Digitalisierungsreport 2021 Ärzteschaft: Digital-Skepsis überwinden

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Ärztinnen und Ärzte fühlen sich nicht ausreichend auf die Nutzung digitaler Gesundheitslösungen vorbereitet. Aber: Wer digitale Anwendungen nutzt, ist sich über deren Vorteile bewusst. Für die Ampel-Regierung leitet sich daraus Handlungsbedarf ab.

Digitalisierungsreport 2021
Die Ärzteschaft in Deutschland ist gegenüber digitalen Technologien skeptisch, v.a. weil sie wenig in der Gestaltung eingebunden wird. – © Iryna (stock.adobe.com)

Wie steht es um die Einstellungen und Erfahrungen von Ärztinnen und Ärzten zu E-Health? Anworten darauf liefert der Digitalisierungsreport 2021 von DAK-Gesundheit und der Ärzte Zeitung. EPatient Analytics hat dazu Ende 2021 knapp 600 Ärztinnen und Ärzte online befragt. Gezeigt hat sich, dass die Befragten, die wichtigsten digitalen Gesundheitslösungen kennen, aber noch nicht eingesetzt haben. Fast die Hälfte der Befragten fühlt sich mit der Nutzung der Tools sogar überfordert. „Die Ergebnisse zeigen, dass die Ärzteschaft bei der Digitalisierung nicht mitgenommen wurde“, sagt Andreas Storm, Vorstandsvorsitzender der DAK-Gesundheit. „Wir brauchen deshalb eine gemeinsame Digitalisierungsstrategie und eine neue Qualität der Zusammenarbeit.“ Nur gemeinsam könne die Digitalisierung erfolgreich sein.

Hauke Gerlof, Stellvertretender Chefredakteur der Ärzte Zeitung versteht die ablehnende Haltung der Ärzteschaft. Denn die Technik sei bei der Einführung häufig noch fehlerhaft.

Beliebtestes Tool: Digitale Terminvergabe

Die am weitesten verbreitete digitale Anwendung in Arztpraxen ist laut dem Digitalisierungsreport die elektronische Terminvergabe. Knapp 15 Prozent der Befragten nutzt diese regelmäßig, knapp 14 Prozent hat sie bereits verwendet. Eine positive Nutzungserfahrung hinsichtlich Zeitersparnis in der Organisation haben 64 Prozent von ihnen gemacht.

Skepsis gegenüber Telematik

Besondere Skepsis ermittelte die Befragung bei den Medizinerinnen und Medizinern in Bezug auf die Telematikinfrastruktur (TI). 93,5 Prozent äußerten sich negativ zu ihren Erfahrungen mit der TI. Viele bemängelten auch eine ungenügende Einbindung der Ärzteschaft seitens Politik und Gematik. Sie fühlen sich bevormundet.

Kernkritiken
  • Es besteht ein Akzeptanzproblem für digitale Lösungen.
  • Die „digitale Readiness“ des Gesundheitssystems ist unzureichend.
  • Es gibt signifikante Unterschiede im ambulanten und stationären Bereich.
  • Digitale Lösungen sind noch nicht flächendeckend in der Versorgung angekommen.
  • Werden digitale Lösungen genutzt, sind positive Effekte zur erkennen.

Quelle: 3. Digitalisierungsreport 2021/Ärzte Zeitung/DAK Gesundheit

Digitalisierungsreport 2021
© DAK Gesundheit/Ärzte Zeitung/Digitalisierungsreport 2021

Handlungsbedarf: Transparenz

„Die Ergebnisse unseres Digitalisierungsreports sind ein Weckruf, der Konsequenzen haben muss“, erklärt Storm. Seiner Einschätzung zufolge leiten sich aus diesen Ergebnissen zwei Handlungsbereiche für die Ampel-Regierung ab:

  1. Eine „ehrliche und schnelle Bestandsaufnahme“ und darauf aufbauend die Erarbeitung von „Maßnahmen im Sinne der digitalen Versorgung“.
  2. Die Optimierung der Governance-Strukturen hinsichtlich einer stärkeren Einbindung der Selbstverwaltungspartner.

Storm wünscht sich außerdem eine „neue Qualität in der Zusammenarbeit“. Entscheidend sei seiner Meinung nach, dass sowohl die Ärztinnen und Ärzte als auch die Krankenkassen stärker in die Digitalisierungsgestaltung eingebunden werden.

3 Lösungsansätze
  1. Vereinfachte operative Umsetzung digitaler Lösungen im Versorgungsalltag.
  2. Verbesserung der „digitalen Readiness“ in den Praxen
  3. Stärkung der Selbtsverwaltung bei der Weiterentwicklung der gematik

Quelle: 3. Digitalisierungsreport 2021/Ärzte Zeitung/DAK Gesundheit