Forschung -

Hans und Ilse Breuer-Stiftung Alzheimer-Forschung – Hoffnung trotz Misserfolgen

In letzter Zeit waren auch Meldungen zu vernehmen, dass erneut klinische Tests mit vielversprechenden Alzheimer-Medikamenten sich nicht mehr als erfolgversprechend erwiesen. Da man gerade auch in Medikamente große Hoffnungen setzte, die die für Alzheimer charakteristischen Einweißveränderungen reduzieren sollten, war die Enttäuschung über Rückschläge groß. Doch gerade solche Misserfolge gehören auch zur Forschung und stellen eine Herausforderung dar.

Themenseite: Alzheimer und Demenz

Prof. Dr. Dr. h.c. Christian Haass, Inhaber des Lehrstuhls für Stoffwechselbiochemie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, Sprecher des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen in München und Kuratoriumsmitglied der Hans und Ilse Breuer-Stiftung erläutert die Herausforderungen der Alzheimer-Forschung.

Verstehen der Mechanismen einer Krankheit

Um eine Krankheit wirkungsvoll behandeln zu können, müssen zunächst die zugrunde liegenden Mechanismen detailliert verstanden werden. Erst dann lassen sich Zielmoleküle identifizieren, die als therapeutischer Ansatzpunkt verwendet werden können. Oft sind das mikroskopisch sichtbare Veränderungen wie die Amyloidplaques bei Alzheimer. Daneben gibt es weitere Ablagerungen innerhalb der Nervenzellen, die neurofibrillären Bündel, kurz Tangles. Zuerst treten Amyloidplaques auf, die auf bisher noch unbekanntem Weg die Bildung der Tangles induzieren, die vermutlich wiederum den Tod der Zellen einleiten.

Einsatz von Scherenblockern

Plaques bestehen aus einem kleinen Eiweiß, dem Amyloid, das zu Tausenden miteinander verklebt und so die unlöslichen Plaques bildet. Ein Forschungsansatz war es deshalb, die Bildung der Plaques zu unterbinden und damit den Ausbruch oder zumindest das Fortschreiten der Demenz zu verhindern. Forscher wussten seit Langem, dass das Amyloid mithilfe zweier scherenartiger Enzyme aus einem großen Eiweiß herausgeschnitten wird. Die Aktivität solcher Scheren ist relativ leicht mit Medikamenten zu blockieren. Diese „Scherenblocker“ wurden bei Alzheimer-Patienten in klinischen Versuchen getestet, die jedoch abgebrochen werden mussten, da das Verfahren zu unerwünschten Nebenwirkungen führte.

Antikörper-Therapie: Vielleicht doch noch Hoffnung?

Ein weiterer Erfolg versprechender Therapieansatz ist die Impfung mit Antikörpern, die an die Plaques binden. Dadurch sollten die Immunzellen des Gehirns stimuliert werden, die wiederum die Plaques zerstören. Bei einer entsprechenden Studie fand man eine drastische Reduktion der Amyloidplaques im Gehirn der Patienten – und zwar umso mehr, je mehr Antikörper verabreicht wurden. In einer zweiten, viel größer angelegten Studie mit mehr als 1600 Patienten hatte der Antikörper trotz effizienter Reduktion von Plaques keinerlei Einfluss auf das Gedächtnis – zumindest nach einer Vorabanalyse der Daten. Nun wurden aber wenige Monate später die Daten erneut analysiert und zwischenzeitlich erhaltene neue Patientendaten mit der höchsten Antikörperdosis standen nun zur Verfügung. Hier zeigte sich nun erstmalig ein dosisabhängiger Effekt des Antikörpers auf eine Stabilisierung des Gedächtnisses. Dieser Effekt ist signifikant, aber recht schwach und in einer parallel angelegten Studie wurde das bisher nicht reproduziert, auch wenn die Daten einen positiven Trend erkennen lassen. Hier ist also ein Silberstreif am Horizont, der Anlass zur Hoffnung sein könnte, aber noch ist es viel zu früh für Triumphgesänge. Sollten sich diese Ergebnisse jedoch bewahrheiten, wäre aber doch zumindest klar, auch bei noch so schwacher Wirkung auf das Gedächtnis, dass Amyloid ein zentrales Zielmolekül für Therapien sein sollte. Dies ist extrem wichtig, da negative Studien schnell die Vermutung nahelegen, dass man sich auf das falsche Zielmolekül konzentriert hat.

(…)

Den vollständigen Artikel, der in leicht geänderter Form in der FAZ (25.September 2019) erschienen ist, finden Sie auf der Internetseite der Breuerstiftung. 

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