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Nachbericht zum Pflegemanagement-Kongress in Köln "Werden Sie laut, werden Sie sichtbar!"

In Köln fand am 24. September der 4. Pflegemanagement-Kongress statt. Hierbei ging es vor allem um die politische Einflussnahme der Pflegenden. Referenten aus Politik, Wissenschaft und Management diskutierten über verschiedene Themen der Branche – auch über dessen Image.

Themenseiten: Pflegekammer und Generalistik
"Werden Sie laut, werden Sie sichtbar!"
NRW-Ministerin Barbara Steffens stellt sich den Fragen des Publikums. -

Im Mittelpunkt des 4. Pflegemanagement-Kongresses am 24. September 2015 an der Uniklinik Köln stand das Thema Pflegepolitik. Unter dem Motto "Mehr Politik wagen!" diskutierten Referenten aus Politik, Wissenschaft und Management unter reger Beteiligung des Publikums: Wie funktioniert Politik? Was braucht es, damit die Pflegenden sich politisch engagieren und agieren? Wie werden die Forderungen der Pflegenden zielgerichtet und adressatengerecht vorgetragen und am Ende erfolgreicher als bisher durchgesetzt?

"Pflege muss für ihre Rechte eintreten"

Vor mehr als 200 Teilnehmern führte Vera Lux, Pflegedirektorin und Vorstandsmitglied der Uniklinik Köln, in das Thema ein und rief dazu auf, sich politisch zu engagieren. Dabei nahm sie die Berufsgruppe Pflege in die Pflicht: "Jammern hilft nicht. Pflege muss für ihre Rechte eintreten und Verantwortung übernehmen." Dr. Eckhart von Hirschhausen forderte per Video-Grußbotschaft: "Werden Sie laut, werden Sie sichtbar".

Prof. Dr. Michael Isfort vom dip e.V. lenkte den Blick auf den Einfluss von pflegewissenschaftlichen Erkenntnissen auf die Politik. Als zentrale Themenfelder identifizierte Isfort Aus-, Fort- und Weiterbildung, Finanzierung, pflegerische Versorgung, Selbstverwaltung und Pflegequalität. Neben der Einflussnahme auf die politische Willensbildung durch direkte Beauftragung der Politik oder über Gremienarbeit sieht Isfort auch die gezielte Medienarbeit als hilfreiches Instrument. Als Beispiel nennt er eine aktuelle Pressemitteilung des dip e.V. gegen politische Stimmungsmache in der Generalistik-Debatte.

Image der Pflege in der Gesellschaft

"Warum zählt die Stimme der Pflegenden so wenig?", fragte die ehemalige Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer. Als einen Hauptgrund nannte Fischer, dass Deutschland immer noch in seiner Tradition einer Sicht auf die Pflege gefangen sei, wonach sie eine nachrangige, untergeordnete und darum an die Qualifikation nicht sehr hohe Ansprüche stellende Tätigkeit ist. Sie sieht aber auch positive Entwicklungen. Insbesondere bei der Mitwirkung der Pflege glaubt Fischer an eine große Chance für den Wandel. Sie prophezeite: "Eine Pflegekammer ist der Sargnagel eines überkommenen Systems ohne die Pflege."

Die Vize-Präsidentin des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe e.V., Gertrud Stöcker, bekräftigte in ihrem Beitrag, wie notwendig es für Deutschland ist, eine moderne Pflegeausbildung mit gemeinsamer Grundausbildung und darauf aufbauender Spezialisierung zu schaffen. In der derzeitigen Situation der Pflege und Pflegeausbildung sieht sie klare Tendenzen der Deprofessionalisierung. Stöcker bekräftigte: "Die jetzige Ausbildung reicht nicht mehr für eine professionelle Pflege."

Diskussion über die Pflegekammer

"Wir brauchen eine realistische Betrachtung des Pflegebedarfs", führte NRW-Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter, Barbara Steffens aus und forderte ein verbindliches Personalbemessungssystem für die Pflege. Derzeit seien die Arbeitsbedingungen belastend und Pflege habe zu wenig Zeit für die Patienten. Zur Pflegekammer in NRW äußerte sie sich eher zurückhaltend. Voraussichtlich wird es dazu auch in NRW eine Befragung der Pflegenden geben.

Dr. Markus Mai, Vorsitzender des Gründungsausschusses der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz, kommentierte die Ausführungen Steffens: "Frau Steffens, mit allem, was Sie gesagt haben, schreien Sie nach einer Pflegekammer." Mai hob in seinem Vortrag hervor, wie und wo die Pflegekammer als hoheitliches Selbstverwaltungsorgan zukünftig beteiligt ist, um die Interessen der Pflegenden zu vertreten. Auf dem Weg zur Pflegekammer ist insbesondere die ausreichende Information von großer Bedeutung. Mai führte dazu aus: "Informierte Pflegende sind in der Regel für beziehungsweise nicht gegen die Pflegekammer."

Politisches Engagement als Generationenfrage

"Desillusioniert, dynamisch, demokratisch" – unter dieser Überschrift beleuchtete Markus Lauter, u.a. Mitgründer des Hochschulreferats Berufspolitik Pflege in Berlin, die Generation Y – die Bevölkerungsgruppe, deren Mitglieder zwischen 1977 und 1998 geboren worden sind. Er stellte die Frage: "Wann wirst du politisch aktiv?" Damit einhergehend sieht Lauter auch alle anderen in der Pflicht: "Geht zu den Jungen, zieht und drängt sie in die Politik, wenn euch was an der Demokratie liegt!"

Zum Abschluss des Tages gab Birgit Pätzmann-Sitas einen allgemeinen Überblick über die Mitwirkung der pflegeberuflichen Organisationen bei gesundheitspolitischen Fragestellungen. Sie ging insbesondere auf ihre Rolle als Vertreterin des Deutschen Pflegerats e.V. im Gemeinsamen Bundesauschuss ein. Sie vertritt die Pflege dort bisher nur ehrenamtlich und ohne Stimmrecht. Für Pätzmann-Sitas ein weiteres Argument für den Aufbau einer Pflegekammer.

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