Pflege -

3 Fragen an ... ... Marita Neumann vom Seniorenstift Haus Berge in Essen

Das Seniorenstift Haus Berge ist eine Spezialeinrichtung für 108 Menschen mit Demenz in Essen mit 95 Beschäftigten in Pflege, Hauswirtschaft, Verwaltung etc. Gerade bei weit fortgeschrittener Demenz zeigt sich bei den Bewohnern oft ein herausforderndes Verhalten gegenüber den Pflegenden. Deshalb initiierte Einrichtungsleiterin Marita Neumann ein Projekt zur Gewaltprävention. Mit systematischen Fortbildungen und Besprechungen konnte das Haus Berge erreichen, dass sich die Beschäftigten sicherer im Umgang mit den Bewohnerinnen und Bewohnern fühlen.

Was war in Ihrer Einrichtung die Herausforderung? Was hat Sie zum Handeln veranlasst und welche Ziele wollten Sie erreichen?

Neumann: An Demenz erkrankte Bewohner verhalten sich bei pflegerischen Tätigkeiten oft ablehnend und aggressiv den Pflegekräften gegenüber. Das kann mit körperlichen und psychischen Verletzungen einhergehen. Oberstes Ziel ist für uns natürlich, dass alle Mitarbeiter bei der Pflege und Betreuung der Bewohner körperlich und geistig unversehrt bleiben.

Wie sind Sie vorgegangen und welche Instrumente haben Sie genutzt?

Neumann: Seit 2014 finden jährlich Antiaggressionsmanagement-Trainings im Haus Berge statt. Bisher haben 45 Mitarbeitende am dreitägigen Basiskurs teilgenommen. Ein Auffrischungstag nach einem Jahr dient der Wiederholung und Reflexion des Erlernten. Die Trainer unterstützen und geben praktische Tipps für alltägliche Pflegesituationen mit Demenzerkrankten und für den Umgang mit Ablehnung und Aggression. Hierzu gehören Schutzaspekte für die Pflege, Signalwörter, Kommunikation und eindeutige Handlungsanweisungen, wie etwa dass die pflegerische Versorgung bei auffälligem Verhalten immer zu zweit erfolgt. Auch Basis- und Befreiungsgriffe sind Inhalte der Schulungen. Außerdem thematisieren wir verhaltensauffälliges Bewohnerverhalten regelmäßig auf Bewohnerkonferenzen und bei Fallbesprechungen. Hierbei fließen neben kollegialen Erfahrungen auch Erkenntnisse aus dem Aggressionsmanagement in die Lösungsfindung ein.

Die geschulten Mitarbeiter haben für sich verschiedene Möglichkeiten erkannt, das Erlernte anzuwenden. Einerseits haben sie gelernt, Gewaltausbrüche präventiv zu verhindern, andererseits können sie Aggression und Gewalt handlungsfähig begegnen. Sie gehen sicherer in pflegerische Situationen und können auch Angehörige oder andere Bewohnerinnen und Bewohner besser schützen.

Was konnten Sie mit der Umstellung erreichen und wie haben Sie sichergestellt, dass die Veränderungen nachhaltig sind?

Neumann: Die Mitarbeitenden sind sicherer geworden und die Anzahl der Verletzungen hat sich deutlich reduziert. Da die Pflegenden das Erlernte täglich umsetzen und wir uns zusätzlich regelmäßig bei Bewohner- und Fallbesprechungen darüber auszutauschen, konnten wir eine nachhaltige Verankerung des Erlernten und damit dessen praktische Umsetzung im Alltag erreichen.

Vielen Dank für die Antworten, Frau Neumann.

Die Fragen stellte psyGA in Zusammenarbeit mit HCM.

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