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Pflegekammer Niedersachsen Altenpflegerin übernimmt Leitung

In der Pflegekammer schwelt ein Dauerkonflikt. Zumindest im Führungsstreit wurde die Frage nach der Leitung jetzt beantwortet.

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Nach dem Rücktritt ihrer Präsidentin Sandra Mehmecke hat die in der Kritik stehende niedersächsische Pflegekammer eine Nachfolgerin gewählt. Die Altenpflegerin Nadya Klarmann bekam auf einer außerordentlichen Versammlung am Wochenende in Hannover 15 von 24 gültigen Stimmen. «Die Kammer muss menschlicher werden und sich näher an den Mitgliedern bewegen», erklärte die neue Präsidentin laut einer Mitteilung. Klarmann wolle Transparenz herstellen.

Ihre Vorgängerin Mehmecke hatte ihr Amt nach Rücktrittsforderungen aus der Politik zur Disposition gestellt. Zuvor hatte ihr eine knappe Mehrheit in der Kammerversammlung im Februar das Misstrauen ausgesprochen, am Samstag gab sie das Mandat ab. «Meine Ziele waren und werden es auch in Zukunft sein, Pflegeberufekammern - als Heilberufskammern der Pflegeberufe mit Pflichtmitgliedschaft und Pflichtbeitrag - zu etablieren», teilte Mehmecke am Wochenende mit. Nur hierdurch sei die unabhängige Selbstverwaltung des Berufes rechtlich möglich.

Die SPD-Sozialpolitikerin Thela Wernstedt begrüßte den Führungswechsel in der Pflegekammer und richtete zugleich mahnende Worte an die neue Präsidentin. «Die Pflegekammer hat noch viel Arbeit vor sich, das Vertrauen ihrer Mitglieder zu gewinnen und durch gute Arbeit zu überzeugen», sagte Wernstedt.

Die 2017 per Gesetz beschlossene Pflegekammer soll den Pflegern als berufsständige Selbstverwaltung eine Stimme geben. Immer wieder gab es jedoch Streit wegen der Pflichtmitgliedschaft und den Beiträgen, die oft falsch veranschlagt und von vielen nicht gezahlt worden waren. Der Landtag entschied deswegen im Dezember, die Beiträge abzuschaffen. Die Kammer hat noch nicht entschieden, das Angebot einer Finanzspritze des Landes über das Jahr 2020 hinaus anzunehmen.

Die Landesregierung aus SPD und CDU aber macht dies zur Bedingung für eine Unterstützung der Kammer. Diese steht damit auf der Kippe.

Bei der Versammlung wurde außerdem über die Nachfolge der Vorstände Jochen Berentzen und Andreas Dörkßen entschieden, die ihr Mandat ebenfalls aufgaben. Gewählt wurden Felix Berkemeyer und Kerstin Stammel.

Anlässlich der derzeit laufenden Evaluation der Pflegekammer sollen nach Angaben des Sozialministeriums in diesem Monat rund 78.000 Pflegekräfte in Niedersachsen u.a. gefragt werden, ob sie eine beitragsfreie Pflegekammer grundsätzlich wollen.

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