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Einigung im Tarifstreit 430 zusätzliche Pflegekräfte fürs UKSH

Der gordische Knoten ist durchschlagen: Nach monatelangen Verhandlungen und Warnstreiks gibt es im Streit um mehr Pflegekräfte am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein eine Einigung.

Nach monatelangen Verhandlungen und Warnstreiks ist der Tarifstreit um mehr Pflegekräfte am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) beigelegt. Die Landesregierung, der Vorstand des UKSH und die Gewerkschaft ver.di verständigten sich am Freitag (13.03.2020) auf eine Vereinbarung für Entlastung und Personal am UKSH, die insgesamt bis zu 550 neue Stellen fest zusagt oder in Aussicht stellt. Ein nach einer Urabstimmung möglicher unbefristeter Streik am UKSH wurde damit abgewendet.

Alle Beteiligten äußerten sich in Kiel hochzufrieden

Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) bezeichnete die Einigung als echten Gewinn. Der Vorsitzende des UKSH-Aufsichtsrats, Oliver Grundei, sprach von einem «weiteren Meilenstein für die Zukunftssicherung des UKSH». Aus Sicht der Gewerkschaft ver.di ist die Vereinbarung «ein Leuchtturm im schleswig-holsteinischen Gesundheitswesen und hat das Potenzial, Geschichte zu schreiben».

«Es ist ein Riesenerfolg für alle Beteiligten», sagte ver.di-Verhandlungsführer Steffen Kühhirt. Erstmals werde in Schleswig-Holstein eine Vereinbarung für Entlastung an einem Klinikum erreicht. Für Belastungssituationen gebe es künftig verbindliche Mechanismen.

Mehr Stellen für die Pflege

Für den Pflegebereich sieht die Vereinbarung vor, dass noch in diesem Jahr 180 neue Stellen geschaffen werden. Bis 2023 sollen stufenweise weitere 250 Stellen geschaffen werden, so dass das Personal insgesamt mit 430 Stellen aufgestockt wird. Hinzu kommen schnellstmöglich weitere 120 Stellen für medizinische Fachangestellte oder einjährig im Gesundheitswesen Qualifizierte für eine wirksame und schnelle Entlastung im Pflegedienst. Nach Angaben des UKSH sind im Klinikum in Kiel und Lübeck insgesamt rund 3.300 Pflegekräfte beschäftigt.

Der Aufbau von 430 Pflegestellen zukünftig, ein fest und schichtgenau vereinbarter Sollstellenschlüssel für die Pflege, ein wirksamer Belastungsausgleich sowie deutliche Verbesserungen für die Auszubildenden wertete Kühhirt als echte Erfolge. Der Belastungsausgleich am Zentrum für integrative Psychiatrie sei bundesweit einmalig. «Das, was erreicht wurde, ist von allergrößter Bedeutung für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen und bietet dem UKSH eine echte Chance für einen Kulturwandel», sagte Kühhirt.

Heinold, die die Gespräche federführend für die Landesregierung geführt hatte, dankte allen Beteiligten «für den konstruktiven Prozess». «Wir haben die Zeit intensiv genutzt, um in sehr konstruktiven Gesprächen eine tragfähige Lösung zu finden. Pflege braucht mehr Personal und besondere Belastungssituationen müssen ausgeglichen werden.» Auch im nichtpflegerischen Bereich seien Mitarbeiter besonderen Belastungen ausgesetzt, die es abzubauen gelte. «In diesem Sinne ist die Einigung ein echter Gewinn.»

«Die langen Verhandlungen haben bewiesen, dass es sich lohnt, sich an den Bedürfnissen und Belastungen der Pflegenden zu orientieren», sagte Michael Kiens, Vorstand für Krankenpflege, Patientenservice und Personalangelegenheiten des UKSH. «Aus meiner Sicht ist das gemeinsame Ziel erreicht, diese Bedürfnisse der Pflegenden und die Sicherheit der Patientenversorgung in einer Vereinbarung zusammenzubringen. Wir haben die bestmögliche Kompromisslinie gefunden, die alle an die Grenzen des Möglichen bringt.»

Nach Gewerkschaftsangaben hatten sich kürzlich bei einer Urabstimmung mehr als 97 Prozent ihrer Mitglieder für einen unbefristeten Arbeitskampf an den beiden Standorten Kiel und Lübeck ausgesprochen. Das Klinikum hatte vor der Einigung angeboten, 182 Mitarbeiter mehr einzustellen. verdi hatte 420 Beschäftigte mehr verlangt, um eine angemessene Pflege zu gewährleisten. Die Tarifkommission hat empfohlen, das verhandelte Ergebnis anzunehmen. Jetzt müssen noch die Mitglieder in einer erneuten Abstimmung zustimmen.

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