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Augsburger Perspektiven Agil, digital und vernetzt – das Krankenhausmanagement der Zukunft

Nach zwei Jahren Pause starteten die Augsburger Perspektiven in eine neue Runde: Am 6. und 7. Dezember 2017 trafen sich Experten der deutschen Gesundheitswirtschaft in der Fuggerstadt, um sich über Zukunftsthemen des Klinikmanagements auszutauschen. Dabei ging es um die fortschreitende Digitalisierung im Gesundheitswesen, aber auch um Lösungen für den Fachkräftemangel, die zunehmende Formalisierung in Krankenhäusern sowie sektorenübergreifende Versorgung.

Rund 350 Teilnehmer waren zu den Augsburger Perspektiven gekommen, die meisten davon aus der Region Schwaben bzw. Bayern. Viele reisten aber auch aus ganz Deutschland an, um die Vorträge der fast 70 Referenten mitzuverfolgen. Bei der Auswahl der Experten achteten die Veranstalter darauf, dass diese eine große Praxisnähe mitbringen: „Die Augsburger Perspektiven sind eine Reihe, die wir erfolgreich begonnen und jetzt weiterführen wollen. Bei dieser, wie auch bei den Veranstaltungen zuvor, war es uns stets wichtig, dass die Qualität der Vorträge hoch ist“, sagte Susanne Arnold, Vorständin Pflege des Klinikums Augsburg und Mitglied des Programmbeirates der Augsburger Perspektiven.

Das agile Krankenhaus

Vor dem eigentlichen Start des Kongresses, den Landrat Martin Sailer eröffnete, wurde in einer Vorveranstaltung das Forschungsprojekts „PräFö – Prävention von Belastungen bei formalisierter Arbeit in Dienstleistungen und technischer Entwicklung“ vorgestellt. In ihrem Begrüßungswort erläuterte Arnold das Paradox, das den Ausgangspunkt dieses Projekts ausmacht: „Heutzutage geraten die Beschäftigen des Gesundheitswesens in eine Zwickmühle: Einerseits sollen sie kreativ bei der täglichen Arbeit sein, andererseits gibt es eine Gegenbewegung in Form von Abläufen und Formalisierung.“

Eine mögliche Lösung für dieses Dilemma könne laut den Projektbeteiligten, zu denen die Universität Augsburg, das ISF München, das Klinikum Augsburg sowie das Unternehmen Maurer & Treutner angehören, die Übertragung agiler Methoden aus der technischen Entwicklungsarbeit auf das Krankenhaus sein. Der Grundgedanke dahinter: Nicht Prozesse, sondern Menschen und ihre Interaktionen bei der Arbeit in den Mittelpunkt stellen. Um geeignete Gestaltungsmaßnahmen unter den Bedingungen der Formalisierung abzuleiten, wurden u.a. Fallstudien im Klinikum Augsburg durchgeführt. Was Krankenhäuser u.a. berücksichtigen müssen, um agiles, selbstbestimmteres Arbeiten zu ermöglichen, erläuterte Dr. Stephanie Porschen-Hueck, Wissenschaftlerin des Instituts für Sozialwissenschaftliche Forschung in München: „Es ist wichtig, das Pflegepersonal für Interaktion zu sensibilisieren. Diese muss zudem anerkannt und wertgeschätzt werden.“

Kooperationen werden immer wichtiger

Mit einem Vortrag zum Thema „Zukunft und Versorgungsalltag“ folgte der nächste Programmpunkt. Hier stellte Prof. Dr. Boris Augurzky, Wissenschaftlicher Geschäftsführer der Stiftung Münch, München, die Herausforderungen der Gesundheitspolitik in der aktuellen Legislaturperiode vor. Dazu zählte er u.a. den Fachkräftemangel, den digitalen Wandel, aber auch die Ambulantisierung. Vor allem hinsichtlich des letzten Punkts war sich Prof. Augurzky sicher: „Die sektorenübergreifende Versorgung wird kommen, spätestens in den 2020er Jahren.“ Wie die Perspektiven von Vernetzungen aussehen könnten, wurde in einer anschließenden Diskussionsrunde erörtert. Auch Martin Steidler, Leiter des Bereichs Versorgungsmanagement der AOK Bayern, wagte einen Blick in die Zukunft: „Krankenhäuser werden sich in Zukunft mehr an ambulanter Versorgung beteiligen müssen“, betonte er.

Dass eine Kooperation von stationärer und ambulanter Versorgung durchaus gelingen kann, demonstrierten schließlich Dr. Giesbert Leissner, ärztlicher Leiter der Radiologie und Leiter der Fachabteilung für interventionelle und operative Gefäßmedizin des Krankenhauses Aichach, und Dr. Raimund Jindrich, Inhaber der Praxis für Innere Medizin und Diabetologie in Friedberg, die im Bereich der Gefäßmedizin erfolgreich zusammenarbeiten.

Mehr Landärzte dank universitärem Bildungstransfer

Spannend waren auch die Schilderungen von Dr. Beate Lubbe, die im Rahmen der Vortragsreihe „Innovative Universitätsmedizin für bessere Versorgung“ über ihre Erfahrungen im universitären Bildungstransfer berichtete. Die Dozentin für Allgemein- und Palliativmedizin an der Ruhr-Universität Bochum ist für die Koordinierung der allgemeinmedizinischen Ausbildung in Ostwestfalen-Lippe (OWL) zuständig: Bereits im Wintersemester 2016/17 wurde das Uniklinikum der Ruhr‐Uni in Richtung OWL erweitert, um dem Fachkräftemangel auf dem Land entgegen zu wirken. So waren einige Studenten dazu gezwungen, den klinischen Teil ihrer Ausbildung in OWL zu absolvieren. Zu Beginn waren viele nicht begeistert darüber, heute ist das anders: „Viele Studierende machen heute mehr Kurse als sie können“, erläuterte Dr. Lubbe. Zudem habe es im Oktober 2017 mehr Bewerbungen auf den Studiengang als Plätze gegebenen. Lubbes Fazit: „Hochwertige Universitätsmedizin lässt sich ins Grüne verpflanzen und kann dabei auch noch Spaß machen.“

Bayern soll Leuchtturm der Digitalisierung werden

Das Thema „Digitalisierung“ durfte an beiden Kongresstagen natürlich nicht fehlen. Im Rahmen der Podiumsdiskussion zum Thema „Sektorenübergreifende digitale Vernetzung funktioniert!“ bemängelte Xaver Frauenknecht, Vorstand der Gesundheitsregion Bamberg, dass es noch keine richtige Digitalisierung im Gesundheitswesen gäbe, dafür aber Bürger, die sich schnell digitalisieren. Dies ändern könnten u.a. die Maßnahmen der Digitalisierungsoffensive Bayern Digital II des Zentrum.Digitalisierung Bayern (ZD.B), die Prof. Dr. Christoph Reiners, Sprecher des ZD.B, vorstellte. So sei laut Prof. Reiners das ambitionierte Ziel der nächsten Jahre, Bayern zum Leuchtturm der Digitalisierung im Gesundheitssystem zu machen. „Damit dies gelingt, ist es aber auch wichtig, starke Partner aus anderen Bundesländern zu haben“, sagte dieser abschließend.

Impressionen zu den Augsburger Perspektiven gibt es in der HCM-Bildergalerie.

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