Zweitmeinungsverfahren „Analog und nicht digital“

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Patientensicherheit

Die Rahmenbedingungen für die Umsetzung des Rechts auf eine Zweitmeinung sind unzureichend. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie hin. Die Zweitmeinung sollte von renommierten Experten erbracht und basierend auf einer körperlichen Untersuchung gegeben werden.

Der Generalssekretär der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, Prof. Hans-Joachim Meyer, fordert, dass renomierte Experten für die ärztliche Zweitmeinung eingesetzt werden. – © WoGi (Fotolia.com)

Gesetzlich versicherte Patienten haben nach Inkrafttreten des Versorgungsstärkungsgesetzes seit dem 23. Juli 2015 einen Rechtsanspruch auf eine ärztliche Zweitmeinung. Dabei gehe es, so die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH), neben vordergründigen Qualitätsargumenten auch um eine Markt- und Mengensteuerung und um das Einsparen von Geld der Krankenkassen. Man erhoffe sich durch die Zweitmeinungsverfahren einen Rückgang an Operationszahlen. Dies müsse gegenüber den Patienten klar benannt werden. Ärzten würde indirekt unterstellt, regelmäßig persönliche oder institutionelle ökonomische Interessen vor Patienteninteressen zu stellen. Argumente dafür lieferten regionale und fächerübergreifende Unterschiede in der Häufigkeit durchgeführter Operationen.

Neutrale Gutachter für Zweitmeinung?

„Vor diesen Hintergründen unterstützen die DGCH und die ihr angeschlossenen Fachgesellschaften ausdrücklich eine Einführung von strukturierten, objektiven und objektivierbaren Zweitmeinungsverfahren vor definierten Wahloperationen“, betont die Präsidentin der DGCH, Prof. Gabriele Schackert. Der Generalssekretär der DGCH, Prof. Hans-Joachim Meyer, fordert, dass diese Zweitmeinungen durch ausgewiesene, renommierte Experten zu erbringen seien, die von den zuständigen wissenschaftlichen Fachgesellschaften als neutrale Gutachter benannt werden. Besonderen Wert legt die DGCH darauf, dass die Verfahren nicht nur eine Beurteilung von Röntgenbildern und Befunden umfassen, sondern die Patienten auch zu ihren Beschwerden und ihrer Erwartungshaltung befragt werden sowie körperlich untersucht werden. „Zweitmeinungsverfahren sind im Kern analog und nicht digital zu halten“, sagt Meyer. „Das persönliche Arzt-Patienten-Verhältnis steht auch an dieser Schnittstelle für die DGCH nicht zur Diskussion.“

Website mit Angiologie-Experten für die Zweitmeinung

Die Deutsche Gesellschaft für Angiologie bietet auf ihrer Webseite eine neue Datenbank für Gefäßpatienten an, die ihr Recht auf eine Zweitmeinung nutzen möchten. Dort finden sich bundesweit Angiologen und Gefäßmediziner, die für eine zweite unabhängige Meinung zur Verfügung stehen und Auskünfte zur medizinischen Beratung und zum Risikomanagement geben können.