Personal & Führung -

Organisationsentwicklung No Rocket-Science?

Die Frankfurter Rotkreuz-Kliniken erleben seit kurzem die selbstverordnete Neuorganisation ihrer Krankenhaus­struktur, genannt „Abenteuer Agilität“. Abenteuer, weil unbekannt und unsicher; Agilität, weil interdisziplinär und ­flexibel. Die Ziele: Traditionelles Silodenken abbauen und Effizienz durch Mitarbeiterverantwortlichkeit steigern.

Themenseite: Klinikmarktentwicklung

Seit vielen Jahren sind Krankenhäuser mit massiven Veränderungen konfrontiert. Demografie, Fachkräftemangel, Technisierung, neue Strukturvorgaben, steigende Qualitätssicherung und die Zunahme der gesetzlichen Vorgaben sowie neue Anforderungen an die Krankenhausfinanzierung führen zu steigender Wettbewerbsintensität. Bisher war die Reaktion darauf die Kostenreduzierung vorzugsweise im Bereich der Personalkosten. Eine Handlungsweise, die nun überreizt scheint, geht es doch darum, Wirtschaftlichkeit und Qualität in Einklang zu bringen. Das bisher vorherrschende Denken ist damit weitgehend zu überwinden. Deshalb haben Vorstand und Geschäftsführung der Frankfurter Rotkreuz-Kliniken Ende 2016 ein umfassendes und auf mehrere Jahre angelegtes Programm der Organisationsentwicklung (OE) eingeleitet.

Der Plan: mehr Agilität

Im Zentrum stehen zum einen die Überprüfung der Prozesse und Abläufe, zum anderen auch die Überführung der Organisation hin zu einem Mehr an Agilität. Obwohl das Konzept an sich aus den 1950er-Jahren stammt, gewinnt es aktuell wieder immens an Bedeutung. Die Fähigkeit, mit Unsicherheiten umzugehen, ist essenziell geworden. Strategische Ausrichtung, Zeit und Anpassungsfähigkeit werden zu wichtigen Erfolgsfaktoren. Flexibilität ist gefordert, die traditionell vorherrschenden Instrumente der Unternehmensführung wie Planung, Anwendung von Absicherungsmechanismen werden abgelöst von iterativen Aktivitäten und der klaren Übertragung von Verantwortung. Damit verliert die Aufbauorganisation an Bedeutung, netzwerkartige Ablauforganisationen mit multifunktionalen, interdisziplinären und projektorientierten Teams gewinnen. Auf den ersten Blick ungewöhnlich; ein flexibles Chefarzt-System, eine flexible OP-Struktur? Wie soll das funktionieren? Die Antwort lautet: Mit Agi­lität, die entsprechend der jeweiligen Aufgabe anzupassen ist. Dabei nutzen die Frankfurter Rotkreuz-Kliniken ganz gezielt das Know-how der Mitarbeiter. Dahinter steht die Erkenntnis, dass kein (Top-)Management den Anspruch für sich erheben kann, in einer zunehmend spezialisierten und komplexer verzahnten Welt das notwendige Wissen, die erforderlichen Kompetenzen und alle Details im Blick zu haben. Die Mitarbeiter kennen die Schwächen der Organisation gut. Dieses Wissen kann zu einem evolutionären statt zu einem von oben verordneten Wandel führen.

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