirtschaftlichen Verlusten und nur jedes zehnte Krankenhaus schätzt seine wirtschaftliche Situation als gut ein. „Die Lage ist dramatisch. Das liegt v.a. daran, dass nach wie vor Kosten und Erlöse nicht zusammenkommen“, sagt Gaß. Maßgebliche Gründe für die wirtschaftlichen und finanziellen Probleme der Kliniken seien die Einschränkungen des Regelbetriebes infolge der Corona-Pandemie und ständig steigender Personalanforderungen trotz des allgemeinen Fachkräftemangels.

Nachdem die Corona-Ausgleichszahlungen gestrichen wurden, fehle den Krankenhäusern die dringend benötigte Liquidität, um die aktuelle Krise überstehen zu können, heißt es in einer Mitteilung der Krankenhausgesellschaft Nordrhein-Westfalen (KGNW). Der Rettungsschirm sieht neben den Ausgleichszahlungen einen Ganzjahreserlösausgleich vor, bei dem die Krankenhäuser einen Eigenanteil von zwei Prozent selbst einsparen müssen. KGNW-Geschäftsführer Matthias Blum betont, diese 2021 beschlossene Systematik sei angesichts der schwerwiegenden Einbußen der Krankenhäuser längst nicht mehr tragbar und müsse abgeschafft werden.

Aktuelle Preissteigerungen nicht kompensierbar

Hinzukämen aktuell massive Preissteigerungen bei Energie, Medizinprodukten, Medikamenten, IT Produkten und Dienstleistungen sowie Lebensmitteln. „Diese werden im bestehenden Krankenhaus-Finanzierungssystem nicht berücksichtigt. Für die Kliniken gilt die Deckelung der Steigerungsrate, die sich durch das Zusammenspiel von Grundlohnrate und Orientierungswert ergibt. Für das Jahr 2022 ergibt sich daraus ein maximaler Preisanstieg um 2,32 Prozent“, machte Gaß deutlich.

Die Berliner Krankenhausgesellschaft fordert „schnelle Hilfe in Form eines Inflationszuschlags“ von der Bundesregierung. Aktuell würden von sämtlichen Zulieferern Zuschläge zwischen fünf und 20 Prozent erhoben. „Unternehmen können Kostensteigerungen an den Endverbraucher weitergeben − Krankenhäuser können dies nicht“, heißt es in einer Mitteilung.

„Krankenhäuser können nicht darauf warten, dass die Regierungskommission Vorschläge entwickelt, die zunächst noch zwischen Bund und Länder abgestimmt werden müssen, bevor sie dann vielleicht umgesetzt werden. Wenn überhaupt, wirkten diese Reformen nur mittelfristig und lösen die aktuellen Probleme der Krankenhäuser nicht. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie zusammen mit den wirtschaftlichen Verwerfungen führen zu einem massiven kalten Strukturwandel in der deutschen Krankenhauslandschaft. Die DKG fordert die Bundesregierung auf, die Krankenhausstrukturen schnell und nachhaltig zu sichern“, sagt Gaß.