Video, ePa, Contact Center 3 Technologietrends im Gesundheitswesen

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Gesundheitstechnologien können einen Beitrag zur Entlastung hinsichtlich der Herausforderungen im Gesundheitswesen beitragen. Dabei kommt v.a. der Videokonsultation, der elektronischen Patientenakte (ePA) und dem Contact Center eine entscheidende Rolle zu.

Healthcare-Technologie-Trends
Videokonsultation gehört zu den Top-Healthcare-Trends der Gegenwart. – © daniilvolkov (stock.adobe.com)

2021 hat zweierlei sehr deutlich gezeigt. Erstens: Die Digitalisierung im Gesundheitswesen schreitet voran. Zweitens: Pflegekräfte sind aus diversen Gründen am Limit und darüber hinaus. Die Lage ist ohnehin drastisch – und sie spitzt sich weiter zu. Einen kleinen Beitrag zur Entspannung der Situation können Technologielösungen bieten.  Das „Gesetz zur digitalen Modernisierung von Versorgung und Pflege“ soll für eine Verbesserung der Lage sorgen und schafft Anreize, den Wandel anzustoßen. Drei der Technologien, die sich dabei besonders hervortun, sind Video, ePA und Contact Center.

Video im medizinischen Kontext

Im Gesundheitswesen gibt es mindestens drei große Einsatzszenarien für Videoübertragung: Die Videosprechstunde, eine Videoüberwachung von Risikopatienten und -patientinnen sowie die Videoaufklärung per Drohne.

Wenn es darum geht, Kontakte zu reduzieren, ist die Videosprechstunde ein wichtiger Schritt vorwärts. Sie erspart eine möglicherweise mühsame Anreise und schützt vor unnötigen Kontakten. Das reduziert die Ansteckungsgefahr.

Darüber hinaus kann medizinisches Personal eine Videokonferenz nutzen, um die Vor- und Nachsorge durchzuführen. Auch für eine Verlaufskontrolle bietet sich ein Videogespräch an. Schließlich gibt es entlegene Orte, an denen medizinisches Fachpersonal schwer zu erreichen ist. Videokonsultation eignet sich zudem einerseits für Interaktionen zwischen Fachpersonen und zu Behandelnden, bei denen ein reiner Informationsaustausch stattfindet. Das kann etwa ein Aufklärungsgespräch der Anästhesie sein. Andererseits hilft es bei Themen, die klar einzugrenzen sind – z.B. die Dermatologie. Hier ist eine hohe Auflösung der Kamera wichtig, um Zustand und Veränderungen der Haut möglichst genau einschätzen zu können.

Eine Videoüberwachung in Echtzeit bietet sich an, um bei bestimmten Risiken zu überwachen. Dazu gehören etwa Neugeborene oder die Intensivbetreuung. Das Pflegepersonal kann diese so nicht nur per Vitalwertmessung im Auge behalten, sondern auch optisch. So müssen sie sich, gerade im Notfall, nicht allein auf Alarmsignale verlassen.

Drohnen helfen dabei, die Lage an einem Unfallort frühzeitig einzuschätzen. Noch bevor die Rettungskräfte überhaupt eintreffen, können sie sich besser darauf einstellen, was sie erwartet. Zudem ist es möglich, eine direkte Anbindung an die Leitstelle oder Notaufnahme herzustellen – das erleichtert die Rettung für alle Einsatzkräfte.

Elektronische Patientenakte

Gegenwärtig hängt häufig noch der Informationsdurchfluss zwischen unterschiedlichen Institutionen, etwa Versicherern und Hausarztversorgung oder Kliniken. Dieser Informationsfluss sollte dabei aber automatisiert funktionieren, da Papier und händische Eingaben für Fehler und zusätzlichen Aufwand sorgen. Die Prozessautomatisierung beschleunigt, vereinfacht und vergünstigt die Kommunikation und deren Qualität.

Die elektronische Patientenakte (ePa) ist ein einheitliches Tool, das allen Leistungserbringern und Gesundheitsinstitutionen den direkten Zugriff ermöglicht. Das hat zahlreiche Vorteile:

  1. Die Datenstruktur ist standardisiert und sämtliche Interaktionen werden rechtssicher dokumentiert.
  2. Sämtliche Gesundheitsdaten, inklusive der Dokumentation bisheriger Erkrankungen und Behandlungen sowie möglicher Allergien sind in Echtzeit abrufbar.
  3. Die vorliegenden Daten beschleunigen die Anamnese.
  4. Für eine sofortige Kontaktaufnahme ist die Integration von Chat-, Telefon- und Videokommunikation möglich.

Insgesamt gilt die ePa als Treiber der Digitalisierung. Sie vereinfacht und verschlankt die Bürokratie, beispielsweise für Versicherungsdienstleister, rund um Freigabeschleifen durch Direktchatmöglichkeiten oder Plattformanwendungen. Dank der ePa können Vorgänge automatisiert werden. So können die Sachbearbeiter:innen mit ihrer Hilfe in Echtzeit alle einzelnen Chats, Dokumentationen, Freigaben und ähnliches automatisiert zusammenfügen und die Folgeprozesse anstoßen. Das nimmt ihnen sehr viel Arbeit vom Schreibtisch.

Contact Center im medizinischen Kontext

Unternehmen und Institutionen im Gesundheitswesen stellen ihre Kommunikation zunehmend auf zentrale Ansprechstellen um. Hier können sich die Patientinnen und Patienten über allgemeine und konkrete Gesundheitsfragen informieren, z.B. via Telefon- oder Chat-Gespräch mit einem Mitarbeitenden, sowie via Chatbot oder E-Mail. Nach erfolgreicher Registrierung kann man dem Fachpersonal aktuelle Informationen zukommen lassen.

Darüber hinaus können Smartwatch oder andere IoT-Geräte, die den Gesundheitszustand überwachen, direkt verbunden und Werte in Echtzeit übertragen und kontrolliert werden. Das vereinfacht insbesondere die Fern- und Selbstüberwachung chronisch kranker Patient:innen sowie die daraus folgenden Prozesse.

Zu den typischen Krankheitsbildern, für die solche Contact Center gut geeignet sind, gehören etwa Diabetes, Blutdruck- und Herzprobleme, Bewegungseinschränkungen an Rücken, Knie, Schulter und Hüfte sowie Depressionen und Covid-19-Erkrankungen.

Wie schon die Videosprechstunde ist auch das Chronic Remote Patient Monitoring während einer Pandemie ein wichtiges Angebot. Automatische Abfragen erinnern regelmäßig daran, z.B. den Pain Score einzutragen und den aktuellen mentalen Zustand zu bewerten. Ändert sich einer der Werte deutlich – insbesondere negativ – kontaktiert das Personal die Betroffenen schnellstmöglich, um eine genauere Einschätzung zu ermöglichen. Darüber hinaus erfolgt eine automatische Verlaufskontrolle anhand der eingereichten Bilder, Videos und Messwerte. Dadurch können Probleme frühzeitig erkannt und Eskalationen verhindert werden.

Ähnlich funktioniert das Chronic Disease Self-Management. Für den Zeitraum der Behandlung wird der Patient bzw. die Patientin aus der Ferne überwacht. Die Updates erfolgen dabei in einem variablen Intervall – das kann stündlich bis täglich sein. Auch hier geben die Leistungsempfänger durch automatische Abfragen ihren Pain Score, ihre Beweglichkeit sowie ihren allgemeinen Zustand ein. Ebenso können sie ihre Vitalwerte, zum Beispiel den Blutzucker, automatisiert überwachen lassen. Dadurch haben sie die Sicherheit, dass das Fachpersonal rechtzeitig eine Nachricht über kritische Änderungen erhält und entsprechend eingreifen kann. Sind die Patientinnen und Patienten z.B. durch einen Unfall bewegungseingeschränkt aber selbstständig, können sie sich so in ihrer gewohnten Umgebung erholen. Bei Rückfällen ist eine sofortige Reaktion möglich.

Kontakt zum Autor:

Patrick Haßler, Sales Specialist Healthcare, Avaya GmbH & Co. KG, phassler@avaya.com