Interview mit Peter Bechtel Hauptstadtkongress 2022: Pflegemanagement im Austausch

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Der Vorstandsvorsitzende im Bundesverband Pflegemanagement erhofft sich vom diesjährigen Hauptstadtkongress (HSK) eine eindeutige politische Botschaft an die Politik. Wie diese aussehen könnte und warum ein Besuch auf dem HSK fürs Pflegemanagement lohnenswert ist, erklärt er im Interview.

Peter Bechtel
Peter Bechtel ist Vorstandsvorsitzender im Bundesverband Pflegemanagement und Mitglied in der Programmkommission des Deutschen Pflegekongresses auf dem Hauptstadtkongress. – © privat

Unter dem Motto „Ein resilientes Gesundheitssystem – Mythos oder Möglichkeit?“ findet vom 22. bis zum 24. Juni der Hauptstadtkongress im Hub27 in Berlin statt. Dieses Jahr ist das Branchengroßevent wieder als reguläre Präsenzveranstaltung geplant. Neben dem Hauptstadtforum Gesundheitspolitik, dem Managementkongress Krankenhaus Klinik Rehabilitation und dem Deutschen Ärzteforum, wird der Deutsche Pflegekongress nach zwei Jahren Krisenmodus der Pflegeprofession als wichtige Kommunikationsplattform in den Fokus treten. Unter der wissenschaftlichen Leitung von Vera Lux hat die Programmkommission ein beachtliches Themenumfeld geschaffen, das sich auch jenseits der klassischen und bereits ausdiskutierten Felder bedient und sich mit zahlreichen Referentinnen und Referenten der aktiven Lösungssuche verschrieben hat (s. Interview HCM-Ausgabe 3/22).

Berufspolitischer Austausch mit allen wichtigen Playern vor Ort

Peter Bechtel, Vorstandsvorsitzender im Bundesverband Pflegemanagement und Mitglied in der Programmkommission um Lux, sieht im Kongressbesuch eine gute Möglichkeit für Personen aus dem Pflegemanagement, in den berufspolitischen Austausch zu gehen.

Herr Bechtel, warum empfehlen Sie allen Vertreterinnen und Vertretern auf Managementebene in der Pflege einen Besuch auf dem Hauptstadtkongress 2022 und dem Deutschen Pflegekongress?

Bechtel: Der Besuch lohnt sich nicht nur fürs Pflegemanagement. Wie jedes Jahr ist der HSK auch in diesem Jahr wieder der Ort, an dem sich Entscheidungstragende aller Bereiche des Gesundheitswesens treffen und auf Augenhöhe austauschen. Wo Pflege, Medizin und Wirtschaft in einem interdisziplinären Setting zusammentreffen, gelingt der Blick über den Tellerrand hinaus, was dann Möglichkeiten für Diskussion und Veränderung schafft.

Warum ist der Hauptstadtkongress für Sie persönlich ein berufliches Highlight im Jahr?

Bechtel: Der Hauptstadtkongress und seine Kongresse sind hochkarätig besetzt, es trifft sich das Who’s who der Gesundheitsbranche und diskutiert gemeinsam die großen Themen aus der Gesundheitspolitik. Jenseits vom Kongressprogramm wird in diesem Jahr endlich wieder Raum sein für den so wichtigen gelebten persönlichen Austausch mit den Playern aus allen Versorgungsbereichen. Das ist eine absolute Stärke des HSK und darauf freue ich mich.

Mit welchen Erwartungen kommen Sie auf den Hauptstadtkongress 2022?

Bechtel: Ich möchte eine eindeutige Botschaft mitnehmen, die die Pflege und auch die anderen Professionen im Gesundheitswesen der Politik mit auf den Weg für ihre Entscheidungsfindung geben.

Die Gesundheitsversorgung muss mit allen Playern neu gedacht werden.

Peter Bechtel

Welche Themen könnten diese Botschaft denn besetzen?

Bechtel: Ein ganz zentrales Thema ist die Personalbedarfsplanung und -messung in der Pflege. Sie begleitet uns schon seit der Ära Spahn. Hier braucht es endlich zukunftsweisende Konzepte. Ein zweites und hochemotional besetztes Thema sind künftige Regelungen für Corona-Boni. Die bisherigen Bonusrunden haben zu unterschiedlichen Verwerfungen innerhalb der Pflegebranche geführt. Es braucht eine sinnvolle Regelung dieser Wertschätzungsgeste und weniger kleinteilige Einzelentscheidungen, die Neid und Unmut fördern. Wenn man den Blick noch etwas weitet und alle Versorgungsbereiche in den Fokus nimmt, wird deutlich, dass wir dringend einen übergreifenden Ansatz brauchen, um die drängenden Zukunftsthemen aufzunehmen und mit der Praxis weiterzuentwickeln. Die Gesundheitsversorgung muss mit allen Playern neu gedacht werden. Bisher ist uns der große Wurf nicht gelungen, weil die Sozialgesetzbücher in Konkurrenz zueinanderstehen. Jeder schraubt an seiner Lage herum. Das muss aufhören.

Wie schätzen Sie die Ampel ein, ist sie gut aufgestellt, diese und auch die weiteren Herausforderungen wie Fachkräftemangel, Arbeitsbedingungen sowie demografische und gesellschaftliche Entwicklungen endlich in die richtige Richtung zu steuern bzw. mit den passenden Maßnahmen zu begegnen?

Bechtel: Die Ampel und auch unser neuer Bundesgesundheitsminister Lauterbach sind uns noch einiges schuldig. Klar, die Corona-Pandemie und auch der Ukraine-Krieg lassen viele Dinge in den Hintergrund treten. Aber es ist unabdingbar, dass parallel die Punkte rund um die Weiterentwicklung der Pflege, die der Koalitionsvertrag nennt, angepackt werden und v.a. in die Umsetzung kommen. Das erste halbe Jahr unter der neuen Regierung ist um, dann kommt die Sommerpause und anschließend erwarten uns noch zwei Jahre aktiver Arbeit. Uns läuft die Zeit davon.

Weitere Informationen zum Hauptstadtkongress 2022, dem Deutschen Pflegekongress sowie den Programmdetails sind mit einem Klick hierauf verfügbar.