Health&Care -

11. Gesundheitswirtschaftskongress Medizin 4.0: "Risiken und Nebenwirkungen beachten"

Auch in diesem Jahr konnte der Gesundheitswirtschaftskongress in Hamburg, bei dem HCM als Medienpartner fungierte, mit vollen Sälen und einem umfangreichen Programm punkten. Novum war die Beteiligung der Wohnungswirtschaft, um dem zunehmenden Anliegen vieler älterer Menschen Rechnung zu tragen, so lange wie möglich zu Hause leben zu wollen. Konstruktiv gestritten wurde u.a. über das Thema „Medizin 4.0: Sind Menschen doch Autos?“.

Themenseiten: E-Health und Digitalisierung
Medizin 4.0: "Risiken und Nebenwirkungen beachten"
Gesundheitsunternehmer und Kongresspräsident Prof. Heinz Lohmann. -

Mit einem Bekenntnis zur intensiven Zusammenarbeit zwischen Gesundheits- und Immobilienwirtschaft ging Donnerstagabend der 11. Gesundheitswirtschaftskongress in Hamburg zu Ende. „Da der weit überwiegende Teil der älter werdenden Menschen in ihren Wohnungen bleiben möchte, steht die Wohnungswirtschaft vor großen Herausforderungen,“ betonte Gesundheitsunternehmer und Kongresspräsident Prof. Heinz Lohmann nach Abschluss der Veranstaltung.

Eine große Zahl von Wohnungen müsse noch altersgerecht gestaltet werden. Zudem müssten in den Wohnquartieren Assistenzangebote etabliert werden, die ältere Menschen darin unterstützen, trotz Beeinträchtigungen weitgehend selbstständig zu leben. Für die baulichen Umgestaltungen und die Serviceangebote müsse der Grundsatz „so viel wie nötig“, nicht aber „so viel wie möglich“ gelten, um die Mietpreise weiterhin bezahlbar zu halten. Zur Erreichung dieses Ziels sei eine intensive Zusammenarbeit der Wohnungswirtschaft mit der Gesundheits- und Sozialwirtschaft unerlässlich und biete beiden Branchen große Chancen.

Digitalisierung mit Diskussionsbedarf

Der Gesundheitswirtschaftskongress hatte in rund 35 Einzelveranstaltungen mit etwa 175 Referenten und Moderatoren zwei Tage lang alle wichtigen Themen der künftigen Herausforderungen diskutiert. Mehr als 800 Führungskräfte tauschten Ideen und Konzepte aus und besprachen diese mit maßgeblichen Vertretern aus Fachverbänden und der Politik.

Plenum

Die provokante These zum Auftakt - „Medizin 4.0: Sind Menschen doch Autos?“ - wurde im Plenum u.a. von Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks, TK-Chef Dr. Jens Baas und Prof. Dr. Gero Strauß (Chefarzt für HNO-Chirurgie) gern aufgenommen, um den Verdacht auf ferngesteuerte „Fließband-Behandlungen“ zu nehmen. Die Politikerin meldete zur Digitalisierung allerdings Diskussionsbedarf an: „Wir müssen Risiken und Nebenwirkungen beachten,“ so Prüfer-Storcks, „85 Prozent der Deutschen lehnen es ab, Gesundheitsdaten weiterzugeben. Auch ich sähe es kritisch, wenn solche Daten direkt an die Krankenkassen gegeben würden.“

Krankenhaus-Studie zur Digitalisierung vorgestellt

Darüber hinaus wurde die Studie „Digitalisierung in der Gesundheitswirtschaft“ vorgestellt, für die von der Personalberatung Rochus Mummert Healthcare Consulting mehr als 300 Führungskräfte an deutschen Krankenhäusern befragt wurden. Das Ergebnis: Nur 28 Prozent der deutschen Krankenhäuser besitzen bereits eine umfassende Strategie, wie sie den Herausforderungen der digitalen Transformation in der Gesundheitswirtschaft begegnen wollen. Weitere 46 Prozent der Kliniken haben sich immerhin schon mit Einzelprojekten auf den Weg zur „Medizin 4.0“ gemacht.

„Wie unsere Untersuchung zeigt, wird das Thema Digitalisierung in den Kliniken zwar vor allem durch die Geschäftsführung vorangetrieben,“ sagte Dr. Peter Windeck, Studienleiter und Geschäftsführer von Rochus Mummert Healthcare Consulting. „Aber auch die medizinischen Führungskräfte agieren schon häufig als digitale Treiber – meist sogar stärker als ihre Kollegen aus der IT-Abteilung. In privaten Kliniken macht sich die Ärzteschaft dabei überdurchschnittlich für die Medizin 4.0 stark.“

Laut Studie sei zu erwarten, dass sich die Quote der Kliniken mit einer unternehmensübergreifenden Digitalstrategie binnen der nächsten fünf Jahre auf 56 Prozent verdoppelt. „Dennoch ist die Digitalisierung der Kliniken kein Selbstläufer,“ so Krankenhausexperte Windeck. „Die von uns befragten Klinikmanager verweisen hier vor allem auf fehlende finanzielle Ressourcen sowie eine immer noch in vielen Kliniken anzutreffende allgemeine Angst vor Veränderungen. Die Digitalisierung der Medizin ist also nicht nur eine technologische, sondern auch eine Führungsherausforderung.“

Verleihung des Lohfert-Preises

Am ersten Veranstaltungstag wurde auch der Lohfert-Preis vergeben, der dieses Jahr unter dem Motto „Verfahren und Konzepte zur systematischen Fehlermessung in der stationären Krankenversorgung“ ausgeschrieben war. Die Auszeichnung im Wert von 20.000 Euro, für die 45 eingereichte Projekte im Rennen waren, ging zu gleichen Teilen an die Projekte „MEDUSA – Medical EDUcation for Sepsis source control and Antibiotics“ und „Interdisziplinäres Chemotherapiemanagement zur Fehlermessung und Fehlerprävention“.

„MEDUSA“ wurde am Universitätsklinikum Jena unter der Leitung von Prof. Dr. Konrad Reinhart und den Mitarbeitern Dr. Frank Bloos, Ph.D. und Dr. Hendrik Rüddel von der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin und dem dort angesiedelten Integrierten Forschungs- und Behandlungsbereich „Sepsis und Sepsisfolgen“ initiiert. Das andere Projekt am Universitätsklinikum Freiburg steht unter der Leitung von Prof. Dr. Monika Engelhardt, Klinik für Innere Medizin I, Hämatologie, Onkologie & Stammzellentransplantation.

© hcm-magazin.de 2017 - Alle Rechte vorbehalten
Kommentare
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar angeben zu können.
Login

* Pflichtfelder bitte ausfüllen